Ein Jahr Pandemie – und kein wirkliches Ende in Sicht

Und wieder kein Reisebericht…

Seit mehr als einem Jahr leben wir nun auf Sparflamme. Obwohl die Impfung ein Hoffnungsschimmer schien, geht alles nur sehr schleppend voran. Und die vielen Kranken und Toten sind fürchterlich.

Sicher, im Gegensatz zu anderen geht es uns hier gut. Eigenes Haus, keine beruflichen Verpflichtungen, keine Existenzängste. Aber ich sehe all das Unglück um mich herum. Um ein Jahr Schließung von Einzelhandelsläden und Kulturstätten wegzustecken, braucht es schon ein gutes finanzielles Polster. Und viel Mut und Zuversicht weiter zu machen. Ein paar große Gewinner gibt es, allen voran Amazon, denen ich selbst auch (wenn auch ungern) zu weiterem Erfolg verholfen habe.

Alle die Schlappen und Versäumnisse der Regierung aufzuzählen erspare ich mir hier, da sie in jeder Talkshow durchgekaut werden.

Ja, inzwischen bin ich sogar geimpft – es fühlte sich an wie ein großer Stein, der von meiner Brust abfiel.
Im nächsten Moment kamen die Sorgen um die Familie unseres Sohnes zurück. Kitaschließung wegen Coronafällen, die Pflicht zur Arbeit im Büro mit anderen. Ein Enkel, der zum zweiten Mal seinen Geburtstag ohne Freunde „feiern“ muss, und der nachts aufwacht und mich fragt: „Oma, wann ist Corona endlich vorbei?“
Zum Glück sind dieses Jahr wenigstens die Spielplätze nicht wieder abgesperrt!

Auch in meiner privilegierten Situation fange ich an, vieles wirklich schmerzlich zu vermissen:

Reisen natürlich vor Allem. Den Ruhestand hatte ich mir wahrhaft anders vorgestellt. Ich wollte die Welt erkunden, Reiseberichte schreiben, fremde Menschen kennen lernen. Aber kaum hatte ich damit begonnen, war es schon wieder vorbei.

Treffen mit Freunden! Sicher, die Verbindung konnte man mit den meisten halten – Telefon, Facetime und Email sei Dank. Aber es ist nicht dasselbe, als wenn man „live“ bei einem Wein zusammen sitzt und sich unterhalten kann. Bei einigen gingen die Meinungen über die Art der Bewältigung sogar soweit auseinander, dass die Freundschaft es nicht aushielt.

Theater, Konzerte und Stadtfeste, Karussellfahren mit den Enkeln, Schwimmen gehen und Skifahren mit ihnen, alles nicht möglich. Dazu immer der Gedanke: Wieviel Zeit hast du eigentlich noch in deinem Leben, in dem diese Dinge noch problemlos möglich sind? Kranke und inzwischen sogar tote Bekannte lassen einen sehr nachdenklich werden.

Mit einer Freundin zwanglos shoppen gehen und in einem Café einen Latte Macchiato genießen. Ich war eigentlich nie so versessen aufs shoppen, aber so gar keine Möglichkeit fühlt sich auch komisch an.

Sport in der Gruppe. Nicht nur, dass ich meine Tanz-Ag jetzt wohl endgültig verloren habe, auch die Gruppe in der ich selbst tanze möchte ich gern wieder im Studio treffen statt nur auf Zoom. Rückentraining im Fitness-Studio wäre absolut notwendig – auch wenn das Studio sich große Mühe gibt mit Online-Kursen, Geräten und persönlicher Trainer-Beratung. Vielen Dank dafür an die Sportfabrik in Bonn-Beuel! Aber es ist nicht dasselbe…


Ich gehe oft Sonntags mit meinem Mann in die Rheinaue zum Bötchensee, wo er sein Modellboot fahren lässt – immer schön auf Abstand mit seinen Modellbau-Kollegen. Ich jogge dann eine Runde durch den Park (wo ich fast schon von den Nutrias, die dort rumlaufen persönlich begrüsst werde) und anschließend essen wir zu Mittag Im „Glühgarten“ des Parkrestaurants, ein paar Imbiss-Buden, wo man diverse leckere Sachen bekommt, zusätzlich Kaffee, Glühwein etc. – und man kann sie sogar fast vor Ort verspeisen, an einem Stehtisch, auf einer Bank, auf der Wiese – immer schön weit weg von allen anderen. Aber trotzdem eine schöne Idee des Besitzers! Ein wenig Normalität in einer verrückten Zeit. Leider ist der See inzwischen – wie jedes Jahr – mit Algen überwuchert
(Hallo Stadt Bonn, ihr solltet gerade in dieser Zeit so etwas besser pflegen!), so dass wir und Stadtpark Rheinbach, Asbach oder an den Scheuersee in Köln ausweichen müssen – mit eigenem mitgebrachtem Picknick.

See in der Rheinaue – auch Schildkröten sind hier zu entdecken und Nutrias
Currywurst aus dem Glühgarten in der Rheinaue
Asbach, Modellbootsee

Wenn es jetzt wärmer wird, können wir mit dem Rad wieder in der näheren Umgebung fahren – es ist wirklich schön hier, aber nach einem Jahr kennen wir hier auch jeden Stein!

Nervig auch, wenn auch manchmal verständlich, ist die wachsende Neigung der Menschen, sich an keinerlei Regeln mehr zu halten. Trotzdem, ein schwer atmender Mann direkt hinter mir an der Supermarktkasse, Leute, die im Pulk stehen und mich zwingen, auf die andere Straßenseite zu gehen, 30 Einmalbecher und Flaschen im Park in einer Ecke, die eindeutig auf ein Gelage weisen, aggressive Maskenverweigerer – das alles beunruhigt mich.
Nein, ich weiß auch nicht, was wirklich hilft, und ich sehe einige Regeln auch kritisch, aber manchmal fehlt mir ein wenig Solidarität.

Und nun seit dieser Woche die Ausgangsbeschränkung und verschärfte Regeln – bundesweit einheitlich…
Wirklich? Nein natürlich nicht, jede Menge Ausnahmen und Versuche der Städte und Gemeinden alles möglichst wieder unübersichtlich zu machen. Was darf man wo? Kaum weiß man es, schon ändert es sich wieder!

Ich bedaure meine ehemaligen Lehrerkollegen, die wirklich manchmal am Rande der Verzweiflung sind (ja, ich weiß, nicht alle, aber alle, die ich kenne!) und bin so froh, dass ich nicht mehr in der Mühle bin!
Und alle Schüler, die sich durchkämpfen – Schule zu, Schule auf, Distanz, Präsenz, manchmal erst einen Tag vorher wichtige Infos der Regierung – sind auch arm dran.

Letztes Jahr habe ich bis zuletzt gehofft, unseren Kanadaurlaub doch noch machen zu können, bis im September der Traum zerplatzte. Da wir nur Gutscheine für 2 Lodges für dieses Jahr bekommen haben, mussten wir alles neu buchen. Aber ehrlich gesagt rechne ich auch für dieses Jahr schon wieder, dass wir nochmal verschieben müssen – wenn die Kanadier es denn zulassen. Aber wenn uns deren Regierung nicht rein lässt, hoffe ich auch dieses Jahr auf eine kulante Lösung. Oder – noch besser – dass man Ende September wieder einreisen darf. Wenn auch mit Auflagen. Eine davon – die Impfung – haben wir ja zum Glück schon erfüllt!

Mal schauen was kommt!

HIER EIN PAAR LINKS ZU OBEN GENANNTEN INSTITUTIONEN, DIE DAS ALLES ETWAS ERTRÄGLICHER MACHEN:

Glühgarten im Freizeitpark Rheinaue / Bonn: https://rheinaue.de

Direkt am Rheinufer, Seen, Spazierwege, Radwege, Modellbootsee (Verein: SMC Bonn), schöne große Spielplätze, große Spiel-Wiesen, Imbiss und Eiswagen auch in Coronazeiten, Toiletten, viele Parkplätze (kostenpflichtig)

Freizeitpark Rheinbach: http://www.rheinbach.de/cms121/tfk/freizeitpark/

See für Modellboote (Verein), große Spielplätze, Skaten, Basketball, Kiosk (war in der Coronazeit bisher sonntags morgens zu), neben dem Monte Mare Spaß-Schwimmbad (momentan Coronabedingt geschlossen)

Sportfabrik Bonn-Beuel: https://www.sportfabrik.de

Sehr gute Betreuung, gute Online-Angebote, Außentraining in Coronazeiten

SMC Bonn (Modellbootverein): https://smc-bonn.de

Momentan coronabedingt keine offiziellen Clubaktivitäten, aber die Mitglieder treffen sich coronakonform (mit Abstand) an den verschiedenen Seen.