Island – Geysire, Gletscher und Vulkane

Für unsere erste Islandreise 2016 haben mich Recherchen im Internet eher verunsichert – selbst fahren ist gefährlich, schlechte Straßen, wie ist das mit der Verständigung? Um auf Nummer Sicher zu gehen, haben wir erst mal eine geführte Wanderreise über Wikinger gebucht: „Im  Bann der Gletscher und Vulkane“. Das klingt doch schon mal ganz gut. Da wir aber auch noch Raum für unsere eigenen Erkundungen haben wollen, hängen wir eine individuelle Woche dran. SUV gebucht und als Standort das Fosshotel Raudarlagur in Reykjavik.

Die Wanderreise dauert 14 Tage von Mitte bis Ende Juli und führt uns zu allen touristischen Sehenswürdigkeiten: Gegen den Uhrzeigersinn auf der Ringstraße rund um Island mit Geysiren, Vulkanen, Gletschern und Wasserfällen.

Aber zunächst mal geht es in Frankfurt los. Das ist schon ein Problem, weil der Skytrain ausgefallen ist und wir mit dem Shuttle zum anderen Terminal müssen. Nachdem wir endlich die Koffer abgegeben haben bleibt leider keine Zeit mehr, um -wie wir das immer machen- bei „Käfer“ zu Mittag zu essen, da wir wieder zurück fahren müssten. Zum Glück gibt es auch im Terminal 2 jetzt ein paar Restaurants und wir weichen auf das Mövenpick aus.

Der Securitycheck ist nochmal aufregend. Mein Rucksack löst einen Sprengstoffalarm aus. Zum Glück haben wir genügend Zeit eingeplant, damit alles genau untersucht werden muss. Die Beamten sind sehr freundlich und erklären, dass nach den Sprengstoffattentaten in der Vergangenheit etwas genauer hingeschaut wird. Ich finde das beruhigend und warte geduldig, bis ich meine Sachen wieder habe. Beim nächsten Mal werde ich das Handgepäck vorher gründlicher säubern. Wer weiß, wo ich es mal abgestellt hatte, so dass Spuren von was auch immer daran waren.

Pünktlich um 14 Uhr startet der Fliegen von Iceland Air. Den Flug hatten wir übrigens separat gebucht, weil der includierte von Wikingerreisen erst nachts losginge und am nächsten Tag schon früh die Rundreise losgeht. So können wir erst mal „ankommen“ und eine Nacht komplett schlafen.

Wir snd sehr erfreut, dass die Sitzplätze sehr komfortabel sind und Softgetränke und Kaffee gratis serviert werden, obwohl wir kein Essen dazu gebucht haben.

Nach 3 1/2 Stunden, die wir mit dem Bordkino (Supervideos über die Sehenswürdigkeiten in Island!) leicht überstehen, landen wir in Keflavik. Wie müssen ziemlich lang auf unser Gepäck warten. Wir nutzen die Zeit, um Geld zu tauschen und im Duty Free Shop eine Flasche „Brennivin“ zu kaufen. Alkohol ist in Island enorm teuer. Am Flughafen ist es aber noch bezahlbar. Also: wenn man etwas braucht, hier kaufen!

Vor dem Gate erwartet uns Christoph, unser Wikinger Reiseführer. Mit uns sind noch drei Leute der Gruppe angekommen. Wir erfahren hier erst, dass wir in ein anderes Hotel umgebucht wurden (gut, dass wir die Version gewählt haben, bei der wir abgeholt werden…). Das Hotel ist aber wesentlich besser und liegt günstiger – direkt am Hafen- so dass wir uns nicht beschweren! Wir fahren mit dem Shuttle in etwa 50 Minuten zum Hotel „Iceland Hotel Marina“, wo wir um 18.30 Uhr eintreffen. Der Rest der Gruppe wird heute Nacht um 3 Uhr etwa hier ankommen. Das Zimmer ist klein, aber sehr gemütlich mit einem kleinen Balkon, von dem aus man eine schöne Aussicht auf die Stadt hat. Wir haben jetzt noch Zeit genug, die Innenstadt zu erkunden. Ein paar Läden haben sogar noch auf. Im Casa Grande am Hafen genießen wir mit schöner Aussicht ein leckeres Abendessen und lassen den Abend gemütlich bei einem Glas Wein ausklingen. Das war ein schöner Urlaubsbeginn! Als wir müde ins Bett fallen (bei uns sind es inzwischen 2 Stunden später) ist es noch taghell draussen. Die Sonne geht hier Anfang Juli kaum unter.

Golden Circle

Nach einer ruhigen Nacht erscheinen wir um 8 Uhr am Morgen zum Frühstück, wo wir den Rest der Gruppe treffen, die alle noch hundemüde sind, weil sie nur 3 Stunden geschlafen haben. Das Frühstück ist sehr gut und um halb 10 startet der Bus in Richtung Ringstrasse. Wir fahren alle Highlights ab:

Erst Pingvellir, wo wir eine kurze Wanderung auf der Grenze zwischen Eurasischer und Amerikanischer Erdplatte machen. Ein geschichtsträchtiger Ort ist das hier, wo schon um 930 parlamentarische Versammlungen durch die Wikinger abgehalten wurden.

Weiter geht es zum Gullfoss, einem der imposantesten Wasserfälle Islands und danach ins Thermalgebiet zum Geysir und Strokkur, der in regelmäßigen Abständen hohe Fontänen in den Himmel schickt. Leider regnet es jetzt in Strömen und fotografieren ist unmöglich. Ich mache mit meiner Unterwasserkamera ein paar Erinnerungsfotos und wir nehmen uns vor, in der letzten Woche noch einmal auf eigene Faust zurück zu kommen, denn jetzt heißt es: weiter, der Bus wartet! Das ist eindeutig ein Nachteil einer Busrundreise!

Gullfoss

Unser nächstes Quartier erreichen wir am frühen Abend: Hollisholar, wo wir paarweise in niedlichen Holzcabins wohnen, die auf einer Wiese verteilt stehen. Sehr gemütlich, trotz Regen, der auch weiterhin anhält. Zum Abendessen laufen wir deshalb gut verpackt über die Wiese zum Haupthaus. Das Abendessen in Buffetform ist einfach, aber sehr lecker! Suppe, Salat, Lamm, Fisch, Schwein und Nachtisch. Es wird ein netter Abend. Die Leute der Gruppe sind alle sehr sympathisch. Der Reiseleiter ist zwar nicht der beste Redner und Fremdenführer (er liest alles ab), aber sehr nett.

Unser Cabin in Hollisholar

Im Regen gehen wir zurück in unser Cabin und packen für morgen unsere Wandersachen. Da wir hier ausgezeichnetes WLan haben (der Router ist in unserem Zimmer) schreiben wir noch WhatsApps nach Hause und schicken die ersten Bilder.

Heimaey

Der dritte Tag begrüßt uns mit Sonnenschein und Islandpferden, die vor unserer Tür grasen. Obwohl es die ganze Nacht über hell war, habe ich sehr gut geschlafen und nach einem ausgiebigen Frühstück geht es um 9:30 Uhr los.

Zuerst fahren wir zum Seljalandsfoss. Hinter diesem Wasserfall kann man auf einem Weg entlanglaufen. Eine ganz neue Perspektive und ein schönes Fotomotiv. Eine gute Idee war es, unsere Regencapes anzuziehen – vor Allem um die Fotoausrüstung vor Spritzwasser zu schützen. Am Ende des Weges gelangt man noch zum Gljúfurárfoss, zu dessen Fuß man zwischen engen Felswänden durch einen Bach laufen muss. Spektakulär, wie er in der engen Schlucht hinunter stürzt.

Seljalandsfoss
Hinter dem Seljalandsfoss

Jetzt geht es zur Fähre, die uns zu den Westmännerinseln in den Hafen Heimaey bringt. Der Ort wurde 1973 teilweise von einem Lavastrom verschüttet, über den man heute zu dem noch immer warmen Kraterrand wandern kann. Eine für mich schon etwas anstrengende 3stündige Wanderung – vor allem, da in unserer Gruppe ein paar Leute sind, die fast dort hoch joggen. Man wartet zwar zwischendurch immer, aber wenn die letzten da sind, geht es sofort weiter – ohne Pause für die zuletzt gekommenen. Ich halte mich eigentlich für sportlich, aber bergauf gehöre ich hier zu den letzten. Es gibt aber auch noch ein paar, die erheblich mehr Probleme haben. Die Aussicht oben entschädigt für alle Strapazen! Man sieht den Verlauf des Lavastroms und kann sich gut vorstellen, wie sich die Leute dort unten gefühlt haben müssen. Der Weg oben auf dem Rand um den Vulkan herum ist dann wieder sehr entspannt und man kann die Landschaft genießen. Auf dem Abstieg bin ich froh, dass ich meine Wanderstöcke mitgenommen habe. Es ist sehr steil und führt hauptsächlich über Geröll. Selbst mit guten Wanderschuhen kann man hier ins Rutschen kommen. Ich finde es aber weitaus weniger anstrengend als den Aufstieg, obwohl ich fassungslos unsere Sportprofis sehe, die dort einfach hinunter rennen. Wohlbehalten kommen wir unten an und erholen uns in einem Cafe. Den ganzen Tag haben wir uns von Müsliriegeln, Trailmix, Obst und Wasser ernährt. Deshalb leisten wir uns hier ein Stück Kuchen zum Kaffee.

Auf der Rückfahrt wird es wieder bewölkt und es fängt an zu nieseln, was uns aber den herrlichen Sonnentag nicht mehr vermiesen kann. Kurz vor 20 Uhr sind wir wieder am Hotel und stürzen uns auf das Buffet. Danach heißt es wieder packen, denn morgen geht es weiter.

Die Südküste

Heute ist Sonntag. Peter weckt mich um viertel vor sechs, weil er meint, es sei fast sieben… Naja, haben wir Zeit genug uns fertig zu machen und zu frühstücken. Die Koffer werden um 8:45 Uhr eingesammelt und um 9 Uhr geht es los.

Das erste Etappenziel ist das Freiluftmuseum Skógasafn. Eine sehr nette Österreicherin führt uns auf deutsch durch die Ausstellung, wo man eine Menge über die Lebensweise der Vergangenheit erfahren kann. Sie erzählt sehr unterhaltsam und vor allem die Schilderung der Imprägnierung der Fischerkleidung mit Fischöl löst einiges Grausen bei uns aus. Danach besichtigen wir die Häuser mit ihren Torfdächern von außen und innen. Leider finden wir auch hier wieder die Zeit zu kurz um alles in Ruhe zu erkunden, denn schon wartet der Bus, um uns zum Skogafoss zu bringen. Dieser Wasserfall stürzt über eine Kante nach unten und man kann über eine steile Treppe bis an die oberste Stelle gehen (gefühlte 5000 Stufen…). Aber es lohnt sich. Immer wieder strahlen von der Sonne beschienene Regenbogen fotogen in der Gischt des Wasserfalls. Wieder haben wir nur ein paar Minuten, um dieses Schauspiel zu genießen.

Skogafoss

Weiter geht es nach Vík í Myrdal, wo wir von einem Leuchtturm aus über die Klippen wandern, eine spektakuläre Aussicht auf das tosende Meer, den schwarzen Strand und die Felsformationen, denen man nachsagt, es seien versteinerte Trolle. Auch hier fehlt wieder mal die Zeit, um alles in Ruhe und mit dem geeigneten Wolkenloch zu fotografieren, denn schon wieder wartet der Bus, der uns zum schwarzen Sandstrand von Dyrhólaós mit seinem eindrucksvollen Felsentor bringt. Eine halbe Stunde bleibt uns, um über die Felsen zu klettern.

Bei Dyrhólaós

Nach einem kurzen Einkaufsstopp am Supermarkt von Vík machen wir uns auf zur nächsten Unterkunft: Gästehaus Gerdi bei Höfn. Als wir an der Gletscherlagune Jökulsárlon vorbei kommen, scheint die Abendsonne genau auf die Eisformationen. Zum Glück hält der Bus hier kurz an, damit alle dieses Schauspiel im Foto festhalten können. Morgen kommen wir zwar auch hier hin, aber in Island kann man nie wissen, wie das Wetter dann sein wird. Die Prognose ist zudem nicht so gut.

Jökullsarlon

Um 18:45 erreichen wir unser Gästehaus Gerdi bei Höfn und sind positiv überrascht. Statt der angekündigten alten Zimmer mit Etagenduschen bekommen wir in einem neuen Anbau komfortable Zimmer mit eigenem Bad und schöner Aussicht auf eine Lagune. Auch das Essen ist gut. Beim Ausklang des Abends in unserer Runde erklärt Christoph den Plan für den nächsten Tag. Es steht eine Wanderung von etwa 17 km im Nationalpark Vatnajökull an. 200 Höhenmeter hören sich machbar an. Trotzdem etwas unwilliges Gemurmel im Raum – hallo, das stand in der Reisebeschreibung! Aber es ist wohl nur die Furcht, dass wir den ganzen Tag im Regen laufen sollen. Mal schauen, der Wetterbericht hat noch nie gestimmt. Noch ein paar Schritte an der Luft und dann früh ins Bett!

Wanderung zum Skaftafellsjökull und Svartifoss

Bevor ich die Wanderung beschreibe, hier mal eine kurze Info zu den Namen:
Foss = Wasserfall, von denen es reichlich in Island gibt – jeder sehenswert auf andere Art.
Jökull (gesprochen „Jökutl) = Gletscher. Auch damit ist Island reichlich gesegnet.
Fell (gesprochen „Fetl“) = Berg
Der Skaftafellsjökull ist also der Gletscher der Skaftafells (Berg)

Bei Aufwachen trauen wir unseren äugen nicht: Die Sonne strahlt vom Himmel! Wie das so ist, wenn die Wanderung auf einen Berg geht – es geht erst mal hoch! Kurze Zeit später entledigen wir uns alle schon unserer Jacken. Zu blöd, dass ich vergesse, dass ich nur das Gesicht mit Sonnenmilch eingecremt habe! Das sollte ich noch bereuen. Aber wir haben ja nicht mit solchem Wetter gerechnet. Aus den 200 Höhenmetern werden 350 und dann nochmal 250, weil unser Christoph den falschen Weg eingeschlagen hat. Es ist anstrengend, aber wunderschön. Wie gern würden wir ab und zu mal anhalten um Fotos zu machen oder einfach nur die Aussicht zu genießen, was in der Gruppe mit festem Zeitplan leider nicht möglich ist. Ein älteres Paar kommt an ihre Grenzen, weil die jüngeren wieder sportlich vorpreschen. Wandern ist für die Leistung, für uns eher Mittel zum Zweck um schöne Gebiete zu erkunden. So nett alle waren, aber dieser Unterschied zwischen den Erwartungen der doch kleinen Gruppe von 20 Leuten macht immer wieder Probleme.

Der Blick auf den Skaftafell Gletscher, wie er so in der Sonne glänzt, ist spektakulär. Etwas weiter kommt man zu einem alten Hof „Sel“, der heute nur noch als Museumshof die alte Bauweise der Grassodenhäuser demonstriert. Noch höher gelangen wir zum Aussichtspunkt Sjónarsker, von dem man unendlich in die Weite über die Sanderflächen und Gletscherzunge des Skaftafellgletschers schauen kann. Das Picknick in der Sonne hier oben genießen wir sehr. Nach einem kleinen Abstieg gelangt man an den Svartifoss, einem Wasserfall, der über Basaltsäulen nach unten fällt. Am Fuß des Berges kommen wir am Camp der Wikingerreisen aus, wo man gerade auf eine neue Reisegruppe wartet, die die Campingtour gebucht haben. Mit einem kurzen Kaffeestopp im Sonnenschein auf der Wiese können sich unsere Füße etwas erholen. So schön ist es, barfuß über den Rasen zu laufen! Der Bus bringt uns mit einem Abstecher zu einer Grassodenkirche, die nochmal malerisch in der Sonne liegt, zurück zum Gästehaus. Was war das für ein Traumtag! Nur meine Arme sind ganz rot – also ab morgen ganz eincremen, auch wenn Regen angesagt ist! Das Abendessen mit Lachsforelle ist noch ein schöner Abschluss bevor wir todmüde ins Bett fallen.

Skaftafell

Am Dienstag starten wir bei bewölktem Himmel um 9 Uhr. Eine Fahrt mit dem Amphibienfahrzeug auf der Jökulsárlon Lagune steht auf dem Programm. An der Einstiegstelle warten schon mehrere Busse mit Touristen, die dasselbe wollen. Die Fahrzeuge fahren im Minutentakt vollgepackt los. Das ist ja nun nicht so unsere Art des Sightseeing… 4800 Kronen (etwa 35 Euro) pro Person kostet es als Gruppenpreis. das Fahrzeug fährt 30-40 Minuten über den See ohne in die Nähe der Abbruchkante zu kommen. Naja, die Bilder hätte man mit Tele auch ohne Geschaukel vom Lagunenrand machen können. Eigentlich ein reiner Touristennepp. Ich würde es nicht nochmal machen. Eindrucksvoller ist da schon der schwarze Sandstrand, an den die Eisschollen gespült werden, nachdem sie den Engpass zwischen Lagune und Meer passiert haben. Hier sind auch nicht so viele Menschen unterwegs. Und diese Attraktion kostet nichts! Wir sehen riesige Eisklumpen, die skurrile Formen bilden und mit dem schwarzen Sand trotz Nieselregen und Wolken tolle Fotomotive ergeben. Wir merken erst gar nicht, dass es ziemlich kalt hier ist. Ein Riesenunterschied zu gestern. Am Mittag teilen wir die Gruppe auf Wunsch aller Beteiligten. Christoph ist erst nicht begeistert, aber der Leistungswille, was kilometerlange Märsche betrifft ist zu unterschiedlich. Die Marathonläufer unter uns gehen 15 km durchs Gelände zu einem anderen Gletschersee, dem Fjallsárlon, wozu sie knapp 4 Stunden Zeit haben. Der Rest fährt mit dem Bus zum Treffpunktparkplatz und erkundet in einer gemütlicheren kurzen Wanderung diese Lagune. Endlich kann man mal die tolle Landschaft genießen ohne ständig den Blick auf den unebenen Untergrund zu heften. Schließlich ist Island „Photographers Paradise“ und nicht der New York Marathon. Vom Busparkplatz aus laufen wir ein Stück hoch zum Gletschersee und an ihm entlang zur Lagune Breidarlon. Eine wunderschöne Wanderung ohne viele Höhenmeter – und immer den Gletscher im Visier. Immerhin sind es auch 8 km hin und rück und außer uns sehen wir keinen Menschen. Auf den Felsen an der Lagune machen wir ein Picknick, bevor wir wieder den Rückweg antreten. Bis auf ein paar wenige Regentropfen hatten wir auch heute wieder Glück mit dem Wetter. Wenige Minuten später trudeln die ersten der „Renngruppe“ ein. Einige sehen ganz schön KO aus, was sie aber nicht zugeben mögen. Zusammen trinken wir noch etwas am Visitor Center bevor wir zurück zum Gästehaus fahren. Da es bis zum Abendessen noch Zeit ist, gehen einige von uns noch in das Museums-Cafe des Pórbergur Center. Seine markante Front in Form einer Reihe von Riesenbuchrücken ist von der Hauptstraße aus zu sehen. Man findet hier alles über das Leben des Schriftstellers Þórbergur Þórðarson erfahren, der von 1889-1974 lebte. Beim Verlassen des Museums stellen wir fest, dass sich jetzt der Himmel vollständig zugezogen hat. Aber egal – morgen sitzen wir fast die ganze Zeit im Bus und besseres Wetter als wir es hier hatten kann man kaum haben.

Weißes Eis auf schwarzem Sand bei Jökulsárlon
Svartifoss

Wir fahren am Mittwoch pünktlich um 8:30 Uhr los. Noch regnet es nicht, aber es sieht sehr trüb aus – Abschiedswetter von einem der schönsten Orte.

Der Osten und das Hochland

Der erste Stopp ist an einem der vielen schwarzen Strände, an dem wir eine Weile entlang laufen, aber das Wetter ist zu ungemütlich. In Djupivogur machen wir eine Mittagspause im bekannten Cafe Langabúd. Wir betrachten noch das Kunstwerk eines einheimischen Künstlers – 34 riesige geschliffene Graniteier, die die Mole des Hafens säumen. Jedes der Eier soll das symbol eines einheimischen Vogels sein.

Hinter Djupivogur nehmen wir als Abkürzung die Passstraße über den Öxi, die auf 530m über die Berge führt. Diese Axarvegur (Straße 939) verkürzt die Strecke zwischen Höfn und Egilstadir, unserem nächsten Ziel, um 60 km und führt durch eine tolle Gegend im Hochland mit vielen Wasserfällen. Unser alter Klapperbus muss sich gehörig anstrengen, um vorwärts zu kommen. Um etwa 15:40 Uhr erreichen wir unser Quartier für heute, das Hotel Hallormsstadur. Es ist idyllisch gelegen am See Lagarfljot, 25 km südlich von Egilsstadir, den man „Loch Ness Islands“ nennt, weil in ihm angeblich der Riesenwurm Legurinn einen Schatz bewacht. Wir haben ein tolles Zimmer mit eigenem Bad und einer Terrasse zum See gelegen, von der aus wir direkt zum Thermalbecken gelangen. Das ist so verführerisch, dass wir und ein paar andere die 2 1/2 stündige Wanderung auslassen und den Nachmittag nach einem eigenen kleinen Spaziergang im heißen Wasser mit Blick auf See und Bergkette verbringen. Zum Glück noch im Trockenen. Beim Essen fängt es dann aber an zu schütten, so dass wir das Hotel nicht mehr verlassen wollen. Eine isländische Folkloregruppe unterhält uns im Foyer mit Musik bei einem Glas Wein. Wir stellen den Wecker auf 6:30 Uhr, da eine Stunde später schon Frühstück ist und um 8:30 Uhr Abfahrt. Christoph sagt, dass ab jetzt der Luxus des eigenen Bades vorbei ist und es nur noch Gemeinschaftseinrichtungen gibt, was wir eigentlich bis hierher auch schon erwartet hatten.

Der Donnerstagmorgen zeigt sich mit richtigem Mistwetter. Die ganze Fahrt über regnet es und bei den eingelegten Stopps werden wir zum ersten Mal so richtig nass.

Das erste Mal halten wir am Hof Mödrudalur, dem höchsten Hof Islands. Außer einem gemütlichen Cafe gibt es noch eine kleine Kirche zu sehen und Polarfüchse, die offenbar an Besucher gewöhnt sich und ganz unbefangen in den Wiesen spielen.

Mödrudalur

Der zweite Stopp ist an den Wasserfällen Dettifoss und Selfoss, wo wir etwa 1 1/2 Stunden laufen. Schade, dass an diesen spektakulären Orten das Wetter so schlecht ist, dass man kaum etwas sieht vor Regen und Wolken und sich die beiden nicht sehr fotogen präsentieren. Am Dettifoss stürzen sich die Wassermassen des Flusses Jökulsá á Fjöllum mit unheimlicher Gewalt in die hufeisenförmige Schlucht Asbyrgi und die Gischt verhindert, dass man die Menschen auf der anderen Seite sehen kann. Man kann sich kaum lösen von diesem imposanten Anblick und merkt erst auf dem Rückweg, wie die Nässe und Kälte des Regens sich in jeden Winkel der Kleidung schleicht. Wir wandern noch ein Stück über steinige Wege am Flusslauf entlang, durch den Nationalpark Jökulsargljúfur, wo sich schöne Basaltformationen zeigen, eine der eindrucksvollsten ist Hljódaklettur, der Echofelsen. Eigentlich eine schöne Wanderung, die aber durch Kälte und Nässe getrübt wird.

Selfoss

Der Norden

Zurück am Bus dann noch ein Zwischenfall: Unser Bus ist kaputt (was in Anbetracht des alten Klapperkasten keinen wirklich wundert). Er verliert Öl und braucht dringen eine Werkstatt, die es aber hier im Hochland nicht gibt. Also fahren wir nicht zum nächsten geplanten Stopp, sondern direkt nach Husavik. Der Ort, Walewatchinghochburg Islands, wirkt aber auch grau in grau und trist. Während der Busfahrer versucht, den Bus zu reparieren, laufen wir etwas lustlos durch den verregneten Ort. Reparieren konnte hier keiner, nur Öl nachfüllen, so dass wir (hoffentlich) zu unserem nächsten Ziel bei Akureyri kommen. Um 18:00 Uhr kommen wir in unserem Gästehaus Skjaldarvik, etwas außerhalb von Akureyri, an, welches für 3 Tage unser Quartier sein wird. Das Zimmer ist winzig, hat aber wenigstens ein Waschbecken. Die Gemeinschaftsbäder und WC teilen sich 8 Zimmer. Alles ist sehr sauber und ordentlich. Das Essen ist sehr gut und es gibt lokale Lebensmittel, wie Lamm. Die Getränke sind hier etwas günstiger als in den bisherigen Unterkünften. Das Gästehaus hat auch einen Reitstall. Zu unserer Enttäuschung sind alle Termine für heute schon ausgebucht, aber einige von uns Frauen reservieren gleich für morgen. Auch für den Hotpot (Thermalbecken ist es heute zu spät, also sitzen wir noch gemütlich etwas zusammen und packen unsere Sachen für morgen. Whalewatching (ein optionaler Ausflug, der nicht zum Programm gehört) und Stadtbummel stehen auf dem Programm und abends dann ein Ausritt.

Heute am Freitag ist eigentlich ein „Tag zur freien Verfügung“. Mein Mann und ich haben uns mit 3 anderen für den Whalewatchingausflug entschieden. Um 8:30 Uhr holt uns der Shuttle ab und bringt uns nach Hauganes. Das ist ein kleiner Ort nördlich unseres Standortes und nicht so touristisch überlaufen wie Husavik. Auf dem alten Fischerboot finden 30 Leute Platz, ausgestattet mit dicken Overalls. Eigentlich hätten wir die nicht gebraucht. Die Sonne kommt raus und es wird recht warm in den Klamotten. Die Fahrt ist super mit so wenigen Menschen. Wir sehen Buckelwale, die bis ans Boot kommen und am Schluss kann man noch fischen, wenn man will. Die gefangenen brauchbaren Fische nimmt die Crew mit. Ich fange sogar etwas! Nach der Tour lassen wir uns in Akureyri absetzen, wo der Rest der Gruppe am Morgen schon hingefahren ist. Wir bummeln durch die schöne kleine Stadt mit ihren bunten Häusern und durch den botanischen Garten, essen Fish and Chips und genießen die inzwischen herausgekommene Sonne. Ein sehr entspannter Nachmittag! Um 16 Uhr bringt uns der inzwischen reparierte Bus wieder zurück zum Gästehaus zur „Happy Hour“. Das Abendessen ist wieder super (Fisch). Danach starten wir zu unserem gebuchten Reitausflug. Teuer ist es schon: 10000 Kronen (über 70 Euro) für 2 Stunden, aber in einer wirklich kleinen Gruppe von 7 Leuten und 2 Mädchen, die uns begleiten. Die beiden gehen auf das Können jedes Einzelnen ein und ich lerne den Tölt, eine spezielle Gangart der Islandpferde, kennen. Und wir reiten wirklich durchs Gelände und nicht im Kreis. Es hat sich also gelohnt.

Samstag, und ein Ausflug an den Myvatn (Mückensee) steht an. Hoffentlich überlebe ich das mit meiner Mückenphobie…
Der Tag beginnt trüb und es schüttet – na super! Wir fahren nach dem Frühstück etwas lustlos ab. Zuerst besichtigen wir wieder einen Wasserfall – die gibt es hier in jeder Ecke, und einer eindrucksvoller als der andere. diesmal den Godafoss. Er stürzt in einem Bogen, der von Felsen unterbrochen wird 11 Meter in die Tiefe. Aus der Nähe wirkt er gigantisch. Schade, dass die Wolken noch immer so tief hängen. Wie immer zu wenig Zeit, um auf einen Sonnenstrahl zu warten, weil der Bus weiterfährt zum Myvatn. Beim ersten Aussteigen merke ich, dass er den Namen zu recht trägt. Tausende winzige Mücken stürzen sich auf mich. Allerdings stechen diese Mücken nicht, sondern sie versuchen in alle Gesichtsöffnungen, die feucht sind zu kommen. Mein Mückennetz über dem Kopf schafft da gute Abhilfe. Auch wenn Peter wieder lacht und lustige Fotos macht – ich lasse es an und genieße die Landschaft. Die „Huskytruppe“, wie wir inzwischen liebevoll unsere Läufer nennen (Bus auf – und los…), rennen mal kurz um den See herum, während wir mit der anderen Hälfte der Gruppe in Ruhe Fotos machen und dann zum Treffpunkt schlendern.

Weiter geht es zu einem aktiven Thermalgebiet mit der beeindruckenden Grjotagja – einer Grotte, in der ein heißer See den ganzen Raum aufwärmt wie eine Heizung. Das dampfende Wasser ist von einem unglaublichen blau! Auch in der Umgebung kommt aus vielen Erdspalten heißer Dampf. Es stammt aus dem Vulkansystem Krafla und wir registrieren ehrfürchtig, dass die Natur hier ihre ganze Gewalt zeigt. Immer noch brechen ab und zu die Vulkane Islands aus und die Erdkruste ist hier beängstigend dünn. Wir fahren zum Kraterrand Hverfall, den wir besteigen. Während des sehr steilen Aufstiegs durch die Lavalandschaften des Dimmuborgir kommt immer mehr die Sonne raus und wir kommen gehörig ins Schwitzen. Wieder einmal ein Beweis, dass man in Island jederzeit für jedes Wetter gewappnet sein muss. Zwiebellook ist das Zaubermittel! Von oben hat man einen atemberaubenden Ausblick auf die Vulkanlandschaft. Nach innen schauend schaut man in den Krater, mit einem Mini (-pseudo) Krater. Pseudokrater gleichen Vulkankratern, sind aber nicht durch einen Ausbruch entstanden, sondern durch eine Dampfexplosion, wenn die heiße Lage über wasserreiches Gelände fließt. Nach außen blickend sieht man eine weite Seenlandschaft mit vielfältigen Vulkanformationen. Der Abstieg ist sehr steil. Ich gehe seitwärts mit Stöcken, wie beim Skilaufen. Das klappt ganz gut. Der weiter Weg führt uns noch einmal 90 Minuten durch die von oben bewunderten Lavaformationen. Sehr eindrucksvoll und wieder einmal wünsche ich mir mehr Zeit! Erschöpft, aber gut gelaunt setzen wir uns am Ziel im Visitor Center mit einem Kaffee in die Sonne. Jonas, unser Busfahrer wartet schon auf dem Parkplatz. Jetzt kommt der entspannte Teil des Tagestrips. Wir besuchen das Myvatn Naturbath, was bei dem inzwischen sonnigen Wetter besonders Spaß macht. Das heißt, 9 von uns wollen das Relaxprogramm, die anderen machen noch schnell 2 Stunden eine Wanderung durch ein anderes Thermalgebiet. Wir genießen das warme Wasser! Es riecht zwar etwas nach Schwefel und ist mit 4000 Kronen (etwa 35 Euro) auch nicht billig, aber nach der Wanderung jeden Cent wert! Hier sind auch viele einheimische Besucher, wahrscheinlich weil es Samstag ist. Schade, dass der Bus uns nach 2 Stunden wieder abholt. Auf der Rückfahrt fängt es wieder an zu regnen, aber jetzt stört uns das nicht mehr nach diesem tollen Tag. Nach dem wieder Mal hervorragenden Abendessen müssen wir leider wieder packen. Morgen geht es weiter zu unserem letzten Ziel: Anarstapi auf der Halbinsel Snaefelsness, wo wir die letzten 3 Tage verbringen werden.

Myvatn Bath

Heute ist Sonntag und auf dem Weg werden wir noch einige Sehenswürdigkeiten besichtigen, die hoffentlich nicht aufgrund des Wochenendes überlaufen sind. Um 8:30 Uhr geht es bei vielversprechendem Wetter los (Regenjacke und Pullover in greifbarer Nähe!). Zuerst halten wir am Freiluftmuseum Glaumbaer, einem ganzen Museumsdorf mit Grasdächern, ähnlich wie im Süden, aber viel größer. Hier könnte man eigentlich einen halben Tag verbringen, inclusive Kaffeetrinken in dem gemütlichen alten Café, das aussieht wie eine Puppenstube mit alten Möbeln und Sammeltassen, in denen Kaffee serviert wird und selbstgebackener Kuchen auf passenden Tellern. Sehnsüchtig schaue auf die entspannt in Sesseln sitzenden Touristen, auf die kein Bus wartet. Aber wir müssen weiter und ich kaue stattdessen an meinem Müsliriegel. Unterwegs halten wir noch an einem Supermarkt, um uns für die nächsten 3 Tage einzudecken, da es dort keine Möglichkeit gibt. Sonne und Wolken wechseln sich im Minutentakt ab. Unser nächstes Ziel ist die Halbinsel Vatnsnes mit ihrem berühmten Vogelfelsen. Wir fahren am Ufer der Halbinsel entlang und halten an 2 Stellen. Erstmal natürlich am markanten Basaltfelsen Hvitserkur im Meer, der auf keiner Islanddoku fehlen darf. Durch die Vogelexkremente erscheint er fast weiß. Der zweite Stopp ist eine Robbenkolonie an der Spitze der Insel. Man kann mit dem Fernglas viele Robben erkennen, die im Wasser spielen und sich auf den Felsen sonnen, aber sie sind schon sehr weit entfernt. Wir beobachten das Treiben eine ganze Zeit lang.

Hyitserkur Felsen bei Vatnsnes

Snaefelsness

Auf der Weiterfahrt wird es richtig kalt. Wir stoppen nochmal an einem Rasthaus, wo uns Christoph das nächste Ziel erklärt. Es gibt wohl sehr ungleiche Unterkünfte, von einfachen Zimmern ohne alles, über Zimmern mit Waschbecken und kleinen Hütten mit eigenem Bad. Er wird die Schlüssel nach den Zufallsprinzip verteilen. Am späten Nachmittag kommen wir am Gästehaus Snjofell in Anarstapi an. Snaefellsness ist eine Halbinsel im Westen von Island und man sagt, es ist ganz „Island im Kleinen“. Es gibt Gletscher, Vulkane und Wasserfälle und ich finde, es ist eine der schönsten Gegenden Islands. Bei der Zimmerverlosung haben wir einigermaßen Glück. Zwar keine Cottage mit Bad, aber ein großes Zimmer mit Waschbecken und eine Dusche für 4 Zimmer so wie ein Extra WC vor der Tür. Alles sehr sauber. Das lässt sich aushalten. Die Lage des Gästehauses ist traumhaft! Direkt an der Steilküste mit unzähligen Vogelfelsen. Achtung: wenn man durch die Wiesen geht, greifen sie auch schon mal an um ihre Nester zu verteidigen. Stock mitnehmen! Eine große Steinfigur von Bárdur, halb Troll halb Mensch steht unübersehbar am Anfang des Küstenweges und gilt oftmals als Schutzpatron der Gegend. Auf der anderen Seite blicken wir auf das Gletschermassiv des Snaefellsjökull, der momentan von der Sonne beschienen wird. Wir spazieren nach dem (guten) Essen noch lange auf dem Küstenweg entlang und genießen die Mittsommersonne, die auch jetzt noch bis nach 10 Uhr scheint.

Heute, am Montag steht eine Wanderung um den Snaefellsjökull auf dem Programm. Nach dem Frühstück geht es um 9:30 Uhr gemächlich los. Als erstes eine kleine Wanderung zur Bólhólar Aussichtsplattform, wo man die schönen Felsformationen von Gatklettur im Wasser zu bestaunen gilt. Danach laufen wir von Hólavogur an der Küste entlang über die Klippen und Lavafelder nach Djupasalonsandur. Hier wird es schon anstrengender, weil der „Weg“ über die Klippen geht und schon mehr Aufmerksamkeit erfordert. In der Ferne kann man sogar mit dem Fernglas zwei Orcas ausmachen, die an der Küste entlang schwimmen. Hier überholen uns wieder unsere Huskies und laufen noch einen Schlenker über einen Hügel am Weg. Das Wetter schwankt ständig zwischen Sonne und leichtem Regen. Vielen wird das Tempo jetzt endgültig zu viel! Man kann nur im Laufen Regenjacken an- oder ausziehen, nirgendwo hat man mal Luft um ein Foto zu machen oder einfach mal gedanklich anzukommen. Die ganze Aufmerksamkeit wird auf den unebenen Weg gelenkt, den wir entlang hetzen. Schön ist das nicht mehr, obwohl die Landschaft einfach traumhaft ist. Als dann Christoph offensichtlich nicht mehr weiß, wo wir eigentlich sind und ich ihm mit meinem Garmin aushelfen muss, reicht es vielen. Nach einer Pause am Strand und einem Cappuccino in einem Cafe auf den Klippen teilen wir die Gruppe. Während die eine Hälfte weiter rennt, fahren wir zurück und machen es uns auf der Terrasse unserer Unterkunft gemütlich, bis der Rest dort ankommt. Nach dem Abendessen gehe ich mit Peter noch allein gemütlich in der Abendsonne zum Hafen. Auf dem Rückweg erinnert uns die Szene ein wenig an Hitchcocks Vögel. Ununterbrochen stürzen sie aus der Höhe auf uns zu. Sorry – wir wollten euch nicht stören! Schnell weg hier! Wir genießen noch einen traumhaften Sonnenuntergang auf der Terrasse – nur schwer können wir uns von der friedlichen Stimmung des Abends lösen.

Der Dienstag begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein. Wir frühstücken auf der Terrasse im Freien, im kurzärmeligen Shirt! Auf dem Programm steht eine Rundfahrt um die Halbinsel Snaefelsness mit mehreren Wandereinheiten. Der Bus bringt uns als erstes nach Hellnar. Eine Figur erinnert an Gudridur Porbjarnardottir, die auf der Farm von Laugarbrekka lebte und als Pilgerin Geschichte schrieb. Danach geht es weiter nach Rif und den Vogelfelsen von Keflavikurbjarg. Das tiefblaue Meer beeindruckt uns immer wieder aufs Neue. Der nächste Halt ist in Olafsvik, einem verschlafenen Ort mit supermoderner Kirche. In Helgafjell machen wir einen größeren Stopp und wandern vom Grab der Gudrun Osvifursdottir auf den Berg. der Sage nach soll man den Weg zurücklegen ohne sich umzudrehen und ohne ein Wort zu reden. Dann kann man in östlicher Richtung 3 Wünsche äußern und schweigend wieder hinabsteigen. Dann werden die Wünsche in Erfüllung gehen, was aber nur gilt, wenn man zum ersten Mal dort ist. Ob meine Wünsche deswegen in Erfüllung gegangen sind, oder ob das Schicksal es ohnehin so vorgesehen hat -. wer weiß? Weiter geht es nach Stykkishólmur, einer kleinen Hafenstadt, von der aus die Fähre zu den Westfjorden und der Insel Flatley startet.Wir Stegen den Hügel zum Leuchtturm hoch, von wo aus man eine grandiose Aussicht hat, schlendern durch die Stadt zur hypermodernen Kirche und genießen Kaffee und Kuchen in einem kleinen Cafe. Sehr entspannte 2 1/2 Stunden, die wir genießen.

Auf der Weiterfahrt stoppen wir kurz an der Mineralquelle Olkeldunni, wo man aus einem alten Wasserhahn Wasser zapfen kann, dem man nachsagt, dass man dann 100 Jahre alt wird. Dem Geruch und der Farbe nach habe ich die Befürchtung die nächsten Wochen nicht zu erleben und lasse es lieber. Die anderen sagen, dass es sehr nach Eisen schmeckt und ein wenig Kohlensäure hat. Alle haben das Getränk übrigens unbeschadet überstanden. Wieder an der Südküste von Snaefelsness fahren wir an den Strand Boudir. Eine kleine schwarzen Kirche steht malerisch in den Dünen und wird fotogen von der Sonne beschienen. Dahinter der einzige weiße Sandstrand der Insel neben einem schwarzen Lavafeld. Auf der anderen Seite glänzt der Snaefelsjökull – Photographers Paradise. Hier möchte man lange verweilen, am Strand sitzen, vielleicht die Füße ins (eiskalte) Wasser halten. In der ferne sehen wir sogar ein älteres Paar, die ganz ohne Kleidung im Wasser schwimmen. Leider, leider: wieder keine Zeit. Weiter geht’s, der Bus wartet. Kurz vor Anarstapi liegt auf der rechten Seite ein Parkplatz von aus aus man den Berg hoch zu einer Schlucht gelangt, der Klamm Raudfeldargja, in der sich ein Wasserfall versteckt, den man bewundern kann, nachdem man den kleinen Bach durch die Felsenge durchwatet hat. Ein kleines Juwel, für das wir aber auch leider nur 20 Minuten Zeit haben. Wir sind spät dran. Im Gästehaus bleiben uns 20 Minuten bis zum Abendessen. Duschen fällt flach. Nach dem essen schlendern wir noch lange in der immer noch scheinenden Sonne die Klippen entlang und beobachten die Vögel, die in den Felsen nisten. Wir sehen auch ein paar Robben, die sich in der Abendsonne auf einem Felsen aalen. Hier möchte man gar nicht mehr weg. Wir sind traurig, dass dies unser letzter Abend ist. Morgen geht es zurück nach Reykjavik. Um halb 12 stehe ich noch einmal auf, weil blutrotes Licht durch das Fenster fällt. Im Schlafanzug gehe ich nach draußen und bewundere den letzten spektakulären Sonnenuntergang. Welch ein schöner Abschiedsgruß!

Snaefellsness bei Budir
Frühstück in der Sonne in Anarstapi
Sonnenuntergang inn Arnarstapi

Zurück nach Reykjavik

Mittwoch: heute können wir nochmal draußen frühstücken. Die Sonne will uns offenbar verabschieden. Wehmütig packen wir unsere Sachen in den wartenden Bus. Mit 2 kurzen Stopps, einen, um ein paar Schafe zu fotografieren und ein Abschiedsgruppenbild zu machen und einmal in Borganes, geht es schnell zurück nach Reykjavik. Wir besuchen noch am Stadtrand die Bauten des Perlan. Hierbei handelt es sich um Warmwasserspeicher, die die Stadt versorgen. Einer davon ist trockengelegt, beherbergt eine Aussichtsplattform mit unübertroffenem Blick über Reykjavik auf der einen und bis nach Snaefelsness auf der andern Seite. Außerdem, ist hier oben ein Restaurant und ein Museum im Inneren. Da wir auch hier nur ein paar Minuten Zeit haben, nehmen wir uns vor, in der letzten Woche noch einmal hierher zu kommen.

Unsere Unterkunft ist diesmal das Hotel Cabin, etwas außerhalb der Innenstadt. um dorthin zu gelangen geht man etwa eine halbe Stunde an der Strandpromenade entlang. Nach dem Einchecken treffen wir uns um 15 Uhr zu einem Stadtrundgang. Christoph erklärt uns als Reiseführer nochmal die Hauptsehenswürdigkeiten: Harpa (die Oper), ein spektakuläres Glasgebäude, den Hafen, die Laugavegur (Hauptshoppingstraße), das Rathaus mit dem schönen See davor usw. Leider wieder mal in ziemlichem Tempo. Um 20 Uhr trennen wir uns, weil wir mit 20 Leuten keinen Platz in einem Cafe finden und zudem noch jeder etwas anderes sehen/erledigen möchte. Ich gehe mit Peter ins Uno am Ende der Shoppingmeile – Happy Hour. Das Bier kostet die Hälfte und man kann gemütlich in der Sonne sitzen und das Treiben auf der Straße beobachten. Um 19.30 treffen wir uns gleich um die Ecke im Restaurant Reykjavik zum letzten gemeinsamen Abendessen. es gibt ein Fischbuffet, was ganz in Ordnung ist, aber das Restaurant ist sehr voll mit Touristen (-Bus-) Gruppen. Man kann hier auch Wal probieren. Eigentlich essen das nur noch (meist asiatische) Touristen und viele Einheimische sehen das auch gar nicht mehr gern. Wir verabschieden ein paar der Gruppe frühzeitig, weil sie schon um 3 Uhr in der Nacht für den Rückflug abgeholt werden (welch unmögliche Zeit!). Wir anderen laufen später in der langsam untergehenden Sonne an der Küstenpromenade zurück zum Hotel und können uns gar nicht satt sehen an den Farben.

Hallgrímskirkja in Reykjavik
Reykjavik Strandpromenade

Hier endet unsere Pauschal-Busreise. Mein Fazit der 14 Tage: Diese Reiseform ist nichts für uns – obwohl die Gruppe supernett war. Die ewige Hetze und die unterschiedlichen Bedürfnisse finde ich persönlich zu stressig. Zudem kann man Island auch ganz entspannt allein im Mietwagen bereisen. An keiner Stelle hätte ich mich auf mich selbst gestellt unwohl gefühlt. Die ausgesuchten Unterkünfte und Ziele waren von Wikinger Reisen sehr gut ausgewählt. Organisatorisch klappte fast alles, lediglich der Uraltbus war etwas grenzwertig und auch nicht sehr bequem. Der Reiseführer war ein sehr netter Mensch, der jedoch auch nicht viel mehr wusste als ich mit guter Vorbereitung rausgefunden habe und in Punkto Wegfindung ist ein gutes Garmin hilfreicher. Im Endeffekt hat uns die Reise Spaß gemacht, aber wir sind froh, jetzt noch eine Woche in unserem eigenen Tempo weiterreisen zu können.

Ausflüge auf eigene Faust

Reykjavik

Am Donnerstagmorgen erkunden wir Reykjavik allein. Erst mal ziehen wir um in unser privat gebuchtes Hotel, dem Foss Hotel Raudara. Da die Zimmer noch nicht frei sind, stellen wir das Gepäck ab und gehen um 12 Uhr in ein Orgel-Konzert, welches in der berühmten Kirche, der Halgrimskirkja, benannt nach dem Dichter Hallgrímur Pétursson, der um 1656 auch die isländischen Passionshymnen verfasste. Sie überragt mit ihrem markanten Turm alle Gebäude und ist praktisch das Wahrzeichen von Reykjavik. Hier treffen wir nochmal einen Teil der Reisegruppe, deren Flug erst heute Abend um 23 Uhr geht. Sie begegnen uns noch einige Male an diesem Tag. Wir bummeln durch die Stadt, essen in „unserem“ Café Uno etwas zu Mittag, machen ein paar Souvenireinkäufe und genießen die Sonne, die sich heute wieder reichlich zeigt.

Um 16 Uhr können wir dann unser Zimmer beziehen. Das wird erst mal eine Enttäuschung. Es ist zwar sehr neu und modern eingerichtet, liegt aber im Keller mit nur einem kleinen Fenster und direkt davor ist die Lüftung der Tiefgarage, die so laut ist, dass man schon am Tag fast verrückt wird. Leider ist aber heute kein anderes Zimmer frei, so dass wir die Nacht überstehen müssen.

Wir gehen erst mal zum Abendessen zurück in die Stadt (von hier aus sind es nur knapp 10 Minuten) und zwar wieder ins Uno, welches sich zu unserem Stammlokal entwickelt. Sie haben eine sehr leckere Fischsuppe auf der Karte und auch sonst noch kleine Gerichte. Danach schlendern wir durch den Hafen, den wir ja schon vom Ankunftstag kennen. Bei der berühmten Eisdiele Vivaldi. Die ist ganz am Ende das Hafens beim Aurora Museum, dem „Northern Lights Centrum„, in dem wir uns den Film anschauen. Wenigstens bekommen wir so mal einen Eindruck der Nordlichter, die man in Natura natürlich mitten im Sommer nicht sieht, weil es in der Nacht viel zu hell ist. Das Eis ist wirklich genial – ich habe sofort ein Lieblingseis: Lakritzeis! Das hatte ich noch nie vorher gesehen. Eine riesige Menschentraube steht vor dem kleinen Raum, der fast nur aus der Eistheke besteht. Um bedient zu werden, muss man eine Nummer ziehen, die dann nach langer Wartezeit an einem Display angezeigt wird. Aber die Wartezeit lohnt sich. Auf dem Rückweg scheint zwar immer noch die Sonne, aber es wird so kalt, dass wir bedauern, unsere warme Jacke im Hotel vergessen zu haben. Eigentlich sollten wir das inzwischen gelernt haben!

Die Nacht wird wirklich heftig! Trotz Ohrstöpsel höre ich die Lüftung. Da muss etwas kaputt sein. Zum Glück können wir nach dem Frühstück in ein anderes Zimmer umziehen. Dieses ist offenbar noch nicht renoviert. Die Möbel sind etwas älter, aber es ist ein großes, helles und sauberes Zimmer – wir sind zufrieden.

Nauthólsvik und Reykjanes

Mit dem Bus 18, der vor unserer Türe hält, fahren wir danach nochmal zum Perlan. Wir haben unser Badezeug mit, da es dort ein Thermalbad (Nauthólsvik) am Fjord geben soll. Zu Fuss war der Weg trotz Karte nicht so einfach zu finden, aber wir sind begeistert, als wir dort ankommen. Sand unter den Füßen, ein Thermalpool und in die Bucht wird ebenfalls warmes Wasser geleitet, so dass man dort schwimmen könnte. Peter nimmt die Gelegenheit direkt wahr. Mir ist das immer noch zu kalt. Statt 8 jetzt 14 Grad ist auch keine Wohlfühltemperatur für mich. Es gibt Bänke, Tische, Umkleiden, warme Duschen und Toiletten und das Ganze kostet nicht mal Eintritt. An einem Kiosk kann man Getränke und kleine Snacks kaufen. Wirklich ein Geheimtipp. Ich würde das immer der berühmten (und sehr teuren) touristischen blauen Lagune vorziehen. Das Becken ist rechteckig und nicht sehr groß, reicht aber für die Leute, die dort sind (nur Isländer) vollkommen aus. Wir genießen, Sonne und warmes Wasser und sitzen noch lange im Sand und schauen den spielenden Kindern zu.

Nauthólsvik

Auf dem Rückweg am Mittag gehen wir zur Stadt-Filiale der Autovermietung Avis, die hier in der Nähe ist. Wir hatten das Auto ab Flughafen gebucht. Der liegt aber 30 km außerhalb. Das nette Mädchen an der Rezeption unseres Hotels hatte telefonisch angefragt, ob wir den Wagen auch hier abholen könnten. Das geht ohne Probleme und Mehrkosten.

Ab jetzt sind wir mobil. Wir machen erst mal eine Rundfahrt über die Halbinsel Reykjanes. Es geht durch Hafnarfjördur, vorbei an imposanten Lavafelfern zum See Kleifartvatn, der malerisch in der Sonne liegt. Weiter zu Thermalgebiet bei Krysuvík. An der Küste weiter dann durch Grindavik zum Hochtemperaturgebiet Gunahver, wo riesige Fumarolen in die Luft Stegen. Das diese aus Meerwasser bestehen, merkt man daran, dass die sich auf der Haut ablagernde Feuchtigkeit salzig ist. Und es riecht sehr nach Schwefel.

Kleifartvatn

Kurz dahinter erreichen wir den Leuchtturm von Reykjanesviti, wo man viele Seevögel beobachten kann. Die Statue eines Riesenalks erinnert daran, dass hier einer der letzten seiner Art getötet wurde. Wenig später spannt sich eine Brücke über eine Erdspalte: die Brücke zwischen den Kontinenten Nordamerika und Eurasien. Unter der Brücke her kann man zwischen den Kontinenten herumwandern. Durch mehrere kleine Orte geht es nach Keflavik, wo der internationale Flughafen ist, an dem alle ankommen. Aber es ist auch ein netter verschlafener Ort mit einer Hafenpromenade. Bis jetzt sind wir nicht dazu gekommen, etwas zu essen und wollen im von allen Reiseführern angepriesenen Hotel Viking in Höfnafjördur, wo wir unsere Rundfahrt begonnen haben zu Abend essen. Aber schon wieder sind wir in der Touristenfalle. Ein lauter riesiger Saal, in dem schon einige Busgruppen sitzen empfängt uns. Da es keine Alternative auf die Schnelle gibt, bleiben wir und man platziert uns ans Ende eines langen Tisches. Das Essen ist ok, aber die umherwandernden Sänger und die feiernden Menschen sind nicht so unseres. Stimmt, wir sind auch Touristen, aber wir mögen es lieber etwas ruhiger und ohne Gejohle und lustige Spielchen. Das mochten wir übrigens auch sehr an der Rundreise mit Wikinger – man war nicht gezwungen, irgendwelche Abendspielchen zu machen. Stattdessen haben sich alle nett bei einem Bier oder Wein unterhalten. Zurück im Hotel haben wir noch den Schwefelgeruch der Thermalgebiete unter der Nase – wahrscheinlich hängt es noch in den Kleidern. Duschen ist übrigens auch nicht immer eine Lösung, weil in vielen Hotels (auch bei uns) das Wasser aus der Leitung ebenfalls nach Schwefel riecht. Zum Trinken ist es nicht so geeignet, wenn auch wohl nicht schädlich. Zum Zähneputzen nehme ich lieber Wasser aus der Flasche. Wir sind heute ziemlich müde nach dem schönen, aber anstrengenden Tag. Immerhin sind wir am Nachmittag noch 170 km herum gefahren und sind auch viel gelaufen. Und wir sind froh, heute ein ruhiges Zimmer zu haben, wo man das Fenster öffnen kann.

Brücke zwischen den Kontinenten – Reykjanes Halbinsel
Zwischen den Kontinenten
Reykjanes Halbinsel bei Rekjanesviti
Reykjanesviti
Thermalgebiet auf Rykjanes

Auf Kjalvegur ins Hochland

Heute am Samstag haben wir uns den Wecker gestellt, weil wir einen längeren Ausflug ins Hochland geplant haben. Der nette Busfahrer der Wikingertour hat uns 3 Tagestouren empfohlen, von denen wir heute die erste antreten wollen. Es ist 6 Uhr am Morgen und draußen vor dem Fenster begrüßt uns strahlender Sonnenschein. Schnell frühstücken und um 8 Uhr sind wir schon auf dem Weg. Erst mal müssen wir die uns schon bekannte Strecke nach Pingvellir zurücklegen. Am Geysir und Strokkur halten wir nochmal an. was für ein Unterschied zum ersten Mal! So früh sind noch keine Busse da. Einige wenige Menschen laufen auf dem Gelände herum. und in der Sonne sehen die hoch in den Himmel schießenden Fontänen super aus. Statt schnelle Fotos mit der Wasserkamera kann man nun das Stativ nutzen, was die Fotoqualität enorm verbessert. Und wir können so lange wir wollen auf den richtigen Moment warten. Wir verabschieden uns von diesem Ort, als die ersten Busse eintrudeln. Vorher versorgen wir uns im Restaurant des Visitorcenters noch mit Sandwiches und Getränken für den Tag. Auch am Gullfoss halten wir noch einmal, an dem es beim ersten Mal so geschüttet hat. Auch hier sind nur ganz wenige Menschen unterwegs und die Gischt des Wasserfalls bildet Regenbogen in der Sonne – traumhaft! Wir stellen mit Erstaunen fest, dass man schon von hier den Gletscher Langjökull sieht. An dem wolkenverhangenen Tag war uns das nicht aufgefallen. Er macht seinem Namen alle Ehre und erstreckt sich in der Sonne glänzend über eine große Distanz. Anhalten und Fotos machen! Im Gegensatz zur ersten Route fahren wir jetzt nicht auf der Ringstraße weiter, sondern über die Kjalvegur (F35) ins Hochland. Es ist eine Schotterpiste. Man braucht übrigens ein Allradfahrzeug für diese Strecke. Normalen Mietautos ist diese Strecke untersagt. Bei dem Wetter heute sehen wir aber auch viele (wahrscheinlich Einheimische), die ohne Probleme mit normalen PKWs fahren. Die Schilder am Anfang der Straßen ins Hochland verbieten es jedoch ausdrücklich. Bei Regenwetter ist das wahrscheinlich sinnvoll, und auf einigen Strecken muss man auch Bachläufe durchqueren. Man fährt auf einer landschaftlich sehr schönen Piste zwischen den Gletschern Langjökull und Höfsjökull hindurch. Faszinierende Farbspiele zwischen Eis, schwarzer Lava, bunten Sinterterrassen, knallblauem Himmel und kräftig grüner Vegetation veranlassen uns ständig zum Anhalten. Mitten im Nichts finden wir eine Station für Snowmobile, mit denen man Touren auf den Gletscher buchen kann und einige Kilometer weiter plötzlich ein Cafe, dass uns an eine Skihütte erinnert. Wir sind die einigen Gäste und freuen uns über den sehr guten Kaffee und leckeren Kuchen. Auch die überall üblichen Islandpullis kann man hier kaufen. Achtung! Oft steht auch da so was wie Made in India drin. Es gibt aber auch handgestrickte – man erkennt das leicht am Preis. Mir sind sie zu kratzig. Ich habe mir in Reykjavik statt dessen eine Jacke mit dem typischen Muster, aber weniger kratziger Wolle von Icewear, einer isländischen Firma, die überwiegend Wollpullover und Outdoorsachen herstellt, gekauft. Nicht ganz stilecht, aber gemütlicher.

Abseits der Kjalvegur

Wir fahren weiter und kommen an einen grün schimmernden Gletschersee, um den wir herum fahren. Kurz danach geht es rechts ab in die Berge zum Thermalgebiet Kerlingarfjöll. Wir stellen das Auto ab und wandern durch das Gebiet, in dem überall heiße Fumarolen aufsteigen, heiße Quellen blubbern und dampfen und die abgelagerten Mineralien die Landschaft bunt gestalten. hier kann man stundenlang wandern, ständig bergauf und bergab, manchmal sehr steil und anstrengend, aber da wir in unserem eigenen Tempo gehen, bleibt Zeit genug, die Schönheit der Gegend zu genießen. Hier ist der höchste Punkt des Gebirges Kjalvegur und die Wasserscheide. Höher als etwa 800 m geht es ab hier nicht. Man könnte jetzt über den Kamm zu einem Campingplatz mit Restaurant laufen, aber dann müsste wir zurück, um unser Auto zu holen. Daher kehren wir um und fahren um den Berg herum auf einer sehr engen Straße dort hin. Man kann dort an Picknicktischen in der Sonne sitzen. Wir genießen das unglaubliche Licht heute nachmittag und essen unser Sandwich. Wieder mal ein Paradies für Fotografen. Wir können uns kaum losreißen, aber es ist schon 16 Uhr und wir müssen die 200 km wieder zurück fahren. Aber der Rückweg geht schneller. Wir halten nur noch einmal am Gullfoss, der jetzt noch fotogener die schönsten Regenbogen in der Abendsonne malt. Auf die Idee sind auch noch viele andere gekommen, aber Busse sehen wir keine mehr. Wir nehmen jetzt den Rückweg über Selfoss und die Ringstraße. In Hvergerdi kurz vor Reykjavik halten wir an, um im Kjöt og Kúnst (Fleisch und Kunst), einem stylischen gemütlichen Restaurant zu Abend zu essen. Man backt hier in dem Thermalgebiet, das wir an einem anderen Tag noch erkunden wollen, in Erdöfen. Ich liebe das Brot und auch das Essen ist hervorragend. Zurück im Hotel können wir uns nicht aufraffen, nochmal in die Stadt zu gehen. Es ist Samstag ist und viel los, zudem noch taghell, jetzt um 22 Uhr, aber wir sind einfach zu müde. Es war ein toller Tag. Wir waren 14 Stunden unterwegs, sind 480 km gefahren und viel gewandert. Wir nehmen uns ein Getränk mit aufs Zimmer und schlafen fast ein, bevor es ausgetrunken ist.

Gullfoss
Gullfoss

Hraunfossar und Kaldadalsvegur

Heute, am Sonntag wollen wir die zweite Hochlandtour machen. Wir fahren erst mal in Richtung Norden die 1 hoch und dann am Hvalfjördur, einem Fjord im Norden Islands, vorbei. Man könnte durch einen Tunnel den Weg abkürzen, aber wir entscheiden uns dafür, den Fjord umfahren. ganz am Ende suchen wir den Glymor Wasserfall. Nach ein paar Fehlversuchen finden wir den Zugang, stellen aber fest, dass es ein 5,5 km langer Roundtrip ist mit über 700 Höhenmetern. Dafür sind wir aber heute nicht gut genug vorbereitet (zu wenig Wasser, Essen) und auch schon zu spät dran, um den Rest unseres Tagesvorhabens noch zu schaffen. Da wir schon so viele Wasserfälle gesehen haben, canceln wir diesen und fahren weiter. Auf der Nordseite des Fjordes folgen wir der 520 Richtung Reykkholt. In Fossum machen wir Pause auf der schönen Terrasse des Rock’n Troll Cafés und schlendern danach den Weg mit den Trollen und Trollgeschichten hinter dem Haus entlang. Für Kinder sicher auch ganz witzig. Wir erfahren so einiges über die Trolle Islands und die Sagen, die man sich erzählt.

Beim Rock’n Troll Café in Fossum

Weiter geht es über Reykholt nach Hraunfossar, einem 700 m breiten Wasserfall, der nicht über eine Kante fällt, sondern aus der Lava (Isl. hraun) des Hangs heraus in einen wild sprudelnden Fluss fließt. Ein unglaublicher Anblick. Man kann auf dem Weg gegenüber dem Wasserfall entlanglaufen, wo sich viele schöne Fotomotive ergeben. Unser Reiseführer empfiehlt eine Mittagspause in Husafell. Dort ist aber der Teufel los. Das Lokal quillt über und dafür stehen etliche Busse. Wir begnügen uns mit einem Eis und fahren weiter zur Kaldadalsvegur (Straße F 550), einer Schotterpiste, die auch wieder nur mit Allradautos befahren werden darf und die durch das wilde Hochland führt. Die 40 km lange Piste führt bis auf über 700m Höhe am Gletscherrand des Langjökull vorbei (auf der anderen Seite als gestern) und am Pórisjökull. Eine spektakuläre Landschaft! Schwarze Lava, weißes, glitzerndes Eis und blauer Himmel. Schön! Und staubig! Die entgegenkommenden Autos wirbeln den Staub auf und er dringt in jede Ritze. Die Fahrt dauert lange, weil man erstens nicht schnell fahren kann und wir zweitens sehr oft anhalten, um Fotos zu machen und die Landschaft ohne Staubwolken zu genießen.

Bei Pingvellir kommen wir wieder aus und fahren auf kürzestem Weg zurück und Hotel. Duschen ist jetzt absolut notwendig. Danach bummeln wir in die Stadt – heute sind wir „nur“ 305 km gefahren und nicht so viel gewandert, so dass wir nach einer kurzen Ruhepause nochmal Energie zum Weggehen haben, Außerdem haben wir heute noch nichts gegessen. Tipp für alle, die nicht den ganzen Tag ohne Essen auskommen: Neben jeder Menge Wasser auch Proviant mitnehmen! Im Hotel Scandinavian probieren wir die berühmte isländische Lammsuppe. Schmeckt gut, aber reicht nicht ganz, so dass wir uns später noch ein „Pylsur“ leisten. Das ist ein Hotdog auf isländische Art und in der Bude am Hafen gibt es angeblich besten Hotdogs Islands. Hier sind sie nicht aus Schweinefleisch, sondern aus Lamm und man kann diverse Zutaten dazu haben, wie z.B. geröstete Zwiebeln, Ketchup, Senf oder Remouladensauce. Eina með öllu bestellt man, wenn man ein Hotdog mit Allem will. Jetzt sind wir satt! In einem Laden mit isländischen Spezialitäten kaufen wir noch ein paar Souvenirs: Lava- und Lakritzsalz (mein Favorit – die wirklich vielen Salzsorten kann man alle probieren), isländisches Lakritz und Lakritzschokolade (wer es noch nicht gemerkt hat: ich liebe Lakritz, und hier schmeckt es besonders gut).

Zum Abschluss des schönen Tages trinken wir noch ein Guiness auf der Terrasse des English Pub in der Stadtmitte und beobachten das rege Treiben vor uns.

Landmannalaugar

Schade, dass das Wetter sich heute nicht mehr von der schönsten Seite zeigt, aber es kann sich ja noch ändern. Wir wollen ins Hochland nach Landmannalaugar. Zunächst geht es wieder die Ringstraße entlang nach Selfoss Dann bei Bitra 30 km nach Norden. Bei Klettar nach rechts auf die 32 bis hinter das Wasserkraftwerk Búrfellsvirkjun. Ein Stück weiter in Hraunneyjar ist eine Rangerstation, wo man sich nach dem Straßenzustand der F208 erkundigen kann, die nach Landmannalaugar führt. Wir bekommen die Auskunft, dass die Straße (wieder nur mit Allrad) befahrbar ist und trocken. Lediglich müssen wir, wenn wir hinter dem Ziel weiter fahren wollen, um das Hochland an der anderen Seite zu verlassen, einen Fluß durchqueren, was momentan aber möglich sei. Er hat sogar ein Video, auf dem die Passage gezeigt wird. „Vorsichtige Durchfahrt“ bekommen wir noch auf den Weg mit und eine detaillierte Karte! Peter bleibt ganz cool. Er ist nicht ängstlich – im Gegensatz zu mir. Wir stärken uns noch mit einer Portion Waffeln und Erdbeeren, und dann geht es los. Wir fahren die F208 also erst mal nach Süden. Eine ziemlich rauhe Strecke, viele Steine, Wellen und Buckel. Gut, dass das unsere dritte Tour ist! Die Landschaft ist grandios. Als wir am höchsten Punkt ankommen, von dem aus man in den Kratersee schauen kann, fängt es leider an zu regnen. Von dort ist es bis zum Ziel nicht mehr weit, aber eng und steil. Zum Glück ist nicht viel Verkehr. Um so mehr erstaunt sind wir, als wir auf dem Parkplatz von Landmannalaugar 11 Busse stehen sehen. Aber zum Teil sind es wohl Gruppen, die mehrtägige Wanderungen machen, oder auf dem Campingplatz wohnen. Wir parken 300m vorher auf einem Parkplatz. Um weiter zu fahren müsste man durch den Fluss, der nur eine Fußgängerbrücke hat. Wir schauen bei den Passageversuchen mehrer Autos zu – so einfach scheint das nicht zu sein. Einige werden zwischendurch etwas abgetrieben, schaffen es aber dennoch nach einiger Zeit.

Landmannalaugar ist ein Gebiet in der Nähe des Vulkans Hekla mit warmen Quellen, Hochweiden und Thermalgebieten. Es gibt auch eine Stelle, an der man im warmen Wasser baden kann.

Wir wollen erst einmal eine Wanderung hinter dem Camp auf den nächsten Berg machen. Der Himmel klart wieder auf und wir machen uns auf den Weg. Es ist sehr steil und an einer Stelle muss man sich an einem Seil hochziehen. Aber alles ist gut markiert und es ist phantastisch durch diese tolle farbenreiche Kulisse zu wandern. Oben angekommen hat man einen phantastischen Rundblick. Man könnte auch hier Stunden und Tage weiter wandern, aber wir müssen zurück zu unserem Auto. Baden können wir heute nicht, wir haben nichts dabei und so begnüge ich mich damit, die Füße ins (sehr heiße!) Wasser zu halten. Der Naturpool ist auch sehr voll. An einem anderen Tümpel auf der Weide stehen Schafe im warmen Wasser und fressen das Gras am Ufer. Wir trinken noch einen Kaffee in der „Mountain Mall“, einem alten Bus, der zum Cafe und Kiosk umfunktioniert ist.

Als es wieder an zu regnen fängt, machen wir uns auf den Rückweg. Die Straße heißt nun F225 und führt nach Westen. Das Wetter wechselt heute fast im Minutentakt von heiter bis dunkel bewölkt, wodurch sich manchmal auch eine ganz eigene interessante Stimmung ergibt. Und auch interessante Fotos.

Farbenspiel Landmannalaugar
Wanderung Landmannalaugar
Wolkenspiel bei Landmannalaugar
Mountain Mall in Landmannalaugar

Die Furt durch den Fluss schafft Peter fast problemlos. Einen kleinen Teil einer Sekunde verliert das Auto den Boden unter den Rädern, aber dann rollt es das andere Ufer hoch. Ich bin erleichtert. Diesmal kommt uns ab und zu ein Bus entgegen – das ist also die Busroute! Aber viel Verkehr ist hier auch nicht. Um 18 Uhr sind wir wieder auf der Ringstraße und entscheiden uns, noch mal in Hvergerdi im Kjöt og Kúnst zu Abend zu essen. Ich probiere auf Empfehlung der Kellnerin Flock-Fish-Auflauf. Und der schmeckt viel besser, als der Name vermuten lässt. Heute sind wir 385 km gefahren.

Im Hotel nehmen wir noch einen Absacker an der Bar und sichern Fotos. Wir überlegen, was wir morgen noch machen. Die Tipps von Busfahrer Jonas haben wir alle befolgt und sie waren alle hervorragend. Mal schauen, wie das Wetter wird.

Reykjaladur

Heute ist Dienstag und der vorletzte Urlaubstag. es ist nur leicht bewölkt und wir beschließen, noch eine Wanderung zu machen. Und zwar zum Thermalgebiet bei Hvergerdi. Vorher fahren wir noch an dem Reiterhof Eldehester vorbei und buchen für morgen einen Ausritt für mich. Leider war nur noch genau ein Platz frei, so dass Peter wieder nicht mit kommt.

Wir fahren durch den Ort Hvergerdi bis man an eine Schotterstraße kommt und das Tal Reykjaladur beginnt. Hier findet man auch das Dalakaffi, ein kleines gemütliches Cafe. Hinter dem Parkplatz geht ein Wanderweg hoch zu den Thermalquellen, 4 km lang, stellenweise recht steil und dann in ein Hochtal hinein. Der Blick schweift hier weit über die umliegenden Berge. In der Ferne rauscht ein Wasserfall und schon von Weitem sieht man den Dampf der heißen Quellen aufsteigen. Die Sonne scheint warm, aber plötzlich ruft Peter: „Halte mich nicht für verrückt, aber hier fallen Hagelkörner!“ In Minuten wird aus dem leicht bewölkten Himmel ein dunkles Inferno. Zum Glück sind wir gut mit Regensachen ausgestattet. An gurgelnden heißen Quellen vorbei gelangen wir an einen kleinen Bach. Durch das heiße Wasser gespeist kann man hier in erträglich warmen Temperaturen baden. Es sind viele Leute im Wasser – trotz den immer stärker werdenden Regens – naja, nass sind sie ja eh schon. Aber wir wollen und jetzt nicht ausziehen, weil es hier nur ein paar Bänke und Ecken zum Umkleiden gibt und nichts, wo man die Sachen trocken lagern kann. So wate ich nur wieder mit den Füßen im Wasser. Auch von hier aus führen viele Wanderwege weiter in verschiedene Richtungen. So schnell, wie der Regen gekommen ist, so schnell hört er auch wieder auf und die Sonne ist wieder da. Aber am Ufer ist es immer noch zu nass und es ist auch schon spät geworden. Wir müssen die 4 km auch wieder zurück. Beim Abstieg trocknen unsere pitschnassen Sachen schnell wieder. Ich packe meine Kamera aus und mache noch Fotos und Filmaufnahmen von den brodelnden Löchern, die an riesige Kochtöpfe mit kochendem Wasser erinnern. Am frühen Nachmittag sind wir wieder unten und genehmigen uns diesmal Kaffee und Kuchen im Kjöt og Kúnst. Den hatten wir beim Abendessen schon bewundert, aber als Nachtisch für zu mächtig befunden. Aber jetzt ist es genau das Richtige.

Wanderung durch Reykjaladur
Thermalbach Reykjaladur

Da es so lange hell ist, fahren wir noch an die Südküste der Halbinsel Reykjanes. Die hatten wir bei unserer ersten Rundfahrt ausgelassen. Erst nach Eyrarbakki, wo man übrigens gut Fisch und Hummer essen können soll. Aber wir sind noch satt vom Kaffeetrinken. Dann nach Pörlakshöfn. Am Schluss landen wir in Seltjanes, einem Vorort von Reykjavik an der äußersten Spitze. Die vorgelagerte bekannte Vogelinsel Grotta mit dem Leuchtturm können wir nicht erreichen, weil gerade Flut ist. Bei Ebbe kann man zu Fuß hinüber gehen. Aber wir sitzen lange auf eine Bank in der Sonne und schauen den Küstenseeschwalben zu, die fischen und ihre Jungen füttern. Zum Abendessen gehen wir nach einem Happy Hour Drink im Uno heute ins 101 Harbour Restaurant essen. Am Anfang unserer Reise hieß es noch Casa Grande und unser Urlaub begann dort mit dem Abendessen. Wir waren sehr verwirrt, dass wir das nicht mehr wieder finden konnten, bis wir merkten, dass es umbenannt wurde und den 3 Wochen. Die Speisekarte hat neue -höhere- Preise, aber am Ende bezahlen wir doch die alten… Die Kasse ist wohl noch nicht umgestellt. Aber es ist teuer genug. Für das Fischmenü mit Hummersuppe, Lachs und Schokotorte bezahlen wir 6700 Kronen pro Person – das sind etwa 50 Euro.

Heute Abend taucht die Sonne den Hafen wieder mal in ein tolles Licht. Wir beschließen, nochmal zur Grotta zurück zu fahren. Jetzt ist Ebbe und wir können zum Sonnenuntergang hinüber laufen. Unbeschreiblich schön. Wir sitzen bis spät abends auf einer Bank und es ist gar nicht kalt. Im Meer vor uns schwimmt sogar ein Mann im Wassen – na das ist jetzt auch nicht gerade nötig. Viele Leute, meist Einheimische, sind noch unterwegs und warten mit uns darauf, dass der Himmel rot wird. Kurz vorher zieht am Horizont eine Wolkenschicht vor die Sonne – schade, aber es ist trotzdem ein schöner Anblick.

Reykjavik Hafen
Seltenes Strand
Grotta/Seltjanes Sonnenuntergang
Grotta / Seltjanes

Islandpferde und Abschied von Reykjavik

Der letzte Tag schon! Wir gehen nach dem Frühstück an die Strandpromenade und besuchen das Museum von Sigurjón Olafsson (1908-1982), wo neben seinen Skulpturen auch noch andere Gegenstände ausgestellt sind. Das schönste ist der Garten dahinter, der eine phantastische Aussicht auf die Skyline von Reykjavik bietet.

Museumsskulptur

Dann spazieren wir noch durch den botanischen Garten, bevor wir zum Reiterhof Eldehester zum Reiten fahren. Peter hat sich seinen Laptop mitgenommen und will sich in den 2 Stunden in das Restaurant setzen.

Mein Outfit ist ok, ich bekomme nur noch einen Helm, alle anderen werden mit wasserdichten orangefarbenen Jacken und Stiefel ausgestattet, da es nach Regen aussieht. Zuerst bekomme ich einen Schrecken: 19 Leute finden sich am Gatter ein. Aber nach kurzer Zeit werden sie je nach Können aufgeteilt. Zum Glück komme ich nicht zur Anfängergruppe. Unsere besteht nur aus 7 Personen. Ein Junge ist jedoch dabei, der nicht zuhört und zum „Lenken“ an den Zügeln reißt. Das Pferd hat die Faxen dick, wälzt sich auf dem Boden und streift ih ab. Wir erschrecken sehr, aber zum Glück hat er sich nicht verletzt – das Pferd nicht und der Junge auch nicht. Im weiteren Verlauf reitet er schön brav neben der Reitlehrerin her. Wir reiten im schnellen Tönt, dann durch einen Fluss und querfeldein. Das Wetter hält sich und es ist ein wunderschöner Ausritt. Mit 12000 Kronen (fast 90 Euro) aber auch nicht billig. Nach dem Ausritt besuchen wir noch die Demonstrationsshow über die Islandpferde, wo nochmal die Geschichte der Pferde und alle Gangarten vorgestellt werden .

Auf dem Rückweg stoppen wir noch im Einkaufszentrum Kringla, aber das lohnt sich nicht. In Reykjavik kaufen wir dann lieber noch die letzten Souvenirs und gehen zu einem letzten Abendessen ins Café de Paris in der City, die eine ausgezeichnete Fischsuppe haben.

Unsere letzte Flasche Wein aus der Vinibudin (spezielles Geschäft, in dem man Alkohol kaufen kann) trinken wir auf dem Zimmer. Die Flasche hat unwesentlich mehr gekostet als ein einzelnes Glas an der Hotelbar. Dann heißt es packen. Schade! Morgen müssen wir um 13 Uhr am Flughafen sein. Das Auto können wir dort abgegeben. Vorher wollen wir noch einen Blick in die blaue Lagune werfen.

Blaue Lagune
Blaue Lagune Bad

Abschied

Letztes Frühstück im Hotel und Auschecken um 9:30 Uhr. Wir fahren in Richtung Reykjanes. Kurz vor Keflavik leiten uns Schilder zur blauen Lagune. Eine Reihe Busse und viele Autos stehen auf dem Parkplatz. Wir schlendern um die wirklich schön aussehenden türkisen Wasserflächen, die riecht zum Bad gehören. Die blaue Lagune ist kein natürliches Thermalbad, sondern eigentlich ein Abfallprodukt des Thermalkraftwerkes. Nachdem es mit über 200 Grad Celsius auf großer Tiefe hochgepumpt und zur Energiegewinnung genutzt wurde, hat man es -immer noch heiß- in die Lavafelder geleitet, wo dadurch ein See, die Bláa Lónid (blaue Lagune) entstand. Es besteht aus Meer und Süßwasser. Die blauweiße Farbe kommt von Kieselalgen. Nachdem früher die Einheimischen den See zum Baden genutzt haben, wurde später das Thermalbad gebaut. Wir betreten das Schwimmbad, vor dem eine lange Menschenschlange steht. Man kann im angeschlossenen Restaurant bis an das Wasser gehen und sich auch ohne Eintritt dort hin setzen. Mir fällt spontan das alte Lied „Die Wanne ist voll“ ein und verspüren wenig Lust, uns dazu zu gesellen. Außerdem haben wir nur eine Stunde Zeit und müssten dafür umgerechnet um die 50 Euro pro Person zahlen. Nein Danke! Wir begnügen uns mit einer sehr teuren Cola und fahren dann nach Keflavik. Wir tanken und bummeln noch etwas an der Promenade entlang, wo ein alter Fischkutter liegt und dann ist es auch Zeit, das Auto abzugeben. Wir lassen uns dann am Schalter noch die Mehrwertsteuer für unsere Einkäufe erstatten – geht ganz schnell und gehen dann zum Check In. Hier dauert es! Es sind nur 2 Schalter geöffnet. An einem diskutiert ein Pärchen mit 2 Riesenkartons mit Fahrrädern geschlagene 30 Minuten über die Modalitäten und Preise des Gepäcks, am zweiten kommen ständig „Sagaclass“ (so was wie Business) Kunden, die Vortritt haben. Vor uns stehen nur 4 weitere Passagiere, aber es geht nicht weiter. Die Stimmung wird immer gereizter und die Schlange hinter uns immer länger. Endlich werden 3 weitere Schalter geöffnet. Jetzt geht es ganz schnell, da wir schon online eingecheckt haben und nur noch das Gepäck aufgeben müssen. Auch die Securityschranke überwinden wir zügig und haben sogar noch Zeit für einen kurzen Mittagssnack (Essen haben wir im Flieger ja nicht mit gebucht). Im Duty Free erstehen wir noch Brennivin und dunkles Brot aus dem Thermalofen und füllen unsere Wasserflaschen für den Flug. Vor dem Gate gibt es kaum Sitzplätze und der Flug hat 15 Minuten Verspätung – wieder stehen wir in der Schlange. Der Flug selbst ist sehr angenehm. Der dritte Platz in unserer Reihe bleibt frei, so dass wir uns ausbreiten können. Kaum habe ich die restlichen Islandfilme, die ich auf dem Hinflug nicht geschafft habe, angeschaut, sind wir auch schon in Frankfurt. Hier ist es dunkel (obwohl erst 21:30 Uhr) und es regnet. Das Gepäck kommt sehr schnell und eigentlich könnten wir den Zug um 10:25 Uhr bekommen – wenn denn der Code für das Fahrticket, das wir noch ziehen müssen, klappen würde! Genervt steigen wir ohne Ticket, nur mit dem Zahlungsbeleg in den Zug – der nächste fährt eine Stunde später! Auch gelingt es uns nicht, ein Online Ticket aufs Handy zu bekommen. Wir geben auf und hoffen auf einen gnädigen Schaffner. Den haben wir wirklich. Er schaut auf unsere Quittung, überlegt einen Moment und sagt dann, er habe uns hier nicht gesehen. Vielen Dank an den netten Beamten! So sind wir um 23.18 Uhr in Siegburg, wo unser Sohn uns zu einer halbwegs zivilen Zeit abholt.

Altes Schiff bei Keflavik