Mit der Finnmarken durch Norwegens schönste Fjorde
Nachdem wir schon einmal im Winter eine Reise mit dem Postschiff der Hurtigruten entlang der norwegischen Küste gemacht hatten, wollten wir die Polarkreisgegend noch einmal im Sommer erleben. Nordlichter gegen Mitternachtssonne – was ist schöner?
Das Postschiff von Bergen nach Kirkenes und zurück hält in 12 Tagen in 34 Häfen. Das haben wir im Winter gemacht, und wenn man nicht so lange Besichtigungstouren machen will, ist das ganz ok. Jetzt im Sommer möchten wir aber mehr von der Landschaft sehen, und so entscheiden wir uns für die relativ neue Signature-Reise von Hurtigruten, die uns in 15 Tagen von Hamburg zum Nordkap bringt und zurück (https://www.hurtigruten.com/de-de/kreuzfahrten/signature).
Sie ist etwas preiswerter als die Hurtigruten HX Expedition Reisen (https://www.travelhx.com/de-de/) und etwas teurer als die klassische Postschiff-Tour (https://www.hurtigruten.com/de-de/kreuzfahrten/original).
Dafür handelt es sich aber auch, was Essen und Trinken betrifft, um eine „All-Inclusive“ Reise. Die Ausflüge muss man jedoch, anders als bei HXT extra bezahlen. Wobei man aber in vielen Häfen gut allein die Gegend erkunden kann. Die Liegezeiten sind so großzügig bemessen, dass man reichlich Zeit vor Ort hat.
Insgesamt legt man in 11 Häfen an und es gibt 2 Seetage. Der End- und Wendepunkt ist Honningsvåg am Nordkap. Das Postschiff fährt noch weiter nach Kirkenes.
Die im Folgenden beschriebene Route bezieht sich auf die Sommerreise. Im Winter gibt es kleine Abänderungen.
Unser Start ist Freitag, 29.05.2026 um 18 Uhr in Hamburg Steinwerder


Es ist eine Woche vor der eigentlichen Mittsommernachts-Tour. Die Nächte sind genau so hell, dafür aber ist der Reisepreis etwas günstiger und auf eine Sonnenwenden-Party legen wir nicht unbedingt Wert.
Wir haben schon ein paar Tage in Hamburg verbracht. So waren wir auf der sicheren Seite, dass auf der Hinfahrt nichts dazwischen kommt. Wer mit der Bahn fährt, sollte dringend mindestens einen Tag eher anreisen. Wir kennen Passagiere, die das Schiff nur noch mit hohen Kosten und Aufwand erreichen konnten, da die Bahn wieder mal streikte.
Hamburg ist aber so schön, dass es hier genug zu sehen gibt und man kann sich entspannt auf die Kreuzfahrt einstellen. Über die Sehenswürdigkeiten Hamburgs schreibe ich in einem separaten Blogbeitrag.
Den Parkplatz für unser Auto haben wir über „Parken und Meer“ reserviert.
(https://parken-und-meer.de)
Da wir nach der Reise in Altona ankommen werden, haben wir man gleich einen Shuttle inclusive.
Die Koffer haben wir schon um 11 Uhr am Terminal abgegeben und fahren danach noch zum alten Elbtunnel (1,8km).
Parken ist dort kostenlos und man gelangt in 15 Minuten zu Fuß unter der Elbe her bis zu den Landungsbrücken, wo man die Wartezeit gut verbringen kann. Es ist sehr schwül, wir essen eine Kleinigkeit auf dem alten Feuerschiff und setzen uns dann mit einem kalten Drink in den Schatten des „Beachclub“ ( https://www.dock3beachclub.de).
Unser Boarding-Fenster (das man sich nicht aussuchen kann) ist nicht so günstig – erst um 16 Uhr. Weil wir gern ohne Stress das Auslaufen an Deck miterleben wollen, versuchen wir es eine Stunde eher. Wir haben Glück und können sofort an Bord. Die Formalitäten beim Einschiffen gehen sehr zügig und um 15:45 Uhr beziehen wir unsere Kabine 362. Sie ist auf Deck 3 gelegen, nahe an der Wasserlinie und hat ein kleines Fenster. Der Platz ist begrenzt, aber die Einrichtung sehr praktisch. Die Koffer verschwinden unter dem Bett und Schränke, Schublade unter der Couch und Nachttisch sind groß genug für unsere Garderobe und alle anderen Sachen. Für das Bad haben wir ein paar magnetische Haken und eine Lampe mit Bewegungsmelder mitgebracht, die uns gute Dienste leisten. Hängekulturbeutel sind von Vorteil, da man am Waschbecken nicht viel abstellen kann. Leider gibt es keinen Kühlschrank, aber man bekommt eine Trinkflasche, die man jederzeit mit gekühltem Wasser aus dem Automaten füllen kann, und bis 24 Uhr hat die Bar auf Deck 8 geöffnet. Hier bekommt man Kaffee, Tee, Bier, Wein, Sodas, Säfte und auch einen Cocktail. Achtung: Nicht alle Getränke sind inclusive!

Um 17:15 Uhr sind alle an Bord und wir müssen erst mal eine Sicherheitseinweisung im Vortragsraum anhören, wie auf jedem Schiff.
Pünktlich legen wir ab. Auf dem Observation Deck verfolgen wir mit einem Drink die Ausfahrt aus dem Hafen. Erstaunlicherweise stehen nur ganz wenige Leute mit uns draußen.
Schön ist das Terminal Steinwerder nicht gerade. Es liegt halt im Containerhafen. Ganz in der Ferne kann man noch einen Blick auf die Elbphilharmonie und den Michel werfen. Wir wären lieber in der Hafencity abgefahren, aber die Liegeplätze sind jedesmal woanders.
Vorbei an den hohen Kränen geht es Richtung Elbe. Dann weiter die Elbe hinunter Wir passieren die Vororte wie Teufelsbrück und Blankenese auf der einen Seite und die Containerhäfen, Werft und Airbus-Werk auf der anderen. Am Schulauer Fährhaus, dem Willkomm-Höft, werden wir durch den Lautsprecher verabschiedet und nachdem unser Schiffshorn mit 3 lauten Tönen geantwortet hat, setzen wir uns auf Deck 8 in die Observation Lounge.
Der Himmel zieht sich jetzt mit dunklen Wolken zu und man kann einige Blitze in der Ferne beobachten. Beim Essen dann regnet es eine ganze Zeit lang. Normalerweise hat man zum Abendessen einen festen Tisch an Bord. Wir haben den wunderschönen Tisch 62, direkt am riesigen Heckfenster. Nur leider heute noch nicht, da es am Tag der Abfahrt ein Buffet gibt mit freier Tischwahl. Das Essen ist sehr gut. Vor allem Vegetarier kommen hier voll auf ihre Kosten. Wir essen viel zu viel…
Um 20:30 Uhr ist im Vortragsraum noch eine Einführung in den Reiseverlauf.
Gegen 22:00 Uhr erreichen wir mitten im spektakulären Sonnenuntergang Cuxhaven, von wo aus die Fahrt weiter über die (hoffentlich nicht so raue) Nordsee Richtung Dänemark geht.




2. Tag Esbjerk / Dänemark
Samstag, 30.5. Liegezeit 8:00 Uhr – 12:00 Uhr
Der erste Hafen in dem wir anlegen ist noch in Dänemark an der Westküste Jütlands. Unsere Info ist, dass auf der Sommerroute das Personal wechselt, von norwegischer Besatzung zu philippinischer. Deshalb müsse noch ein zweiter nicht norwegischer Hafen außer Hamburg angelaufen werden. Der Sinn erschließt sich mir nicht wirklich.
Esbjerk ist auch nicht wirklich ein Highlight der Reise. Es ist immer schon ein Fischerei- und Industriehafen und hat sich heute auf die Windkraft und die Offshore Öl- und Gasindustrie spezialisiert.
Es ist die fünftgrößte Stadt Dänemarks und wird auch Dänemarks Tor zur Welt genannt. Es hat angeblich die längste Einkaufsmeile des Landes. Wir finden nette kleine Innenstadt vor, die man in 2 Stunden erkundet hat. Das bekannte Kunstwerk „Menschen am Meer“ liegt 3,3km außerhalb am Sædding Strand – vier weiße überlebensgroße Figuren, die seit 1995 das Symbol der Stadt sind.
Eine der drei Ausflugstouren führt mit dem Bus nach einer Stadtrundfahrt dort vorbei. Eine zweite bringt die Passagiere nach Riebe, der ältesten Stadt Dänemarks. Und dann gibt es noch den geführten Stadtrundgang. Ich bereite mich jedoch immer so gut vor, dass wir den auf eigene Faust machen können. Die Ausflüge sind sehr teuer und wenn man nicht Geld im Überfluss hat, sollte man sich gut überlegen, welche Ausflüge wirklich einen Mehrwert bringen. Im Laufe der Reisebeschreibung werde ich solche noch explizit erwähnen.
Wir lassen uns etwas Zeit, bevor wir von Bord gehen. Erstens regnet es noch und zweitens drängen die Ausflügler zum Treffpunkt vor dem Schiff. Als alle weg sind, machen wir einen Bummel durch die Stadt. Es ist jetzt fast 10:00 Uhr und die Geschäfte öffnen jetzt gerade erst. Langsam füllen sich die vorher menschenleeren Gassen der Fußgängerzone. Das Museum macht erst um 12:00 Uhr auf – das ist zu spät für uns. An Bord habe ich einen Stadtplan mitgenommen, der uns zu den sehenswerten Stellen führt.
Über die Einkaufsstraße Kongensgade mit vielen kleinen Geschäften gelangen wir zum Torvet, dem großen Marktplatz mit seinen Restaurants, Cafés und der Statue von König Christian IX. Überall fallen uns die vielen schönen blühenden Blumen in großen Kübeln und Hängeampeln auf.
Die Touristeninformation ist in einem ehemaligen Gefängnis untergebracht und das McDonald Restaurant in einem schönen Altbau. Auf dem Platz versammeln sich im Sommer Einwohner und Besucher zu diversen Veranstaltungen und im Winter gibt es eine Eislaufbahn.
Auf einem alten Grabhügel aus der Bronzezeit erhebt sich der 1896 errichtete Wasserturm in den Himmel, den man aber heute Morgen nicht besteigen kann.
Dahinter liegen der Bypark mit einer Open Air Tribüne neben dem Kulturhuset Opernhaus und das Kunstmuseum.
Von hier aus geht man am besten wieder durch die Innenstadt zurück zum Hafen, wenn man nicht an der vielbefahrenen Autostrasse entlang laufen will, auf der man leider vom Wasser nicht viel sieht.
Unterwegs decke ich mich in einem Supermarkt mit Lakritzkugeln in Schokolade ein, die hier (und in allen Supermärkten Skandinaviens) um ein Vielfaches billiger sind als ihre edlen Vorbilder von Bülow, aber genau so gut schmecken.
Recht früh sind wir wieder am Schiff, da es immer wieder etwas nieselt und stärken uns am Lunch-Buffet. Normalerweise gehen wir zum Essen mittags nicht aufs Schiff, da wir der Ansicht sind, dass auch die Orte, die wir besuchen, etwas vom Kreuzfahrttourismus haben sollen, aber leider war es bei unserem Stadtbummel noch zu früh für einen Restaurantbesuch.




Den Nachmittag verbringen wir ruhig auf den bequemen Liegesesseln der Observation Lounge auf Deck 8. Heute schaukelt das Schiff ganz schön, so dass sogar der Magen anfängt leicht zu rebellieren. Also lieber rausschauen als lesen!
Beim Abendessen sitzen wir heute mit einem netten Ehepaar aus Buxtehude an „unserem“ Tisch. Es ist wirklich toll, beim Abendessen eine solche Aussicht genießen zu können.
Auch am Abend lassen wir auf Deck 8 bei einem Drink die Landschaft an uns vorüber ziehen bis es dunkel wird.
3. Tag Stavanger / Norwegen
Sonntag, 31.5. Liegezeit 9:00 Uhr – 17:00 Uhr
Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht legen wir um 9:00 Uhr in Stavanger an.
Das Wetter zeigt sich heute nicht von seiner schönsten Seite. Der Himmel ist dicht bewölkt und es nieselt.
Wir lassen wieder erst einmal die Ausflügler von Bord.
Zwei Ausflüge stehen auf dem Programm: Auf den Spuren der Wikinger und ein Stadtrundgang.
An Bord bekommt man jeden Tag einen Infozettel für den jeweiligen Hafen. Heute lesen wir, dass Stavanger 1972 mit der Gründung der staatlichen Ölgesellschaft „Statoil“ (heute „Equinor“) mit Sitz in Stavanger zur Ölhauptstadt Norwegens wurde. Bereits seit 1960 hatten sich hier schon einige Ölkonzerne niedergelassen.
Durch die Lage an der offenen Küste der Nordsee gibt es im Herbst und Januar zwar oft heftige Stürme, aber das Klima ist vergleichsweise mild mit schneearmen Wintern, in denen die Temperaturen selten unter -4 Grad fallen. Im Sommer erreichen sie bis 24 Grad und liegen über dem Landesdurchschnitt.
Die Stadt hat etwa 146000 Einwohner.
Hier in Stavanger lässt sich alles hervorragend auf eigene Faust erforschen.
Für je 49 Euro (weniger als die Hälfte des Schiffsausflugs) kaufen wir uns ein Tagesticket für den Hop On Hop Off Sightseeing Bus. In diesem wird man mit ausführlichen Erklärungen durch die Stadt und mit 13 Stops zu allen sehenswerten Orten gefahren. Man kann unter 8 Sprachen wählen und außer den üblichen Einmalkopfhörern mit Kabel steht noch ein Link zum Bus W-Lan zur Verfügung, so dass man den eigenen Bluetooth-Hörer benutzen kann. Auf einem ausführlichen Stadtplan, den man ebenfalls erhält, kann man die Route und die passenden Stops verfolgen. Da es wieder mal ungemütlich nieselt, machen wir erst die komplette Hin-Fahrt bis zum Mosvatnet Lake. Unterwegs erfahren wir interessante Fakten und kleine Geschichten über die Stadt.
Am See angekommen hat der Regen zum Glück aufgehört. Man kann einen Spaziergang um den ganzen See machen, oder nur zur Sehenswürdigkeit „Sverd i Fjell“ (Schwerter im Fels) laufen, die nur 200m entfernt von der Haltestelle 8 liegt.
Zum Gedenken an König Harald und eines der bedeutendsten Ereignisse Norwegens, die entscheidende Schlacht am Hafrsfjord, welche 872 zur Einigung des Landes und zum Königreich führte, wurden 1983 drei riesige 10m hohe Bronzeschwerter in den Fels eingelassen, die als Symbol für Frieden, Einigkeit und Freiheit in den Himmel ragen.
„Die Geschichte, die sich hinter den Schwertern verbirgt, ist sowohl eine dramatische Liebesgeschichte, als auch eine blutige Kriegsgeschichte. Norwegen wurde im 8. Jh. von mehreren kleineren Königen regiert, und der Legende zufolge zog Harald I. Schönhaar los, um das Land zu vereinen und seine auserwählte Ehefrau, Gyda Eiriksdottir zu beeindrucken. Diese nämlich wollte ihn nur heiraten, wenn es ihm gelang, sich ganz Norwegen unterwürfig zu machen. Er zog daher in den Krieg gegen die anderen kleineren Könige, und die entscheidende Schlacht fand 872 am Hafrsfjord statt. Harald I. schlug hier seine letzten großen Widersacher, und Norwegen wurde in einem einzigen großen Königreich vereint (und er konnte seine Gyda heiraten).“
(Quelle: https://fjordline.com/de/norwegen/attractions/sverd-i-fjell-stavangers-imposantes-wikinger-monument)



Der Vorteil gegenüber einer gebuchten Bustour ist, dass man an den einzelnen Punkten so lange verweilen kann, wie man möchte. So warten wir auf einen günstigen Fotozeitpunkt, an dem wir nicht eine Busladung voller Menschen mit auf dem Bild haben.
Auf der Rückfahrt steigen wir an der Stavanger Domkirke aus. (https://de.wikipedia.org/wiki/Stavanger_Domkirke)
Es ist die älteste erhaltene Bischofskirche Norwegens.
Dahinter liegt der Stadtpark (Byparken) und der kleine See Breiavatnet mit seinen vielen Vögeln, die sich hier aufhalten. Im Sommer finden hier viele Veranstaltungen statt, gerade heute eine Art Flohmarkt. Am See entlang und an der niedlichen Figur des Tauben fütternden Jungen vorbei (Füttern ist heute aber fast überall verboten!) sind wir schon in der City. Da heute Sonntag ist, sind die Geschäfte (außer Souvenirshops) geschlossen.
Leider können wir deshalb auch nicht die Schokoladenfabrik und Verkaufsstelle „Chili Chocolate“ (https://www.fjordnorway.com/en/see-and-do/chocolate-course-for-families)
und das Pralinengeschäft „Sjokoladepiken“ (Nedre Blåsenborg 14 ) aufsuchen. Schade!



Die nächste Station ist Gamle Stavanger, die Altstadt. Hier findet man einen großen Kontrast zum modernen Stavanger. Etwa 170 weiße, sehr gepflegte Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert liegen dicht beieinander, durchzogen von engen, verwinkelten Kopfsteinpflaster-Gassen mit Gaslaternen, die sich den Hügel der Halbinsel empor schlängeln. Überall gibt es üppige Blumendekorationen, sowohl an den Häusern, als auch in Gärten und großen Beeten an der Straße. Cafés, Galerien und kleine Läden liegen verstreut und ziehen viele Touristen an.
Vom Konzerthaus am Ende der Altstadt, kann man auf das Cruise Terminal schauen. Heute liegt die riesige Queen Anne der Cunard Reederei hier am Kai und überragt alle kleinen Häuser. Man hat den Eindruck, als würde der alte Admiral Thore Horve, der als überlebensgroße Bronzefigur hier mit seinen Kanonen über den Hafen wacht, missmutig auf die hier liegenden Kreuzfahrtriesen schauen.







Übrigens: die Finnmarken, mit der wir unterwegs sind, ist ein relativ kleines Schiff mit knapp 500 Passagieren. Gegen die Hochhausschiffe, denen wir auf der Reise selten begegnen, wirkt sie fast wie ein Spielzeugboot. Die meisten Häfen und die ganz engen Fjorde, die wir besuchen, können diese nicht anfahren.
Unten an der Hafenpromenade reihen sich die Souvenirshops aneinander und das Viking House (https://www.vikinghouse.no/de/startseite) lockt mit seinem Virtual Reality Film über den legendären König Harald von Schönhaar und seine Schlacht am Hafrsfjord, die ich bei den Bronzeschwertern schon erwähnt habe.

Weiter geht es auf die andere Seite des Hafens, wo auch die Finnmarken liegt, zur Øvre Holmegate, genannt „Fargegaten“, die bunte Strasse mit ihren farbenfroh bemalten Häusern, Boutiken, Restaurants und Cafés.
2005 kam der Friseur Tom Kjørsvik auf die Idee, die damals heruntergekommene Straße am Hafen zu einer Attraktion zu machen. Vier Jahre später erstrahlten die Häuser in bunten Farben. Der Künstler Craig Flannagan hatte extra einen Farb-Plan erarbeitet und genehmigen lassen.




Inzwischen ist es Abend geworden. Man hätte noch viel mehr besichtigen können, wie zum Beispiel einige Museen oder die Einkaufsstrasse Kirkegata, aber die Zeit reicht nicht für alles und die Läden sind ja ohnehin heute geschlossen. Also gehen wir über den Fischmarkt zurück zum Schiff.
Es hat jetzt wieder angefangen zu regnen und der Wind bläst unangenehm kalt.
Beim Abendessen können wir durch das Fenster die Einfahrt in den schönen Lysefjord verfolgen. Leider ist alles wolkenverhangen. Dennoch gehen wir nach dem Essen an Deck, um wenigstens einen kurzen Blick auf den berühmten Preikestolen zu werfen, einer hoch über dem Fjord liegenden Fels-Plattform, die man bei einer etwas anstrengenden Tageswanderung erklimmen kann. Der Startpunkt liegt aber etwa 40km außerhalb von Stavanger, so dass es schwierig ist, im Rahmen einer Kreuzfahrt diesen Ausflug zu machen, wenn er nicht van Bord angeboten wird. Wegen dieses einen Fotos über dem Abhang sieht man in der Hauptsaison ganze Prozessionen von Wanderern den schmalen Weg hochsteigen.
Man kann diesen Felsen im Nebel nur erahnen, ganz zu schweigen von dem noch versteckter liegenden Kjeragbolten, dem zwischen zwei Berghängen eingeklemmten Felsbrocken, wo jedes Jahr etliche Touristen für ein Instagrammfoto riskante Klettermanöver veranstalten.
Schade, diese Passage ist eigentlich die schönste der ganzen Reise, aber bei diesem Wetter kann man das nicht so recht genießen. Fototechnisch gesehen gibt es jedoch mit den dunklen Wolken über dem Wasser auch heute einige stimmungsvolle Aussichten.
Am Ende des Fjords bei Lysebotn wendet das Schiff und fährt zurück.
Der Fjord ist etwa 40 km lang und maximal 500 m tief. Lysefjord heißt übersetzt „heller Fjord“, wegen seiner blankgescheuerten hohen Felswände. Heute ist eher dunkel die Hauptfarbe.
Das Wetter in Norwegen ist eben sehr unvorhersehbar. Der Kapitän macht uns Hoffnung auf Besserung, wenn wir weiter nördlich sind.
Unter der Lysefjordbrücke hindurch gelangen wir wieder zum Ausgang des Fjords.
Weiter geht es nordwärts Richtung Bergen, der regenreichsten Stadt Norwegens – das sind ja schöne Prognosen. Heute Abend betrachten wir den Regen durch die Fenster der Bar.





4. Tag Bergen
Montag, 1.6. Liegezeit 8:00 Uhr – 18:00 Uhr
Trotz des Wetters war es eine ruhige Nacht ohne Wellengang. Als wir aufwachen, befinden wir uns schon in der Anfahrt auf Bergen.
Die Wolken und den Nieselregen haben wir von gestern mitgenommen. Die Wettervorhersage für heute ist jedoch gar nicht schlecht.
Wir lassen uns mit dem Frühstück auch hier etwas Zeit, bis alle Ausflügler von Bord sind.
Mögliche Ausflüge zum Buchen heute: Spaziergang oder E-Busfahrt durch Bergen und Fahrt zu den Höhepunkten und dem Berg Ulriken oder Floyen.
Mit etwas Vorbereitung kann man aber auch Bergen gut auf eigene Faust und im eigenen Tempo erkunden.
Hafeninfo:
Bergen, die zweitgrößte Stadt Norwegens mit etwa 293700 Einwohnern, ist einer der geschäftigsten Häfen Europas. Großstadtfeeling, Kultur, Natur und Geschichte vereinen sich hier zu einem sehenswerten Ziel, das inzwischen auch viele Touristen – und vor allem große Kreuzfahrtschiffe entdeckt haben. Der Ortsteil Bryggen gehört seit 1979 zum Unesco Kulturerbe. Wegen ihrer hohen Niederschlagsmengen hat sie auch den Spitznamen „Stadt des Regens“.
Um alles in Ruhe zu erforschen bräuchte man sicher mehr als die paar Stunden, die wir zur Verfügung haben. Im Folgenden beschreibe ich unsere ganz persönliche Auswahl von Sehenswürdigkeiten. Museen, die einen großen Teil der Zeit in Anspruch nehmen würden, haben wir dabei ausgelassen. Ein paar Sachen entspannt zu genießen war uns wichtiger, als alles gesehen haben zu müssen.
Die Finnmarken liegt heute etwas außerhalb. Zu Fuß kann man in etwa 20 Minuten um das Hafenbecken laufen. Es gibt aber auch einen Shuttle und ein kleines Boot, das einen auf die andere Seite bringt. Da der Regen aufgehört hat, entscheiden wir uns am Wasser entlang zu laufen mit schönen Ausblicken auf das gegenüberliegende Bryggen und die Schiffe und Yachten, die hier am Kai liegen.



Momentan kann man ohne Nebel und Wolken bis hoch auf die Spitze des Floyen schauen. Das nutzen wir aus und nehmen zuerst die Standseilbahn hoch zur Aussichtsplattform. Eine gute Entscheidung, wie wir später erfahren. Alle Ausflügler, die an das Programm gebunden waren, haben nur noch auf eine dichte Wolkendecke geschaut.
Ein Tipp für den Ticketkauf: Online oder mit Kreditkarte am Automaten an der Station ist das Ticket billiger als am Schalter!
Wir bezahlen 200 NK (etwa 18 Euro) pro Person für ein Returnticket. Wanderfreunde oder Sparsame können auch eine Strecke zu Fuß zurücklegen.
Oben angekommen sind wir fast die einzigen Besucher und haben einen tollen Blick über die Stadt, den Fjord und die Schiffe. Auch unsere kleine Finnmarken können wir sehen – und die Aida Nova, die ein Hafenbecken weiter alle anderen Schiffe und Häuser überragt. Die 6000 Passagiere sind zum Glück offensichtlich noch nicht bis hier oben gelangt.
Wir machen einen Spaziergang durch den Trollwald. Der jetzt wieder aufziehende Nebel passt stimmungsmäßig perfekt zur Gegend. Viele holzgeschnitzte Trolle säumen den Weg und der Wald sieht sehr mystisch aus.
Zurück am Aussichtspunkt bekommen wir einen Schrecken.Von Weitem kann man schon die Menschenmenge hören, die sich inzwischen dort eingefunden hat. Viele Asiaten, aber auch deutsche Reisegruppen. Alle schauen enttäuscht nach unten auf – ja auf was? Man sieht nur noch eine dichte Wolkenschicht, die sich über die Bucht gelegt hat. Das ändert sich auch den ganzen Tag nicht mehr.








Wir nehmen die nächste Bahn nach unten und schlendern durch das jetzt auch belebte Bryggen mit seinen bunten Holzhäusern. Dieser Ortsteil gehört seit 1979 zum Unesco Kulturerbe.
Übersetzt heißt der Stadtteil Bryggen (oder auch Tyskebryggen) Landungsbrücke. Die Häuser sind ehemalige Hansekontore der Hanse in Norwegen, die sich hier ab 1350 etabliert hatte.
Über die an Bord ausgeteilten Hafeninformationen erfahren wir schon einiges über die Geschichte:
1476 zerstörte ein Feuer, das ein betrunkener Kaufmann entzündete, das alte Handelszentrum nahezu vollständig. Nachdem es wieder aufgebaut war, legte 1702 der verheerendste Brand der Geschichte erneut 90 Prozent der Häuser in Schutt und Asche.
1955 wütete erneut ein Feuer über die wieder aufgebauten Häuser und brannte einen großen Teil nieder. Heute besteht der Kern nur aus 62 denkmalgeschützten Häusern mit Geschäften, Museen und Restaurants. Wohnhäuser gibt es aus Feuerschutzgründen hier nicht mehr.
Als große Gefahr werden inzwischen die Unzahl von Touristen angesehen, die sich durch die engen Gassen schieben und es oftmals mit den Vorschriften nicht so ernst nehmen.
Mehr dazu:
https://www.fjordnorway.com/de/sehenswurdigkeiten/bryggen-in-bergen
Es gibt sehr nette Läden hier, die neben Souvenirs auch norwegische (Woll-)Kleidung anbieten. Hier werde ich auch endlich fündig und erstehe mein „Weihnachtsgeschenk“ vom letzten Jahr: Eine Strickjacke aus Merinowolle der Firma Dale of Norway. Teuer, aber wirklich etwas Besonderes.



Hier noch ein Tipp für den, der sich die Mehrwertsteuer erstatten lassen will: Kauft man im Bordshop ein (genau so teuer wie an Land), so bekommt man sie nicht wieder. Für am Festland gekaufte Waren erhält man im Geschäft auf Nachfrage einen Antrag, den man auf der Rückreise ausgefüllt in Tromsø im Visitor Center, fast direkt am Anleger, einreichen kann. Wir hatten nach ein paar Tagen die nicht unerhebliche Summe auf dem Konto.
Da es plötzlich anfängt heftig zu regnen ( wir sind ja schließlich in der Stadt des Regens…), flüchten wir in ein Café auf der Hauptstrasse Bryggens, das die leckeren norwegischen Zimtschnecken und andere Gebäckstücke anbietet.
(Baker Brun Svensgården)
Hier ist es immer voll, aber wir haben Glück und erwischen einen kleinen Tisch in der Ecke, an dem gerade jemand aufsteht.

Gut gestärkt mit hervorragendem Kaffee und Kuchen setzen wir unseren Spaziergang fort. So plötzlich, wie es geschüttet hat, erscheint jetzt auch die Sonne wieder zwischen den Wolken. Wir bestaunen eine Riesenyacht am Ufer und fragen uns, wer sich so etwas leisten kann. Ein Stück weiter liegt ein schönes historisches Schiff von 1914, die „Statsraad Lehmkuhl“, ein Segelschulschiff, benannt nach dem oldenburgischen Staatsrat Lehmkuhl. (https://de.wikipedia.org/wiki/Statsraad_Lehmkuhl).


Am Anfang von Bryggen wieder angekommen, gehen wir geradeaus in die Kong Oscars Gate, von wo aus man zur schönen Cathedral Vågsalmenningen von 1150, auch bekannt als Holy Cross Church (norwegisch Korskirken) gelangt.
https://en.wikipedia.org/wiki/Holy_Cross_Church,_Bergen#Gallery
Weiter geht es Richtung Fußgängerzone, über den Platz Vågsallmenningen an der Statue des Schriftstellers Ludvig Holberg vorbei, deren Haupt eine Möwe als Rastplatz ausgewählt hat.
Auf der anderen Seite der Hauptstrasse „Torget“ befindet sich der Fischmarkt und wenn man dann weiter geht kommt man zur Haupteinkaufsmeile, dem großen Platz Torgalmenningen, der umgeben ist von modernen Geschäften ist und in dessen Mitte sich das „Sailor’s Monument“ (Norwegisch: Sjømannsmonumentet) befindet, ein großer Brunnen, auf dessen vier Seiten Szenen der Seefahrt dargestellt sind.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sjømannsmonumentet
Dahinter ist heute eine Bühne im Rahmen des „Bergen Festival“ aufgebaut, vor der wir einen Moment dem dort gerade stattfindenden Violinen-/ Klavierkonzert zuhören.
Das sind genau die Situationen, in denen ich froh bin, nicht mit einer Gruppe unterwegs zu sein, sondern auch einmal spontan innehalten kann, um etwas Unerwartetes genießen zu können.
Am Opernhaus vorbei gelangen wir dann wieder zurück zum Hafen. Vorher kaufe ich nochmals Lakritzschokoladenkugeln in einem Supermarkt, da sich mein Vorrat aus Esbjerk dem Ende neigt.



Auf einmal kommt wieder Wind auf, der Himmel zieht sich wieder zu und es wird ungemütlich. Eine Stunde eher als wir müssten gehen wir zurück aufs Schiff, wo wir den Rest des Nachmittags in der Sauna und dem warmen Pool mit spektakulärer Aussicht auf das sich jetzt verdunkelnde Bergen verbringen. Außer uns sind nur noch 2 Frauen da. Überhaupt scheint der wirklich schöne Wellnessbereich für die meisten Passagiere dieser Reise nicht attraktiv zu sein. Vielleicht liegt das am doch recht hohen Durchschnittsalter der Mitreisenden. Mir ist es recht. Hier gibt es keinen Kampf um die besten Plätze.


Das Auslaufen aus dem Hafen von Bergen erleben wir wieder beim Abendessen. Zum Glück kann man von unserem Tisch aus zumindest nach hinten hinaus gut sehen.

Später an Deck, als einige schöne Passagen angesagt sind, ist es doch noch empfindlich kalt, obwohl die Sonne sich inzwischen wieder durch die Wolken gekämpft hat.
Heute ziehen wir uns etwas eher in die Kabine zurück. Das viele Laufen, Saunen und Schwimmen hat doch recht müde gemacht.
Morgen steht ein Seetag an, an dem wir einige schöne Landschaften passieren werden.
5. Tag – auf See
Dienstag, 2.6.
Heute ist es deutlich heller. Wir frühstücken in aller Ruhe und gehen danach an Deck. Hier vorne am Bug ist es ziemlich windig, aber die Sonne kommt heraus und mit Mütze und Windjacke kann man es aushalten. Obwohl wir momentan nicht durch enge Fjorde fahren ist die Landschaft sehr schön. Der 10 Meilen lange offene Seeabschnitt zwischen Molde und Kristiansund heißt Hustadvika und ist berüchtigt für seine stellenweise flachen Gewässer mit versteckten Riffen und hohen Wellen. Er ist einer der gefährlichsten Bereiche der norwegischen Küste, in dem viele Schiffswracks zu finden sind. Heute ist die Wasseroberfläche aber ziemlich glatt.


Viele Leuchttürme leiten die Schiffe durch diese Stelle. Den bekanntesten erreichen wir um 16:40 Uhr. Es ist der 20 Meter hohe achteckige Leuchtturm Kjeungskjæret, der mit seiner roten Farbe malerisch mitten im Wasser steht. Seit 1880 dient er als maritimes Wahrzeichen und Orientierungshilfe für Schiffe, die in den Trondheimsfjord ein- oder ausfahren. Da das Wetter hier in der Gegend um Trøndelag sehr unruhig ist, wurde er so gebaut, dass er allen Stürmen standhalten kann. 1987 verließ der dauerhaft hier wohnende Leuchtturmwärter Kjeungskjær und die Beleuchtung wurde automatisiert. Der Leuchtturmverein Kjeungen hat das Gebäude restauriert und seit 2023 steht es unter Denkmalschutz. Über Kjeungen Kystlag können hier heute Unterkünfte und Veranstaltungen gebucht werden. Es stehen 20 Übernachtungsmöglichkeiten im Leuchtturm zur Verfügung.

Gegen 20:00 Uhr passieren wir Bessaker, ein traditionelles Fischerdorf in der Gemeinde Åfjord. Während wir heute nur vorbeifahren, werden wir am elften Tag hier anlegen, um das Dorf und die umliegende Landschaft zu erkunden. Dennoch bittet man uns alle an Deck 5, dem Bug, um mit Fahnen die Einwohner zu begrüßen, die sich alle am Kai versammelt haben und zurück winken. Ein lustiges Schauspiel.



Später am Abend erreichen wir noch einmal einen offenen Seeabschnitt, die Folda.
1962 lief hier in der Nähe des Leuchtturms Nordøyan das Hurtigruten-Schiff MS Sankt Svithun wegen eines fatalen Navigationsfehlers auf Grund. Von den 89 Personen an Bord konnten nur 48 gerettet werden. Es war eines der schwersten Unglücke der norwegischen Küstenlinie.
Gegen 23:20 Uhr passieren wir dann noch einmal eine Meerenge, den Nærøysund, der die Insel Nærøya vom Festland trennt. Bei der Durchfahrt sieht man auch die Stadt Rørvik und die Nærøysund-Brücke, die wir unterqueren.
Kurz darauf können wir einen sehr schönen Sonnenuntergang miterleben. Da wir hier schon sehr weit nördlich sind, versinkt die Sonne erst gegen 23:30 Uhr langsam hinter den Bergen. So richtig dunkel ist es aber auch um 24 Uhr noch nicht, als wir endlich schlafen gehen.
Am frühen Morgen verpassen wir leider die „Sieben Schwestern“, eine markante Felsformation, um die sich eine Sage rankt:
Es sollen sieben Trolljungfrauen gewesen sein, die sich nach der Verfolgung durch den Trollprinzen Hestmannen erschöpft hinlegten und bei Sonnenaufgang zu Stein erstarrten.
6. Tag Træna
Mittwoch, 3.6. Liegezeit 10:00 Uhr – 16:00 Uhr
Heute werden wir in Træna anlegen, einer der ältesten Fischergemeinden Norwegens. Es ist ein Insel weit draußen im Meer vor der Helgelandküste.
Das Hafeninfoblatt gibt uns einige Fakten:
Sie liegt in einem Archipel aus 1000 Inseln und Schären. Nur vier davon sind bewohnt. Husøya, Selvær, Sanna und Sandøy.
Die Kommune mit 443 Einwohnern ist die kleinste in Norwegen. Die Hauptinsel Husøya, wo auch der Hafen liegt, ist das Verwaltungszentrum.
Træna ist auch bekannt durch ihr jährliches Musikfestival im Juni mit norwegischen und internationalen Künstlern.
Der Morgen begrüßt uns mal wieder mit Regen.
Die markanten Gipfel der Insel Sanna sind schon von weitem zu sehen.
Bei der Einfahrt in den Hafen werden wir ziemlich nass an Deck. Wir warten daher wieder eine Weile, bis die Ausflügler weg sind.
Heutige Ausflüge: Geführter Kulturspaziergang durch den Ort, eine Bootsfahrt um die anderen Inseln und eine Wanderung auf Sanna, die durch ihre beeindruckenden Höhlen bekannt ist.
Wir haben uns auch hier wieder entschieden alleine loszugehen und es nicht bereut.
Im Tagesplan steht als Info:
Community- Engagement-Paket: Træna
„Træna heißt Sie herzlich willkommen und lädt Sie ein, seinen Küstencharme zu entdecken. Bei der Ankunft erhalten Sie eine umfassende Broschüre, die Sie auf eigene Faust durch das Dorf führt. Die Petter-Dass-Kapelle und die Dorfkirche sind geöffnet, und lokale Experten stehen Ihnen im Touristeninformationszentrum für Fragen zur Verfügung.“
Und das alles kostenlos,
Also auf geht’s. Zu unserer Freude kommt gerade die Sonne heraus. Mit dem Plan, Google Maps und meinem Reiseführer finden wir uns leicht zurecht auf der kleinen Insel. Wir besuchen die Dorfkirche aus dem Jahr 1773 und schauen kurz in das kleine Museum. Hier kann man in der Ausstellung „Træna-Hawaii“ etwas über die Geschichte von Theodor Holmen erfahren, der 1898 seinen Heimatort verließ, um nach Hawaii auszuwandern. Er schickte seiner kleineren Schwester eine Kamera, mit der sie alles aus ihrer Zeit fotografierte und dokumentierte.
Am Friedhof vorbei geht es einen kleinen Hügel hoch. Wir folgen einem schmalen, steilen Trampelpfad, auf dem man schon trittsicher sein muss beim Hochklettern. Die Alternative wäre entlang der Straße, die wir auf dem Rückweg nehmen.
Die Kraxelei wird aber mit einer spektakulären Aussicht auf die bizarre Bergformation und die Bucht mit einer Lachszucht belohnt. Zur anderen Seite überblickt man den ganzen Ort bis hin zu unserem Schiff. Dazu alles bei schönstem Wetter. Es ist jetzt richtig warm geworden und die Sonne strahlt vom blauen Himmel.
Übrigens: „Zwiebellook“ ist der Bekleidungstipp in ganz Norwegen! Man kann auf einer Wanderung an einem Tag Temperaturen mit 15-20 Grad Unterschied erleben und die Sonne wechselt mit Regen oder sogar Schneeflocken ab.
Die kleine Petter-Dass-Kapelle von 1997 auf dem Gipfel wurde zu Ehren der auf See gebliebenen Seefahrer errichtet. Auch ist sie eine Gedenkstätte für den lutherischen Pfarrer Peter Dass (1647-1707), der einer der bedeutendsten norwegischen Dichter seiner Zeit war. Die Bilder mit Szenen auf dem Meer in der Kapelle stammen vom norwegischen Maler Erik Harr.
Auf dem Rückweg über die weitaus bequemere Strasse treffen wir einen Teil der Schiffscrew, die mit den Rädern unterwegs sind. Auch sie haben einmal Freizeit.
Wir halten noch kurz an einer markanten in den Himmel ragenden Skulptur von Anawana Haloba aus dem Jahr 2015, die zu einer Serie von Kunstwerken unter dem Begriff „Skupturlandskap Nordland (Skulpturenlandschaft Nordland) gehört. Man sagt, dass sie eine eigene Melodie hat, was wir jedoch nicht nachprüfen können, da wir uns der Figur wegen der davor liegenden Sumpfwiese nicht weiter nähern wollen.












Jetzt ist es nicht mehr weit zum Ausgangspunkt unseres Rundgangs. In dem kleinen „Aloha Café“ stärken wir uns mit einem Snack und Kaffee, bevor wir noch den kleinen Hafen anschauen. Von hier startet eine Auto-Fähre zu Zielen in der Umgebung und es gibt einen kleinen Yachthafen. Daneben liegt ein kleiner gut sortierter Supermarkt („Joker“), in dem man neben Lebensmitteln auch Haushalts- und Campingequipment kaufen kann.
Ich begnüge mich mit einem Lakritz-Eis.
Einen metallene Weltkugel, ähnlich der am Nordkap deutet darauf hin, dass das Træna-Archipel genau auf dem Polarkreis liegt.
Sogar über einen kleinen Sandstrand verfügt der Ort. Wir finden es sehr schön hier. Ruhig, beschaulich, tolle Landschaft und kaum Touristen.


Leider ist es schon Zeit, zurück zum Schiff zu gehen. Heute werden wir den Polarkreis passieren. Der Kapitän hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem man den genauen Zeitpunkt erraten oder berechnen soll.
Bevor es soweit ist, will ich noch einen Moment in der Sauna entspannen und muss feststellen, dass der Pool heute kein Wasser hat. Wenn das Meer zu unruhig ist, wird das Wasser aus Stabilitätsgründen zur Vorsicht abgelassen. Dann muss es heute mal der Whirlpool tun, der seinem Namen „Hot Tube“ alle Ehre macht, so heiß ist er.
Leider wieder genau während des Abendessens ist es dann so weit: wir überqueren den Polarkreis. Die entsprechende „Zeremonie“ ist allerdings für morgen früh geplant. Ein weiteres Mal sind wir froh, dass wir an dem großen Fenster sitzen, so dass wir wenigstens etwas von der Passage mitbekommen, die ziemlich schnell vorbei ist. Nur einen kurzen Blick konnten wir auf die den Polarkreis markierende Weltkugel werfen, die hier auf einer kleinen Insel steht.
Danach kommt noch einmal eine schöne Strecke bei Selsøyvik, einer der wenigen Handelsposten an der Küste, die noch in Betrieb sind, und zwar mit Lachszucht und Lachshandel. Es ist sehr windig und man muss sich schon etwas wärmer anziehen.
Den Rest des Abends verbringen wir entspannt in einem der Liegesessel am Fenster der Observation Lounge. Man muss hier schnell sein, wenn jemand aufsteht, denn diese Plätze sind sehr begehrt. Heute geht die Sonne noch kurz für eine Stunde unter den Horizont, da es nur noch eine gute Woche bis zur Sommersonnenwende ist. Richtig dunkel wird es aber gar nicht mehr.
Wir können uns kaum von dem schönen Anblick lösen um ins Bett zu gehen. Das geht vielen so. Das Schließen der Bar um 24:00 Uhr ist für die meisten dann doch das Zeichen zum Aufbrechen. Außerdem ist morgen für 5:30 Uhr in der Früh eine landschaftlich schöne Strecke durch den Trollfjord angesagt. Wecker stellen, damit wir es nicht verpassen!
7. Tag Torsken auf Senja
Donnerstag, 4.6. Liegezeit 12:30 Uhr – 17:30 Uhr
Tatsächlich schaffen wir es, kurz nach 5Uhr auf dem Bugdeck zu sein. Es ist kalt und windig, aber es ist trocken. Der angebotene heiße Kaffee und Tee an Deck ist eine willkommene Geste. Mystisch gleiten die 1100m hohen, steilen und zum Teil schneebedeckten Felswände, die den Trollfjord säumen, an uns vorbei. Der Kapitän fährt sehr langsam und es ist ganz still. Auch die vielen Leute sind ruhig und genießen die Stimmung. Etwa in der Mitte erkennt man das „Trollgesicht“, den Felsen, der dem Fjord den Namen gab.
Der Trollfjord liegt im Raftsund und ist einer der engsten Fjorde. Er ist 2,4 km lang und seine Einfahrt ist nur 100m breit. Für Kreuzfahrtriesen ist er ungeeignet. Aber mit der Finnmarken im Sommer kein Problem. Im Winter ist er für die gesamte Schifffahrt gesperrt. Hier gibt es nichts außer der grandiosen Natur und den Seeadlern, die hier heimisch sind. Wir hören durch die Stille einmal den Schrei eines der schönen Vögel, als er über unser Schiff hinweg fliegt.
Der Trollfjord gehört eigentlich nicht zum regulären Fahrplan, der Kapitän hat sich aber spontan für den Umweg entschieden – zumal wir mit dem Wetter im Lysefjord so ein Pech hatten. Wir sind dafür sehr dankbar.
Das war die bisher schönste Passage der Reise und man sollte sich keinesfalls von der frühen Zeit davon abhalten lassen an Deck zu gehen.








Noch ganz unter dem Eindruck des schönen Morgenerlebnisses gehen wir zum Frühstück.
Um 7:45 Uhr lohnt es sich wieder die Aussicht draußen zu genießen. Wir fahren vorbei an Sortland, wegen der blauen Häuser auch „blaue Stadt“ genannt. Es ist das regionale Zentrum der Vesterålen, wie die Region hier heißt, und Sitz der norwegischen Küstenwache.
Etwas später durchfahren wir die Risøyrenna, einen künstlichen 4,8km langen Kanal, den Richard With, der spätere Mitbegründer der Hurtigruten, zur Zeit König Haakon VII hat ausbaggern lassen, um den seichten Sund zwischen den Inseln Andøya und Hinnøya für größere Schiffe passierbar zu machen. Erste Baggerarbeiten erfolgten schon 1870. Später wurde er dann noch einmal verbreitert. Als er 1922 eingeweiht wurde, fuhr das damalige Hurtigruten-Schiff Finmarken (damals mit einem „n“ im Namen) als erstes durch den Kanal. An Bord Richard With, König Haakon und viele Prominente. Ein Konvoi aus etwa 400 Schiffen folgte nach.
Unterbrochen wird die Ruhe der malerischen Landschaft heute Morgen durch die sogenannte „Polarkreistaufe“. Wer will, kann sich auf einen Stuhl setzen und wird dann überschüttet mit Eiswasser – vorzugsweise in den Kragen. Zur Entschädigung bekommt man einen Schnaps zum Aufwärmen. Da sich genug Freiwillige melden, fällt es nicht auf, dass wir uns der Prozedur entziehen und das Schauspiel nur aus einiger Entfernung verfolgen.

Kurz nach 12 Uhr nähern wir uns Norwegens zweitgrößter Insel Senja. Der Hafen, in dem wir anlegen ist das kleine Fischerdorf Torsken, bekannt vor Allem durch seine rote Holzkreuzkirche aus dem Jahr 1784. Diese sehen wir heute nur von weitem, denn auf Senja haben wir eine Bustour gebucht. Dies ist sehr empfehlenswert, da man aufgrund der weiteren Entfernungen auf eigene Faust nichts von der Insel sehen würde.
Wie in jedem Hafen bekommen wir netterweise eine kleine Info:
Torsken ist eine kleine Stadt im Westen der Insel Senja. Ursprünglich eigenständig wurde sie 2020 mit zwei anderen Gemeinden zur Senja Kommune zusammen geschlossen. Die Stadt ist von beeindruckenden Bergen umgeben, der höchste ist der Kvænan mit 963m. Im Inland findet man Täler, Wälder und Seen. Beinahe alle Landschaftsformen gibt es hier, was der Insel den Spitznamen „Norwegen in einer Nussschale“ eingebracht hat. Die wichtigste Wirtschaftsquelle ist die Fischerei und Fischzucht.
Ausflüge: Außer der Busrundfahrt gibt es noch eine Fahrt mit einem RIB-Boot über den Fjord und eine E-Bike Tour durch die malerische Landschaft.
Vier Busse stehen bereit, als wir das Schiff verlassen, die gestaffelt losfahren. Es ist gut organisiert, so dass man nie den Eindruck hat, dass Massen unterwegs sind. Der einzige Nachteil bei einer Gruppentour ist der, dass man nicht so flexibel ist und an den drei Haltepunkten jeweils nur 20-30 Minuten Zeit verbringen kann. Der lokale Guide erzählt unterwegs viel Interessantes über die Gegend. Die gesamte Tour dauert etwa drei Stunden.
Der erste Teil führt schon durch eine spektakulär schöne Landschaft. Unterwegs sehen wir Rentiere, die in den Wiesen grasen. In Serpentinen geht es über eine Anhöhe und dann hinunter zum tiefblauen Gryllefjord, über den eine Brücke führt, die in den Ballesvikskartunnel mündet, der durch den nächsten Berg gebaut wurde.
Etwas weiter halten wir das erste Mal an einem Aussichtspunkt an:
Über einem Hang liegt die relativ neue Holzplattform von „Bergsbotn„, von der man einen phantastischen Ausblick auf den in der Sonne glitzernden Bergsfjord und die zerklüfteten Berggipfel von Senja hat, die teilweise noch schneebedeckt sind. Ein toller Photospot.






Nach 20 Minuten geht es weiter unten am Fjord entlang. Am Ende einer Landzunge erreichen wir Tungeneset, einen Rastplatz, von wo aus man über Holzstege ein Stück am Wasser entlang laufen kann, bis man zu einigen von der Natur glattgeschliffenen Felsplatten kommt. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Gipfel von Oksen, der Bergkette, die man wegen ihrer bizarren Form und der schwarzen Farbe auch „Teufelszähne“ nennt. Der Kontrast zu den hellen Steinen und dem blauen Wasser ist einmalig. Ich möchte stundenlang hier sitzen und auf die Wellen und Berggipfel schauen. Leider heißt es nach 25 Minuten schon wieder: weiter fahren. Schade!


Nach ein paar Minuten erreichen wir den dritten Haltepunkt: Parkeringsplass Ersfjordstranda (Parkplatz am Ersfjordstrand). Das Erste, was einem hier ins Auge fällt ist ein großes goldenes Toilettenhaus. Der Guide erzählt, dass man es für unverhältnismäßig viel Geld erbaut hat und dann feststellen musste, dass es gar nicht ordnungsgemäß betrieben werden kann. Daher war es erst einmal lange Zeit geschlossen. Heute ist es aber geöffnet. Die meisten Leute wollen die Toilette jedoch gar nicht benutzen, sondern nur fotografieren. Ein bekannter Selfiespot, vor dem ständig irgendjemand posiert.
Wenn man die Strasse überquert, ist man an einem langen weißen Sandstrand, der sich um die Bucht herum zieht. Ein paar Sonnenhungrige liegen im Sand und genießen die Wärme. Ich ziehe die Schuhe aus, wie einige andere auch und laufe durch das (eiskalte!) Wasser. Ein ganz wagemutiger schwimmt sogar weiter raus. Wahrscheinlich ein Norweger – für die ist es heute ein heißer Tag, ideal zum Baden. Ich schätze das Wasser auf etwa 12 Grad. Der Guide meint, etwas vom Strand entfernt im tieferen Wasser wären es auch gerne mal nur 4 Grad. Auch an diesem schönen Ort sind mir die 30 Minuten viel zu kurz. Ich wäre gern noch länger geblieben.




Leider geht es jetzt schon wieder zurück zum Schiff. Als Kontrast zum Badestrand in der Sonne fahren wir an einem See vorbei, der teilweise noch mit Eis bedeckt ist.
Bis zum Ablegen ist noch etwas mehr als eine Stunde Zeit, die ich nutze, um im (warmen…) Pool ein paar Runden zu schwimmen und auf einem Liegestuhl an Deck in der Sonne zu liegen. Dieser Tag war sicher auch einer der schönsten auf der Reise.
Heute Abend gibt es im Restaurant Flora ein besonderes Menu der Samen (indigene Bevölkerung Norwegens): Rentier, arktischer Fisch, Moltebeeren. Das Abendessen wird hier übrigens immer äußerst dekorativ serviert und schmeckt sehr gut. Wir genießen es bei einem Glas Wein, während wir dem Auslaufen des Schiffes zuschauen. Wir haben wirklich einen schönen Tisch zugeteilt bekommen.

Auch heute wird es nachts wieder nicht dunkel, aber es ist kalt und windig draußen, so dass wir den Abend in der Observation Lounge ausklingen lassen.
Wir fahren an der Westküste Senjas, von den Einheimischen als die „Außenseite“ bezeichnet, über eine offene Meerstrecke. Die Küste ist bekannt für ihre dramatische Landschaft und steilen Berggipfel.
Gegen 20:30 Uhr passieren wir wieder einen Leuchtturm, der 2000 zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Der Hekkingen-Leuchtturm, der 1859 erbaut wurde, um sowohl die Zufahrt nach Tromsø als auch die Bedingungen für die Fischerei zu sichern wurde 1988 automatisiert. Seitdem betreibt das Sommarøy Arctic Hotel Tromsø auf Hillesøy außerhalb von Kvaløyaleid den Leuchtturm und organisiert im Sommer Tagesausflüge mit dem Boot für Gruppen dorthin.
Später am Abend kommen wir an der Insel Ryøya und der Gezeitenmeeresenge Rystraumen ( oder auch Storstraumen) vorbei. Die Insel teilt den Straumfjord in zwei Kanäle. Hier kann man einen Mahlstrom beobachten. Das Wasser wechselt mit Ebbe und Flut und wird in die schmale Rinne gedrückt. Es hat hier immer eine Fließ-Geschwindigkeit von 5-8 Knoten, was man an den kleinen Wellen auf der Oberfläche sehen kann.
Etwas weiter kommt man am Flughafen der Stadt Tromsø vorbei, die wir auf dem Rückweg anlaufen werden.

8.Tag Honningsvåg / Nordkap
Freitag, 5.6. Liegezeit 13:30 Uhr – 21:30 Uhr
Heute erreichen wir den nördlichsten Punkt der Reise und gleichzeitig das absolute Highlight.
Der Kapitän hatte durchgesagt, dass er nicht die innere Passage nehmen wollte, sondern den Weg außen über die offene See entlang der rauen Finnmark-Küste um das Nordkap herum. Hier trifft das Europäische Nordmeer auf die Barentssee, benannt nach dem niederländischen Seefahrer Willem Barents. Das Wasser ist hier durch den Golfstrom fast ganzjährig eisfrei.
Im Nachhinein scheint diese Idee nicht so ideal, denn es wird immer windiger und kälter, so dass sich alle Passagiere in die Observation Lounge oder in den Sitzgruppen an den Fenstern von Deck 4 versammeln. Wir halten noch eine Weile an Deck durch, da wir an der Vogelinsel Gjesværstappene vorbei fahren mit Papageientauchern, Basstölpeln und tausenden Seevögeln. Tatsächlich umschwirren Hunderte von Vögeln das Schiff und stürzen sich pfeilschnell ins Wasser, um gleich darauf wieder genau so schnell herauszuschießen.
Und dann sollte man das Nordkap vom Meer her sehen.
Aber plötzlich schiebt sich gespenstisch eine dicke Nebelwand über das Wasser. Als wir dann in den Nebel eintauchen und man gar nichts mehr erkennen kann, ergreifen wir auch die Flucht nach innen. Ein wenig Titanic-Feeling kann da fast aufkommen und wir sind froh, dass das Schiff mit seinen modernen technischen Möglichkeiten sicher durch den Nebel navigieren kann.



Gegen 13:30 Uhr laufen wir unbeschadet im Hafen von Honningsvåg ein. Dieses im äußersten Nordwesten gelegene Fischerdorf auf der großen Insel Magerøya ist Anlaufpunkt für viele Kreuzfahrtschiffe, die ihre Passagiere von hier mir Bussen zum Nordkap bringen. Heute haben wir Glück und keiner der Giganten ist in Sicht.
Der Name des Ortes bedeutet „die Bucht, die unter dem Berg Hornungr liegt“. Es heißt, dass Hornungr der alte Name des hohen Gipfels in der Nähe des heutigen Storefjell ist.
Aus der Hafeninfo erfahren wir, dass es die nördlichste Stadt Norwegens ist. Stadtstatus hat sie erst seit 1996. Sie wird oft als „Stadt am Nordkap“ bezeichnet, das jedoch noch etwa 35km Kilometer weit entfernt ist. Es ist Norwegens größtes Fischerdorf. Fischverarbeitung bestimmt die Wirtschaft des Ortes. Vor allem in den letzten Jahren wird der Status als Tourismushafen aber auch immer bedeutsamer.
Schroffe Steilküsten und Hochplateaus prägen das Aussehen der Gegend. Im Sommer dienen die Wiesen auf den Plateaus als Weidegebiet für die Rentiere der Samen.
Archäologische Funde belegen, dass sich Menschen hier bereits kurz nach der letzten Eiszeit niedergelassen haben.
Als wir das Schiff verlassen, umweht uns ein heftiger Wind. Draußen auf der See liegt noch immer der Nebel. Heute haben alle Passagiere eine Bustour gebucht, denn auf eigene Faust ist es fast unmöglich das ziemlich weit entfernt liegende Highlight der ganzen Reise zu erreichen. Wir waren schon einmal im Winter dort und landeten im tiefsten Schneesturm, so dass der Bus im Konvoi hinter dem Schneeräumer her fahren musste. Etwas verspätet waren wir zurück am Schiff. Das Wetter ist hier unberechenbar. Macht man den Landausflug allein, wartet das Schiff natürlich nicht. Ein Schneesturm ist heute zwar nicht zu erwarten, aber wir hatten doch gehofft, diesmal wenigstens das Nordkap zu sehen! Vielleicht verzieht sich der Nebel ja noch.
Die Busse fahren wieder gestaffelt um einen Massenauflauf zu verhindern. Manche verbinden den Ausflug noch mit einem Besuch der Vogelinsel und ganz Sportliche fahren ein Stück mit dem Quad.
Unser Bus startet um 15:00 Uhr, so dass uns noch genug Zeit bleibt, den kleinen Ort zu erkunden. Viel gibt es hier nicht zu sehen. Direkt am Anleger kann man ein großes Gestell mit Stockfisch bewundern. Der Skrei, oder auch Winterkabeljau genannt, wird ausgenommen und traditionell auf Holzgestellen an der Luft getrocknet, um ihn haltbar zu machen. Vor dem Verzehr muss er dann eine Zeit lang eingeweicht werden. Angeblich soll er dann fast wie frisch schmecken. Uns wird aber gesagt, dass wir an Land gekaufte versiegelte Fische auf keinen Fall an Bord öffnen sollen. Der Geruch muss ziemlich unangenehm sein. Im Freien ist es zu ertragen, wenn nicht gerade die Sonne darauf scheint. Hier bei dem Wind riecht man kaum etwas. Die Fischköpfe sehen aber recht gruselig aus, wie sie da so aufgespiesst hängen.
Vor dem unvermeidbaren Souvenirshop steht die berühmte „Bamse-Hundestatue“. Sie wurde zum Gedenken an einen heldenhaften Hund, der im Zweiten Weltkrieg bei den norwegischen Streitkräften diente, errichtet. Und natürlich finden wir auch hier wieder, wie so oft in Norwegen, eine lebensgroße Trollfigur. Trolle haben in den ganzen nordischen Ländern einen festen Platz an allen Orten. Man findet sie vom Schlüsselanhängerformat bis riesengroß. Oft sieht man in Gärten oder Parks kleine Häuschen, die als Wohnstätte für die Trolle hingestellt werden.





Als wir den Bus besteigen, scheint sich der Wind und Nebel etwas gelegt zu haben. Wir können die an uns vorbei ziehende Landschaft mit ihren Berggipfeln, Buchten und Wiesen, auf denen Rentiere neben den Zelten der Samen grasen, bewundern und hören durch die lokale Fremdenführerin einige schöne Geschichten. Bei einem Zwischenstopp an einem Aussichtspunkt auf halber Strecke sollte man auch das Nordkap in einiger Entfernung sehen – aber nicht heute. Der Nebel ist recht hartnäckig. Er hat das Kap immer noch vollständig eingehüllt.

Ein wenig betrübt fahren wir weiter, bis plötzlich wie auf Bestellung auf dem Parkplatz am Ziel die Sonne herauskommt und die Weltkugel unter blauem Himmel erstrahlt. Wir können es nicht glauben! Alles strömt zuerst auf den Fotopoint zu, um das perfekte Selfie zu machen.

Wir haben vor Ort 90 Minuten Zeit. Außer unserem Bus sind nur noch einige wenige Individualtouristen da, so dass es sich lohnt, zuerst einmal die Landschaft um das Plateau herum zu bewundern. Da wir im Winter damals nichts draußen machen konnten, hatten wir ausgiebig Zeit, uns den schönen Film und die Ausstellungen im Visitor Center anzuschauen, so dass wir uns das heute sparen.
Über den benachbarten Hügel „fließt“ wie ein Wasserfall sehr fotogen der Nebel zu Tal und die Wellen brechen sich in der kleinen Schlucht unter uns. Man kann weit auf das Meer hinaus schauen. Phantastisch! Nach einer halben Stunde wechseln die anderen Buspassagiere wie erwartet in die Nordkaphalle, um sich dort umzusehen. Nun machen wir unsere Fotos – ohne andere Menschen im Hintergrund. Ich allein in der strahlenden Sonne vor blauem Himmel – echt und ohne Fotoshop, das hatte ich mir gewünscht. Besser geht es nicht.






So plötzlich wie der Himmel aufriss, zieht es sich kurz bevor wir zum Bus zurück müssen wieder zu. Aber wir hatten ja den perfekten Moment und schlendern zufrieden noch ein paar Minuten durch die Ausstellung. Eindrucksvoll werden die Bedingungen in Szene gesetzt, wie die ersten Touristen das Nordkap erreichten – aus kleinen Booten vom Meer aus über Felsen den Berg hinauf kletternd. Und das in einer Garderobe, über die wir heute lachen müssen. Vor allem die Frauen in ihren langen Kleidern, Hüten, Stiefeletten und Schirmen. Da ist mir die heutige Funktionskleidung deutlich angenehmer.


Auf dem Rückweg passieren wir noch einmal das Zeltlager der Samen und erfahren, dass die Rentiere hier fast alle weiß sind. Sie laufen frei herum, sind aber, anders als in Alaska, im Besitz der indigenen Bevölkerung.
Um 18:00 Uhr erreichen wir wieder das Schiff, das aber erst in mehr als drei Stunden ablegt, wenn alle Gruppen wieder an Bord sind. Nach dem tollen Tag zieht es uns jetzt aber nicht mehr nach draußen. Heute gibt es das Abendessen in Buffetform, da alle Ausflügler zu unterschiedlichen Zeiten zurück kommen.
Nach einem Saunagang und einer Runde Schwimmen essen wir zu Abend und setzen uns mit einem Drink ans Fenster der Bar bevor alle anderen die Sessel erstürmen.
Wir buchen online noch Tickets für die Seilbahn auf den Fjellheisen in Tromsø (Return-Ticket etwa 46 Euro). Morgen werden wir wieder allein die Gegend erkunden, zumal wir die Stadt schon von der letzten Reise her kennen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vertraut sind. Ich werde an entsprechender Stelle Tipps für den Landgang auf eigene Faust geben, was in Tromsø wieder sehr einfach ist.
Beim Auslaufen scheint wieder die Sonne und beleuchtet malerisch die Berge mit ihren schneebedeckten Gipfeln.
Jetzt geht es wieder südwärts durch die Inside Passage mit mehreren Meerengen und schönen Ausblicken.
Die Mitternachtssonne scheint jetzt fast die ganze Nacht. Wenn man die Verdunklung der Fenster in den Kabinen nicht schließt, ist es taghell. Viele stört die Helligkeit beim Schlafen. Mir macht das überhaupt nichts aus.
Um 24:00 Uhr machen wir heute unser obligatorisches „Mitternachtsonnenfoto“.



An dieser Stelle möchte ich noch ein paar Worte über das Programm auf der Finnmarken sagen. Es gibt tägliche Treffen mit dem Expeditionsteam, Vorträge, kleine Musikdarbietungen, Verkostungen und Workshops. Wir haben ein paar davon besucht, was auch ok war, aber die Landschaft ist so großartig, dass wir lieber an Deck oder in der Observation Lounge sind, um diese zu genießen, statt im vollen Vortragsraum zu sitzen. Ich habe im Vorfeld so viel wie möglich gelesen, so dass mir das meiste bekannt ist, das in den Vorträgen erwähnt wird. Aber das kann jeder für sich entscheiden. Ich habe nur in meinem Reisebericht nichts von den Aktivitäten an Bord geschrieben, weil wir nicht so viel davon genutzt haben, was nicht heißt, dass die Veranstaltungen nicht lohnenswert sind.
9.Tag Tromsø
Samstag, 6.6. Liegezeit 12:00 Uhr – 18:00 Uhr
Die Informationen auf dem Tagesplan und in der Hafeninfo beschreiben, was einen erwartet:
„Tromsø (mit fast 80000 Einwohnern) ist eine blühende und lebendige Stadt auf 70 Grad Nord und 350 km über dem Polarkreis. Die Nähe zur Wildnis ist der Grund, warum diese Stadt so beliebt ist, und diese Beliebtheit hat Tromsø den Namen „Paris des Nordens“ eingebracht. (Da Paris zu der Zeit als Zentrum der Welt galt, war es üblich, jede Stadt mit Paris zu vergleichen. Außerdem kleideten sich die Mädchen damals gern wie die Damen in Paris.)
Kaum hat man die Lichter der Stadt hinter sich gelassen, findet man sich inmitten der unberührten Natur wieder. Tromsø verfügt über Norwegens wichtigste arktische Fischerei-, Robbenfang- und Schifffahrtsanlagen, und die örtliche Industrie beschäftigt sich hauptsächlich mit der Lagerung und Verarbeitung von Fisch. Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich Tromsø zu einem bedeutenden arktischen Handelszentrum entwickelt, von dem aus viele arktische Expeditionen starteten.“
Am Morgen fahren wir an der Halbinsel Lyngen Alps vorbei, schroffe, schneebedeckte Gipfel ziehen den Blick auf sich.
Das Stadtzentrum von Tromsø liegt auf der Insel Tromsøya, welche durch den Tromsøysund vom Festland und den dortigen Stadtteilen und im Nordwesten durch den Sandnessund von der Insel Kvalsøya getrennt wird.
Bei der Einfahrt zum Hafen fällt als erstes das schneeweiße markante Dach der Eismeerkathedrale ins Auge, die auf der anderen Seite der den Sund überspannenden Brücke liegt. Rechts daneben erhebt sich der Berg Fjellheisen, auf den die Gondelbahn bis fast zum Gipfel führt.
Angebotene Ausflüge heute sind Busfahrt oder Spaziergang durch die Stadt und eine E-Bike-Tour.
Der Anleger ist direkt am Rande der City, so dass man alles gut fußläufig erreichen kann. Das Wetter ist gut, sonnig und warm. Bevor wir unseren Landgang beginnen, geben wir erst einmal unser Tax-Refund Formular im Tourismusbüro direkt neben dem Terminal ab.


Wir haben schon zu Hause die APP Svipper auf unser Handy geladen und eingerichtet, mit der man schnell und unkompliziert Fahrscheine für den öffentlichen Nahverkehr erstehen kann.
https://svipper.no/menu/travel/the-svipper-app/
Man kann die Tickets zwar auch bar oder mit Karte am Automaten ziehen, was aber deutlich komplizierter ist und bei einigen unserer Reisegruppe nicht auf Anhieb klappt. Im Bus wechselt der Fahrer kein Geld. Man darf nicht vergessen, den Code, den man aufs Handy bekommt nach dem Einsteigen am Automaten im Bus zu scannen! Den Code findet man in der Bestätigung auf dem Handy unter „Details“.
Gut zu wissen: Als Bezahlmethode haben wir übrigens unsere Kreditkarte der Hanseatic Bank angegeben, mit der wir auch alles andere auf der Reise bezahlen. Diese Bank berechnet keine Gebühren im Ausland!
Die Bushaltestelle ist nahe dem Kai am Torgsenteret. Direkt vor „Pepe’s Pizza“. Man kann sie mit Google Maps oder dem Stadtplan leicht finden. Dort fährt die Linie 26 alle 30 Minuten Richtung Eismeerkathedrale und Cable Car, wie man an einem Pictogramm auf der Anzeigetafel gut erkennen kann. Man kann die Fahrt in eine Richtung auch unterbrechen und mit demselben Ticket in der vorgegebenen Zeit von 2 Stunden weiterfahren.

Bis zur Seilbahn dauert es etwa 15-20 Minuten. Achtung: nicht aussteigen, wenn man die Gondel sieht. Der Bus fährt vermeintlich weiter, kehrt aber auf der Parallelstrasse um und hält fast vor dem Eingang zur Cable Car. Die Haltestelle wird auf der Anzeigetafel im Bus mit „Fjellheisen“ angegeben.
Da wir schon Tickets haben, gehen wir sofort zum Einstieg, wo nur noch zwei Familien anstehen. Die Schlange kann in der Hauptsaison aber auch sehr lang werden und wenn man kein Ticket vorher erworben hat, könnte man Pech haben und nicht mehr hoch kommen.
Im Moment überschattet eine riesige Baustelle mit Absperrungen, Lärm und provisorischen Treppen das Vergnügen der Gondelfahrt, aber der Blick ins Tal ist super. Oben angekommen ist der Ausstieg deshalb auch nicht gerade barrierefrei.
Wir gehen zuerst am Restaurant vorbei, um die Aussicht zu genießen. Hinter dem Haus steht zu unserer Überraschung ein Chor. In der Stadt findet gerade eine Art Festival mit vielen Chören statt, die an unterschiedlichen Orten singen. Hier oben auf dem Berg kommen wir in den Genuss einiger norwegischer Folksongs.
Die Aussicht von hier oben ist grandios. Man schaut auf die Brücke und die Kathedrale und über die Stadt hinweg bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Berge im Hinterland. Winzig klein liegen gerade noch zwei weitere Postschiffe der Hurtigruten neben unserer Finnmarken. Die Stadt ist Heimathafen der Reederei und hier begegnen sich offenbar gerade die Nord- und die Südlinie. Hier in Citynähe legen nur die kleineren Schiffe an. Die großen bleiben im 4,5 km entfernten Stadtteil Breivika, von wo aus man einen meist kostenpflichtigen Shuttlebus in die Stadt nehmen muss. Ich finde die Regelung ganz gut, weil so das Stadtbild schöner ist, als wenn so ein Gigant davor liegt, wie es in Stavanger der Fall war.
Da das Wetter heute super ist, gehen wir etwas bergauf bis fast zum Gipfel, vorbei an einem Schneefeld, das in der Sonne glitzert. Auf dem Rückweg begegnen uns Passagiere unseres Schiffs, die mit dem Ausflugsbus hier sind. Sie wurden aber auch nur unten abgesetzt und haben etwa eine Stunde Zeit für die Gondel und die Aussicht.
Die Schlange an der Seilbahn ist jetzt länger und wir müssen eine Zeit lang warten, bis wir wieder nach unten fahren können. Man muss bedenken, dass jetzt Anfang Juni noch keine Hauptsaison ist und die Touristengruppen noch überschaubar sind. Gerade für dieses Ziel muss in den nächsten Wochen ein deutlicher Anstieg erwartet werden.





An derselben Haltestelle, an der wir ausgestiegen sind fährt der Bus wieder etwa alle 30 Minuten (je nach Verkehr) Richtung Stadt. Wir unterbrechen die Rückfahrt an der Eismeerkathedrale (Tromsdalen kirke).
Tromsø wird als die Arktische Hauptstadt oder das Tor zur Arktis bezeichnet. Mit seinen 344 km Luftlinie nördlich des Äquators ist sie bekannt für lange Tage im Sommer und Nordlichter im Winter. Die Eismeerkathedrale symbolisiert das mit ihrer Form, die an Eisschollen erinnert. Der Architekt Jan Inge Hovig hat sie entworfen. Auf der Rückseite befindet sich eines der größten Glasmosaikfenster Europas. Leider sieht man den großartigen Effekt heute von außen in der Sonne nicht und die Kirche ist wegen einer Hochzeit gerade für Besucher geschlossen. Schade, aber wir haben sie im Winter besichtigen können. Da war eine ganz andere Stimmung mit dem Weihnachtsschmuck, und die helle Beleuchtung in der Kirche und die Dunkelheit des Winters ließen das Mosaik von außen in ganzer Schönheit erstrahlen. Dafür strahlt heute die weiße Farbe der Wände in der Sonne, was im Winter wiederum nicht so zur Geltung kam. Hier hat eben jede Jahreszeit ihre eigenen Vorteile.
Eigentlich ist es gar keine Bischofskirche, obwohl sie allgemein immer „Kathedrale“ genannt wird.



Da wir heute ohnehin nicht mehr hinein können, nehmen wir den nächsten Bus weiter in die City. Wir steigen an der Haltestelle Skippergata aus. Wenn man sich nach links wendet und in die übernächste Strasse rechts einbiegt, ist man am Anfang der Fußgängerzone. Die Haupteinkaufsstraße ist die Storgata, die sich durch die ganze Innenstadt zieht. Auch hier ist der Unterschied zur verschneiten, weihnachtlich geschmückten City von damals riesig. Viele Menschen sind unterwegs, sitzen auf Mauern und in Cafés und genießen die Sonne. Wir machen eine Pause an der bekannten „Raketen Bar“ (Norwegisch „Raketten“), einem alten Kiosk aus dem Jahr 1911. Er hat eine Alkohol-Lizens und war schon im Winter wegen seines Glühweinausschanks heiß umlagert. Den gibt es heute nicht, dafür aber andere (nicht ganz so kalte…) Getränke, Cocktails und ihre berühmten Rentier-Hotdogs. Während wir uns unter dem Dach an den Biertischen stärken, sieht man immer wieder Touristen, die hier ihre Instagramm-Selfies machen. Von hier aus schaut man auf den Hafen und die Skulptur eines Fischers: Fangstmonument (Arctic Hunter).
Auf der anderen Seite der Bar kommt man zur katholischen Kirche (Cathedral of Our Lady, Vår Frue domkirke) die geöffnet ist und in der Nähe das Kulturhaus (Troms musikkråd) und das Rathaus. Dazwischen ein kleiner Park mit der Statue von Haakon VII vor einem kleinen Musikpavillon.
Weiter die Storgata entlang kommt man zur „Domkirke“ (Dom zu Tromsø), wo wir damals ein schönes Mitternachtskonzert erleben durften. Die Konzerte wurden jahrelang in der Eismeerkathedrale abgehalten. Man hat sie aber vor einiger Zeit in den Dom verlegt. Heute können wir leider auch den Dom nicht besichtigen, weil dort Proben der Chorgruppen stattfinden, die man in der ganzen Stadt im Rahmen des Festivals in traditionellen Kostümen sieht, und von denen auch eine oben auf dem Fjellheisen gesungen hat. Wir kennen die Kirchen ja schon, aber für die übrigen Reisenden ist das sicher enttäuschend.
Am Ende der Fußgängerzone kann man noch in einem modernen Einkaufszentrum shoppen oder eine Brauerei besuchen.



Vår Frue domkirke i Tromsø





Es ist jetzt kurz nach 17 Uhr. Wir machen noch ein paar Fotos und gehen dann zurück aufs Schiff, wo wir an Deck das Auslaufen aus dem Hafen verfolgen. Diesmal mit schöner Sicht, Sonne und ohne Wind mit einem Aperitif in der Hand – so wie man sich eben auch eine traditionelle Kreuzfahrt vorstellt. Ein kleiner Katamaran begegnet uns, von dem die Kinder uns fröhlich zuwinken, während langsam die Eismeerkathedrale und der Fjellheisen mit wachsender Entfernung immer kleiner erscheinen.
Nach dem Abendessen hören wir uns einen Vortrag über die Lofoten an, dem nächsten Ziel der Finnmarken. Heute sitzen wir noch bis spät abends auf dem Deck in der Sonne, die wieder nicht unter geht, bis uns fast die Augen zufallen. Wir schaffen es heute nicht mehr bis 24 Uhr, um die Sonne um Mitternacht zu fotografieren.



10.Tag Reine / Lofoten
Sonntag, 7.6. Liegezeit 8:00 Uhr – 15:00 Uhr
Für heute hätten wir gern einen Ausflug gebucht, was an Bord aber nicht mehr möglich war. Es macht Sinn, sich das Ausflugsprogramm schon zu Hause anzuschauen und vorab zu buchen, was man unbedingt möchte. Der Nachteil dabei: wir hatten jeder 500 Euro Bordguthaben, das man nur an Bord für Ausflüge verwenden kann. Das ziemlich große Guthaben braucht man an Bord aber fast gar nicht für andere Sachen, es sei denn man trinkt exklusive Weine und Cocktails, die nicht inbegriffen sind, kauft Souvenirs im Bordshop (für die man aber keine MWST zurück bekommt), oder man geht im einzigen nicht inbegriffenen Restaurant an Bord essen. Alles keine Option für uns. Das normale Essen in den beiden inkludierten Restaurants ist ausgezeichnet, der Haus-Wein und die anderen Getränke schmecken uns und als Souvenirs haben wir nur zwei Plüschtiere für unsere Enkel gekauft. Am Besten versucht man gleich am ersten Abend der Reise die gewünschten Ausflüge noch nach zu buchen.
Also steht heute ungewollt ein Landgang auf eigene Faust an.
Wir werden nach einer ruhigen Nacht erst wach, als wir schon fast in Reine einlaufen. Obwohl wir in der Nacht die offene Meeresstrecke entlang des Vestfjords passiert haben, haben wir keine nennenswerten Schiffsbewegungen gemerkt. Schade, dass wir nicht eher wach waren, da der Anblick, wenn man auf die unverwechselbare Bergkette der Lofoten zufährt, spektakulär sein soll.
Die Inselgruppe Lofoten liegt noch nördlich des Polarkreises und besteht aus etwa 80 Inseln. Die größten davon sind durch Tunnel oder Brücken miteinander verbunden.
Auf der 1227 km² große Fläche leben etwa 24000 Einwohner.
Seit 2018 gehören die Westküste der südlichsten Insel Moskenesøy und vorgelagerte Inseln zum Lofotodden-Nationalpark.
Es gibt hier zwei Städte: Svolvær und Leknes und viele historische Fischerdörfer, darunter das malerische Reine mit seinen knapp 300 Einwohnern, das jährlich von aber tausenden Touristen besucht wird, die die spektakuläre Sherpatreppe auf den Berg Reinebringen mit seinen fast 2000 unterschiedlich hohen Felsstufen erklimmen wollen. Von dort oben hat man eine grandiose Aussicht auf die Inselgruppe – ein viel verwendetes Fotomotiv in Büchern und Prospekten.
Im Hafeninfo heißt es, dass das idyllische Fischerdorf Reine als einer der schönsten Orte Norwegens gilt.
Die Ausflugsgruppen besuchen per Bus entferntere Orte, wie den Ort mit dem einmaligen Namen Å. Oder es gibt eine Kayaktour zu etwas näheren Zielen.
Wir gehen von Bord und schauen uns erst mal um. Vom Schiff haben wir einen einfachen Stadtplan mitgenommen, in dem sehenswerte Stellen eingezeichnet sind. Mit Hilfe von Google Maps ist das Auffinden der Sehenswürdigkeiten aber leichter.
Die wichtigsten Punkte: Reine Fjord Viewpoint, Wooden Bridge Viewpoint, Reine Front View und Reine View auf der anderen Seite der Bucht, von wo aus man über das Wasser auf den Ort schaut.
Es ist wirklich ein sehr netter ruhiger Ort mit sauberen und oft rot gestrichenen Häusern. Direkt am Hafen stehen eine große Anzahl von Holzgestellen mit Stockfisch. Es ist wieder der Skrei (Winterkabeljau), der hier getrocknet wird. Es ist recht warm heute und den Geruch kann man dieses Mal gut bemerken.
Bis zum Zentrum des Ortes sind es nur wenige Schritte. Rund um den Hafen mit vielen kleinen Booten stehen kleine Holzhäuser mit eigenem Steg. Es gibt ein Bistro, einen kleinen Laden mit Bekleidung und Souvenirs und eine Kaffeebar, in der eine ganze Reihe von Rucksacktouristen frühstückt oder sich für die anstrengende Wanderung auf den Reinebringen verpflegt. Einen Supermarkt gibt es auf der anderen Seite der Bucht und ist nur mit Boot oder Auto erreichbar. Einige Gästehäuser vervollständigen das Bild. Wir spazieren um die Bucht herum. Hinter jeder Ecke öffnet sich eine andere schöne Aussicht. Schaut man hoch zum Plateau des Reinebringen sieht man winzig klein die Umrisse der Bergsteiger.







Fast am Ende des Ortes ist ein großes neues Visitor Center „Lofoten Nationalpark“ (Besøkssenteret Lofotodden Nasjonalpark).
Wir nehmen uns die Zeit und schauen uns die Ausstellungen an, die über Flora, Fauna und Geschichte der rauen Lofoten berichten. In dem großen Kinosaal wird ein hervorragender Film darüber gezeigt („This is Lofoten“), den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Er ist ohne Kommentare, nur mit stimmungsvoller, extra für den Film komponierter Musik. Die ausgezeichneten Bilder und Filmausschnitte sprechen für sich.






Wieder zurück im Ort, gehen wir noch einmal in die andere Richtung, wo sich schön gelegen eine Lodge mit Holzhäusern befindet. Über die Bucht hinweg schauen wir auf die in der Sonne liegende Finnmarken.
Beinahe passiert mir hier der Supergau. Ich verliere mein Handy beim Kramen im Rucksack. Aber zum Glück bringt ein nettes Ehepaar mir das Telefon nach.



Auf dem Weg zurück zum Schiff sagen wir uns, dass es ein wirklich schöner Tag war, auch wenn wir ihn nur hier im Ort verbracht haben.
Beim Ablegen stehen wir diesmal an Deck, damit wir die bizarre Kulisse der Lofotenwand wenigstens jetzt sehen.
Es ist erst 15:30 Uhr und wir fahren über die offene See über den Vestfjord Richtung Festland. Zu sehen gibt es momentan nicht viel. Zeit genug für einen entspannten Nachmittag mit Panorama-Sauna und Pool. Auch heute sind wir wieder fast die einzigen Benutzer. Die älteren Passagiere ruhen sich anscheinend eher in der Kabine aus. Uns soll es recht sein. Das Wasser im Pool schwappt heute gehörig hin und her, fast wie im Wellenbad. Das Meer ist gerade etwas unruhiger.
Um 19:30 Uhr nach dem Abendessen wird es draußen wieder interessant. Zuerst passieren wir eine schöne Strecke entlang der Helgelandküste und die kleine Insel Støtt mit ihren netten kleinen Häuschen aus dem 19. Jahrhundert am Wasser.
Danach überqueren wir wieder den Polarkreis Richtung Süden und verlassen somit die Arktis. Ab jetzt wird es wieder Sonnenuntergänge geben.
Sobald wir die Weltkugel hinter uns gelassen haben, leert sich das Deck schlagartig, da es sehr windig und kalt geworden ist. Heute bleibt es jedoch noch einmal fast die ganze Nacht hell und wir lassen in der Observation Lounge die Landschaft an uns vorbei ziehen.


11.Tag Bessaker
Montag, 8.6. Liegezeit 12:00 Uhr – 18:00 Uhr
Der Morgen begrüßt uns mit blauem Himmel und es ist sogar auf dem Schiff sommerlich warm.
Nach dem Frühstück findet erst mal die Rückreise-Zeremonie zur Überquerung des Polarkreises statt. Die ist auch nicht viel angenehmer als die Eisdusche auf der Hinreise. Man bekommt einen Löffel Lebertran und anschließend einen Schnaps. Da ich keine Lust auf Durchfall heute beim Landgang habe, halte ich mich zurück. Mein Mann ist mutiger und macht mit. Als Souvenir kann man den Löffel mit den Koordinaten des Polarkreises mitnehmen.


Die Sonne brennt auf das Oberdeck und zum ersten Mal sieht man Leute in kurzen Hosen und T-Shirts auf den Deckstühlen. Auch wir verbringen den Vormittag draußen am Bugdeck.
Bessaker ist uns ja schon von der Hinfahrt bekannt. Dort haben uns beim Vorbeifahren die Leute so freundlich mit Fahnen zugewinkt. Auch heute stehen wieder fast alle Einwohner, alt und jung, am Kai und begrüßen uns. Man hört Seemanns-Musik aus einem Akkordeon und Kinder sind in Reih und Glied aufgereiht und winken fröhlich. Früher hat hier das Postschiff angelegt. Seit einigen Jahren nimmt es eine andere Route. Daher freuen sich alle, wenn einmal pro Woche die Finnmarken hier vorbei kommt. Auf unserem Schiff wurden auch wieder Fähnchen verteilt und alle winken begeistert zurück.




Hier haben wir ebenfalls keinen Ausflug mehr ergattern können, aber wir haben einen Plan, wie wir den Tag gestalten können.
Die Bordinformation beschreibt den Ort so:
„Bessaker (mit 200 Einwohnern) ist ein kleines, ruhiges Dorf in Norwegen, das im Süden der Region Trøndelag liegt. Es gehört zur Gemeinde Snillfjord und ist bekannt für seine malerische Natur, die sich gut für Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Angeln und Bootfahren eignet. Der Ort bietet eine enge Gemeinschaft und eine idyllische Umgebung, die sowohl Einheimische als auch Touristen anzieht, die Ruhe und Natur suchen. Bessaker hat auch historische Bedeutung und ist für seine traditionellen norwegischen Gebäude bekannt.“
Erst einmal gehen wir von Bord und müssen 20 Minuten die Straße entlang laufen, um ins Dorf zu gelangen. Dass es einen Shuttle gibt, erfahren wir erst am Abend, als wir zurück wollen. Das wurde nicht öffentlich bekannt gegeben.
Aber bei dem Spaziergang sieht man deutlich, dass die Landschaft nicht mehr arktisch ist. Grüne Weiden, auf denen Kühe grasen wechseln sich ab mit Blumenwiesen. Laubbäume säumen die Strasse und Schafe ducken sich in den Schatten. Die Temperatur ist hier über 20 Grad und wir kommen gehörig ins Schwitzen.
Bessaker ist vollkommen auf die Hurtigrutengäste eingestellt. Ein Flohmarkt lädt ein, heimische Waren zu erstehen, bei der Stokkøy Bakery gibt es kostenlos Lamm-Suppe und Kaffee mit Gebäck. Ein Musiker spielt Gitarre und singt Oldies der 70er Jahre und ab 15 Uhr kann man zu einer Aftersea-Party in die Aqua-Bar gehen. Auf einer Wiese wird ein Schafsköttelbingo veranstaltet.









Wir wollen aber zuerst einmal die Hauptattraktion des Ortes erkunden: die Holz-Treppe zum Gipfel des Vettan hochsteigen. 951 Stufen geht es nach oben. Unterwegs sind kleine Stellen mit Bänken zum Ausruhen und um die Aussicht zu genießen. Sogar einen kleinen Teich hat man auf halber Höhe angelegt, der umrankt ist mit kleinen Troll-Häuschen.
Es ist recht anstrengend, auch wenn die Stufen gleichmäßig sind und nicht in den Fels gehauen wie am Reinebringen. Zumal heute wirklich richtiges Sommerwetter ist. Etwas außer Puste und nass geschwitzt werden wir oben mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Die Finnmarken, die unten in der Bucht in der Sonne glänzt, sieht ganz winzig aus. Auf dem Gipfel sind Reste eines Weltkriegsbunkers neben einem Grillplatz mit Tischen und Bänken. Gut zu wissen, dass man sich ein Picknick hätte mitnehmen können. Aber auch so genießen wir es, in der Sonne zu sitzen und die Aussicht zu bewundern.
Der Abstieg fällt etwas leichter. Wenn man nicht einen Wanderweg über den ganzen Berg nehmen will, der zu lange dauert, muss man die Treppenstufen wieder hinab.








Unten nehmen wir dann das Angebot mit der Suppe und Kaffee wahr, bevor wir uns die andere Seite des Ortes anschauen. Hier gibt es kleine Hütten, die man mieten kann. Wir unterhalten uns mit zwei deutschen Anglern, die gerade ihren Fang säubern. Sie kommen jedes Jahr für zwei Wochen zum Angeln in dieses schöne Dorf.
Zum Abschluss setzen wir uns auf eine Bank am Hafen, essen ein Eis (ich liebe das skandinavische Lakritzeis!) und hören dem Musiker zu. Einige Leute tanzen dazu und es herrscht eine fröhliche Stimmung. Unterdessen sehen wir die Ausflügler zurückkommen, die mit einem alten Kutter unterwegs waren.


Eine andere Gruppe war zu einer Wanderung auf den Berg Storskardheia aufgebrochen. Eine dritte hat dieselbe Wanderung gemacht wie wir.
Wir bereuen es nicht, dass wir keinen Ausflug gebucht hatten. Es war ein wunderschöner Tag. Nur die Aqua-Bar bleibt heute relativ leer. Ist wohl nicht das typische Partypublikum auf dieser Kreuzfahrt.
Zurück nehmen wir den Shuttle, den wir inzwischen entdeckt haben.
Ablegen ist um 18 Uhr. Heute gibt es ein Meeresfrüchte-Buffet, was wirklich ausgezeichnet ist.
Nach diesem tollen Sommertag hat sich das Wetter jetzt gegen Abend wieder plötzlich vollkommen gewandelt. Der Himmel hat sich zugezogen und der kalte Wind treibt uns in die Lounge. Gemütlich schauen wir durch die großen Fenster den dunklen Wolken zu.
Wieder mal passieren wir die Berggruppe der „Sieben Schwestern“ mitten in der Nacht und verpassen deshalb, einem Blick darauf zu werfen.
12.Tag Sæbø / Hjørundfjord
Dienstag, 9.6. Liegezeit 8:00 Uhr – 15:00 Uhr
Das malerische Dorf 40 km südlich von Ålesund mit seinen 1100 Einwohnern liegt am Hjørundfjord, einem der unberührtesten und schönsten Fjorde Norwegens. Er ist 35 km lang und gesäumt von steilen Berghängen. Es gibt außer Sæbø nur noch einige wenige kleine Dörfer, wie zum Beispiel Urke mit seinen knapp 40 Einwohnern. Wir haben einen Ausflug gebucht, der Urke als Ausgangspunkt für eine Wanderung zu einer ehemaligen Alm am Ende des Tals nimmt.
Da der Hafen von Sæbø zu klein ist, muss die Finnmarken davor ankern und die Passagiere werden mit Tenderbooten an Land gebracht.
Neben der Wanderung gibt es noch eine Busfahrt zu den „verborgenen Schätzen des Hjørundfjord“.
Der Name Sæbø leitet sich ab von den altnordischen Worten für „Meer“ (Sæ) und „Hof“ (bø). Früher war es geprägt von Landwirtschaft und Fischerei, wovon die alten Höfe und Bootshäuser heute noch zeugen. Heute zieht der Ort viele Touristen an, darunter auch internationale Prominente, wie etwa Scarlett Johansson, die während der Dreharbeiten zum Film „Black Widow“ einige Zeit hier verbrachte.
Als Erstes erwartet uns in der schönen kleinen Kirche ein Konzert. Zwei lokale Musiker (Morten Bolllerud am Akkordeon und Joran Marie Kvernberg an der Geige) spielen stimmungsvolle Lieder norwegischer Folklore. Das besondere ist, dass die Geigerin ein paar Stücke auf der sogenannten Hardangerfiedel spielt, die neben den üblichen 4 Saiten noch vier weitere Resonanzsaiten hat. Sie hat einen flachen, sehr dekorativ geschmückten Steg und wird vor Allem hier in Norwegen für alte Volksweisen verwendet.
45 Minuten dauert das Konzert, dem alle gebannt zuhören. Hier in der Kirche klingt es durch die besondere Akustik wunderschön.


Bis uns das Boot zu unserer Wanderung bringt, haben wir noch etwas Zeit. Wir schlendern durch den Ort, wobei uns vor allem die schönen Holzhäuser auffallen, deren Gärten mit üppigem Blumenschmuck wetteifern.
Um den kleinen Dorfplatz mit Tischen und Bänken reihen sich ein Supermarkt, ein Souvenirladen mit überwiegend handgefertigten Dingen und eine Ausstellung über den Lawinenschutz im Fjord und alten Lawinenunglücken. Betrieben wird das kleine Museum durch einen Deutschen, der vor Jahren hierher ausgewandert ist. Wir setzen uns noch einen Moment auf eine Bank und schauen der Fähre beim Ablegen zu.









Um 11:15 Uhr treffen wir uns mit dem lokalen Guide, der eigentlich aus Görlitz stammt, aber jetzt in Norwegen wohnt.
Es ist heute bewölkt, aber nicht kalt und ab und zu kommt die Sonne hervor.
Mit dem Boot fahren wir auf die andere Seite des Fjords zum Anfang des Tals. Zuerst geht es durch Wiesen zum eigentlichen Ort Urke, der nur noch eine Handvoll Einwohner hat. Die Schule hat man inzwischen geschlossen, weil es sich für die 5 verbliebenen Kinder nicht mehr lohnt. Sie fahren jeden Morgen per Boot in den nächsten Ort.
Im Dorf geht es rechts an einem Wildwasserbach entlang den Berg hinauf. Die ersten der Wandergruppe mit dem Guide legen ein zügiges Tempo vor, warten aber immer wieder auf die Nachkömmlinge, denen das Tempo für den manchmal etwas steileren Anstieg etwas zu schnell ist. Eine norwegische pensionierte Lehrerin begleitet uns und bildet das Schlusslicht, damit niemand verloren geht. An einigen Stellen erzählt der Guide interessantes über Landschaft und Leute. Zum Beispiel, dass die Einwohner im Winter hier mit Tourenskiern entlang laufen, oder wo es immer wieder zu Lawinen aus Stein oder Schnee kommt. Oben erfahren wir dann, wie die Menschen früher hier gelebt haben und bei jedem Wetter Milch und Käse auf dem Rücken nach unten tragen mussten.
Wir können die restaurierten Almhäuser mit ihren Grasdächern von innen und außen besichtigen. Heute sind sie alle für die gelegentliche Nutzung in privater Hand und eines davon kann man sogar über Air B&B als Urlaubsdomizil mieten.
Der Ausblick von hier oben geht weit über das Tal bis zum Fjord und den Bergen gegenüber. Sicher ein schöner Ort für ein paar Tage, obwohl man alles Notwendige den Berg hinauf mitnehmen muss. Der Schotterweg ist jedoch breit genug, dass man heute auch ein Auto nehmen kann. Wir füllen unterwegs unsere Wasserflaschen direkt aus dem glasklaren Bach, weil das Wasser laut Guide sauber und ohne Schadstoffe ist. Es schmeckt wirklich gut.
Zurück geht es entlang des anderen Ufers durch den Wald wieder nach unten, vorbei an der alten Schule und weiteren blumengeschmückten Häusern, wo uns am Anleger ein leckerer Snack erwartet. Es gibt verschiedene Sorten hervorragender Salami und Schinken wie Rentier, Schwein, Rind und Lamm, außerdem Kartoffelsalat, das dünne Brot der Samen und norwegische Waffeln mit Schmand und Marmelade. Dazu kalte Getränke und Kaffee.







Alle bedauern, als das Boot für den Rückweg anlegt und wir diesen schönen Ort verlassen müssen. Eigentlich müssten alle schon an Bord sein, aber auf die Teilnehmer des Ausflugs wird natürlich gewartet. Wir werden direkt zum Schiff gebracht, wobei die Leute auf dem Deck interessiert das Anlegemanöver beobachten.
Unmittelbar hinter uns wird die Klappe geschlossen und wir fahren los.



Der Kapitän steuert die Finnmarken noch bis zum Ende dieses schönen Hjørundfjords und wir schauen gebannt zu den steilen Felswänden hoch, die an uns vorbei gleiten.




Nach diesem abermals sehr schönen Tag wird das Wetter am Abend wieder ganz plötzlich schlechter. Naja, besser jetzt als den Tag über. Als wir den Fjord verlassen und es weiter Richtung Süden geht, sieht man kaum noch etwas – ein idealer Zeitpunkt für eine entspannte Runde Sauna und Schwimmen, wieder mal fast allein.
Nach dem hervorragenden Abendessen verbringen wir den Abend auf einem Logenplatz ganz vorn in der Observation Lounge und schauen auf die Wolken, die immer dunkler werden. Schade, denn dies ist eigentlich eine landschaftlich wunderschöne Strecke. Aber das Wetter lässt sich halt nicht beeinflussen und wir hatten bisher auch schon viel Glück mit dem Wetter und Wellengang.
Um halb 11 Uhr wird es uns hier zu laut. Man merkt, dass heute besonders viele Passagiere in diesem Raum sind und dass einige Probleme mit dem Gehöhr haben müssen, da der Lärmpegel der Gespräche immer lauter wird. Wir ziehen uns in die Kabine zurück und schalten auf dem Bildschirm die Bowcam ein. Diese zeigt aber, wie auch der Blick aus dem Fenster, dasselbe Bild – dunkle Wolken und Regentropfen. Aber wir genießen die Ruhe und stellen fest, dass es hier um diese Zeit schon stockdunkel ist. Bis in unsere Breiten gibt es ja auch nur noch einen Hafen, den wir anlaufen.
13.Tag Kopervik
Mittwoch, 10.6. Liegezeit 12:00 Uhr – 20:00 Uhr
Leider begrüßt uns am Morgen dasselbe Wetter, das uns gestern verabschiedet hat. Bei einer schönen Landschaftspassage wagen wir uns dennoch auf den Bug, da es gerade nicht regnet.
Für Kopervik ist es uns leider auch nicht gelungen, an Bord noch einen Ausflug zu buchen, so dass wir schauen müssen, was wir unternehmen. Der Ort bietet nicht sehr viel, so dass eine Busfahrt sicher lohnenswert gewesen wäre.
Im Tagesprogramm lesen wir:
„Kopervik (etwa 12000 Einwohner) ist eine lebendige Küstenstadt auf der Insel Karmøy in der norwegischen Provinz Rogaland. Kopervik liegt am östlichen Ufer des Karmøy-Archipels, direkt am Wasser. Die Umgebung bietet eine Mischung aus urbanem Leben und naturnaher Idylle, ideal für Spaziergänge entlang der Küste oder Bootsfahrten.“
Naja, die Definition von „lebendig“ ist für den Verfasser des Textes wohl eine andere als unsere.
Uns empfängt nach den Industrieanlagen , die wir bei der Anfahrt am Ufer gesehen haben, ein etwas trostloser Hafen. Ein Eindruck, der vielleicht auch von dem ebenso trostlosen Wetter verstärkt werden mag. Wir gehen durch eine fast leere Innenstadt. D.h. „Stadt“ ist vielleicht übertrieben. Eine Straße mit ein paar Läden, ein kleiner Park und Restaurants, die im Reiseführer als „charmant“ beschrieben wurden, für uns aber nicht so aussehen.
Wir laufen die im Stadtplan eingezeichneten „Sehenswürdigkeiten“ ab.
Da sind zuerst das Zollhaus, ein paar historische Wohnhäuser, ein paar kleine Skulpturen einheimischer Prominenter, von denen ich noch nichts gehört hatte und der zugegebenermaßen hübsche kleine Pavillon in dem sehr kleinen blumengeschmückten Stadtgarten. Eine kleine Anhöhe hoch gibt es den Aussichtspunkt „Varden“ mit einem Steingrab aus der Eisenzeit, der leider völlig vermüllt ist. Ich verstehe die Menschen nicht, die Pizzakartons, Verpackungen von Schokolade und Getränkedosen einfach so in die Natur werfen. Eigentlich ist es hier ja ganz nett. Ein Rastplatz mit Bänken und Tisch und die Aussicht geht über den Hafen hinweg bis zu unserem Schiff. Aber man mag sich nicht auf die Bank setzen.
Unterhalb des Hügels befindet sich das Rathaus, ebenfalls mit vielen schönen blühenden Blumen vor dem Eingang und die neue Kirche. Diese gefällt uns allerdings ausnehmend gut. Ein netter junger Mann erzählt uns die Geschichte der Kirche. Das alte Gebäude von 1861 brannte 2010 völlig ab. Man entschloss sich, das neue nicht traditionsgemäß wieder aufzubauen, sondern eine völlig andere moderne Version zu errichten. Wir sind beeindruckt von der hellen Einrichtung und dem Schlagzeug und Keyboard vor dem Altar. Wir erfahren, dass hier jeden Sonntag ein Gottesdienst stattfindet, bei dem eine Band Gospelsongs spielt. Das hätte ich hier nicht erwartet, zumal in unserer Gemeinde zu Hause, die viel größer ist, nicht mal mehr ein Sonntagsgottesdienst stattfindet. Damit die Gottesdienstbesucher ihre kleinen Kinder mitnehmen können, gibt es eine Spielecke und einen Spielraum. Hinten in der Kirche laden Tische und Stühle zum Verweilen bei Kaffee und Getränken nach der Messe ein. Respekt! So kann man vielleicht wieder mehr Menschen in die Kirchen bekommen.
Wir gehen an den Resten der Grundmauern der alten Kirche vorbei über den Friedhof zum Denkmal für die Gefallenen auf See. Weiter führt uns der Rundgang an einen kleinen Yachthafen, der zwar hübsch anzusehen ist, wo es aber nicht einmal ein Café oder Ähnliches gibt.











Viel zu früh sind wir wieder auf der Finnmarken. Wir stärken uns mit Kaffee und Kuchen, da wir an Land kein geeignetes Café gefunden haben und verbringen den Nachmittag in der inzwischen herausgekommenen Sonne am Pool.
Um 20:00 Uhr geht es los Richtung Hamburg. Heute Abend erleben wir noch einmal einen schönen Sonnenuntergang an Deck.
Rückblickend waren der erste und letzte Hafen der Reise eher enttäuschend. Die Orte dazwischen haben dagegen teilweise unsere Erwartungen übertroffen. Bei einer Wiederholung würden wir sicher in Reine und Kopervik einen Ausflug buchen. Die Tour auf Senja ist auf jeden Fall zu empfehlen und für Wanderfreunde ebenfalls der nach Urke. Das Nordkap ist ohnehin ein „Muss“, aber das konnte man auch an Bord noch gut buchen. Ich denke, dass sie für das Highlight der Kreuzfahrt genügend Kapazitäten bereit stellen, dass alle mitkommen können.
14. Tag – auf See
Donnerstag, 11.6.
Der heutige letzte Tag der Reise geht ohne Stop über die Nordsee nach Hamburg, das wir morgen früh erreichen werden.
Die Aktivitäten an Bord sind heute geprägt von Informationen zum Auschecken, Abschiedsdrink mit dem Kapitän und ein Fotorückblick mit dem Fotografen. Die Koffer sind gepackt – leider sind auch die Badesachen ganz unten verstaut, denn es hieß, dass der Pool bei der Überquerung der Nordsee nicht mehr zu benutzen sei. Aber in Anbetracht völliger Windstille und ruhiger See hat man sich wohl anders entschieden. Doch nochmal den Koffer auspacken will ich nicht. Also sitzen wir den ganzen Tag an Deck und genießen das schöne Wetter. Außer ein paar Offshore Windparks und dem stärker werdenden Frachtschiffverkehr gibt es nicht mehr viel zu sehen. Es ist ein ruhiger Abschiedstag mit einem letzten schönen Abendessen.

15. Tag – Einfahrt in den Hamburger Hafen
Freitag, 12.6.
Beim Wachwerden befinden wir uns schon in der Elbe kurz vor dem Schulauer Fährhaus. Es ist etwa halb 6 und in Anbetracht der frühen Zeit werden wir nicht lautstark mit dem Horn begrüßt, sondern es werden nur Lichtsignale ausgetauscht.






Wir können uns Zeit lassen, denn da wir unser Gepäck selbst von Bord tragen, brauchen wir uns an keinen Zeitplan zu halten. Wir müssen lediglich die Kabine bis 8:00 Uhr räumen und das Schiff bis 9:30 Uhr verlassen. Wir stellen die Koffer an den ausgewiesenen Sammelplatz und gehen noch gemütlich frühstücken bis das markante Terminal der Aida-Flotte in Altenwerder zu sehen ist. Das Hurtigrutenterminal ist direkt dahinter und so gehen wir an Deck, um das Anlegemanöver zu verfolgen. Außer uns sind nicht sehr viele Leute dort. Die meisten sind damit beschäftigt, sich auf das Aussteigen vorzubereiten, was in Gruppen nach einem genauen Plan geschieht. Als fast alle raus sind, gehen auch wir von Bord. Es gibt keine Formalitäten mehr und wir können das Gebäude einfach verlassen. Am Ausgang ist der Schalter von „Parken und Meer“, der uns zeigt, wo unser Shuttlebus zu unserem Auto abfährt. Leider müssen wir noch etwa 45 Minuten warten.
Nach einer Fahrzeit von 30 Minuten stehen wir wieder an unserem Auto am Terminal Steinwerder und treten endgültig die Heimreise an.
Schade, wieder ist eine schöne Reise zu Ende. Aber nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Für nächstes Jahr fällt uns sicher wieder etwas interessantes ein.
Noch einmal zurück zu meinen Worten am Anfang: Ich kann nicht sagen, welche Reise schöner war, die Nordlichter im Winter oder die Mitternachtssonne im Sommer. Jede hat ihren eigenen Reiz und ich bin froh, beides gesehen zu haben.
Mit dem Wetter und Seegang hatten wir auf beiden Touren Glück. Nichts wurde wegen des Wetters abgesagt, kein Hafen ausgelassen, und die See war immer ausgesprochen ruhig. Selbst im Winter der Schneesturm am Nordkap und diesmal die tiefhängenden Wolken in den Fjorden waren eine interessante Erfahrung, die eben zum Land passt.
