Alaska 2024

Wieder in Anchorage

Nachdem diese Reise wegen der Covid Pandemie in 2021 abgesagt werden musste, geht es heute endlich los. Mit unserem Auto geht es zunächst zum Flughafen nach Frankfurt, wo wir über unser Reisebüro einen Parkplatz mit Flughafen-Shuttle gebucht haben. Die Adresse ist schon merkwürdig, kein Parkhaus, nur ein großer Parkplatz mit zwei übereinandergestellten alten Containern als „Büro“ und jede Menge Sperrmüllmöbel drumherum. Ein alter Van mit polnischen Kennzeichen steht davor. Ein Mann räumt gerade etwas um, aber der weiß nicht Bescheid und sagt, der Fahrer käme wohl gleich. Wir rufen die Nummer auf unserer Bestätigung an und bekommen die Antwort: „In 20 Minuten“. Dann kommt auch ein genau so altes polnisches Fahrzeug und weist uns einen Parkplatz zu, der aber 2 Straßen weiter hinter einem Bauzaun liegt. Unbewacht! Was soll das? Aber wir haben keine Zeit, etwas anderes zu suchen und unser Reisebüro hatte uns schon viele Jahre gut beraten und betreut. Zumindest fährt er uns zum Terminal.
Wir verdrängen die schlechten Gefühle und freuen uns auf den Urlaub. Gut, dass wir nicht ahnen, dass bei unserer Rückkehr keiner mehr zu erreichen ist und wir zu dem Preis für einen vermeintlich bewachten Parkplatz noch 60 Euro Taxigeld investieren müssen um zu unserem Auto zu kommen. Jedoch Glück zwar unbewacht aber unbeschädigt.
Der Rest der Hinreise läuft super. Flieger pünktlich, Einchecken und Sicherheitskontrolle zügig. Sehr gute Zweier-Sitze im Premium Economie Bereich. Auch die Einreise geht flott und die Übernahme des Mietwagens ebenfalls. Unser Hotel, das Aspen Suites Hotel ist nahe beim Flughafen. Es ist sehr komfortabel, aber teuer, wie alle Hotels dieses Jahr! Wenn man aber eine Suite mit Küchenzeile wie hier bucht oder ein B&B kann man einiges sparen. Man hat dann allerdings keinen Hotelservice, den wir aber für 1-5 Tage auch nicht brauchen.
Wir stellen die Koffer ab und haben noch den ganzen Nachmittag um den schönen Sonnenschein und die angenehmen warmen Temperaturen bei einem Stadtbummel zu genießen. 


Wir wollen zum Dinner ins Glacier Brewhouse Downtown, das wir von früher kennen. Enttäuscht stellen wir fest, dass man unbedingt einen Tisch hätte reservieren müssen – es ist nichts frei. So ist es inzwischen mit allen angesagten Restaurants oder Aktivitäten. Alaska hat sich anscheinend zu einem Touristenmagneten gewandelt.
Etwas abseits in der Seitenstraße, wo wir das Auto geparkt haben, entdecken wir einen Pub, den „Broken Blender“ mit einer Art Biergarten, in dem einige Leute sitzen. Wir probieren ihn aus und das Essen und Ambiente ist ganz ok.
In der Nacht werden wir um 3 Uhr wach – unser Kopf ist noch nicht in der neuen Zeitzone angekommen, bei uns zu Hause ist es jetzt 1 Uhr Mittag.
Wir stehen früh auf, aber leider begrüßt uns der Morgen grau in grau – was für ein Unterschied zu gestern! Ein schneller Kaffee auf dem Zimmer mit einem Muffin von Starbucks nebenan und dann fahren wir Richtung Kenai Peninsula. 

Kenai Peninsula

Auf der schönen Strecke über den Sewardhighway um den Turnagainarm herum kann man fast nichts von der Landschaft sehen. Schade! Wir machen noch einen Abstecher nach Seward, wo aber um diese Jahreszeit nicht mehr viel los ist. Oder ist es nur das Wetter? Man könnte noch Ausflüge in die Bucht zu den Gletschern und Walen buchen.
Unser ehemaliges B&B ist einem Neubau gewichen, überhaupt wird überall viel gebaut. Wir machen einen kurzen Einkaufsbummel und fahren dann weiter.
Unterwegs bei Cooper’s Landing essen wir Im Sunrise Inn zu Mittag. Als wir das Restaurant verlassen, hat es sich so richtig eingeregnet.
Bis Soldotna fahren wir durch eine Landschaft, wo verheerende Brände gewütet haben müssen. Wir schauen über kilometerweite Flächen mit verbrannten Bäumen, zwischen denen sich ganz zaghaft das neue Grün ausbreitet.  Das muss nach unserer letzten Alaskareise 2015 gewesen sein. Unsere frühere Unterkunft, die „Great Alaska Adventure Lodge“ gibt es zum Glück noch.
Auf der Strecke von Soldotna nach Homer könnte man eigentlich über den Cook Inlet hinweg die malerischen schneebedeckten Gipfel der Vulkanreihe um den Mt. Iliamna sehen. Wir können aber noch nicht mal das Wasser der Bucht erkennen, so neblig ist es.
Die letzten 100 Meilen ziehen sich mangels schöner Ausblicke endlos und wir sind froh, als wir endlich unsere Unterkunft in Homer erreichen. Homer ist eine kleine Stadt in der Kachemak Bay am Cook Inlet. Sie ist geprägt vom Fischfang. Es gibt sowohl Berufs- als auch Hobbyfischer, die die unzähligen Charterboote mieten um Heilbutt zu angeln. Die „Beute“ kann man dann abends ausgestellt bewundern bevor sie von netten Boys publikumswirksam zerlegt werden. 
Das schön auf einer Anhöhe gelegene und außergewöhnlich ausgestattete „Brigitte’s Bavarian B&B“ haben wir vorher schon 2mal besucht und kommen immer wieder gern hierher. Leider wollen die Betreiber Brigitte und Willie demnächst kürzer treten und nur noch Stammgäste aufnehmen. Hier gibt es nur schöne Landschaft, kein TV, nicht wirklich gutes WIFI, dafür aber jede Menge Bücher. Man genießt einfach mal eine Auszeit von der Hektik des Alltags. Man wohnt in einem schönen Holzhäuschen, kann im Garten herumlaufen oder sitzen und den Ausblick auf die Katchemak Bay genießen und es gibt ein tolles Frühstück morgens.

Da wir bei dem Wetter nicht nochmal den Berg hinunterfahren wollen, haben wir uns unterwegs im Supermarkt und Liquorstore mit Vorräten und Wein eingedeckt. Brigitte gibt uns noch 2 Kaffeebecher (Wasserkocher und Kühlschrank sind im Zimmer) und wir verbringen einen gemütlichen Abend im Zimmer mit Schreiben und Lesen. Zudem sind wir schon früh müde. Die letzte Nacht war kurz und der Tag anstrengend.

Am nächsten Morgen sind wir zwar immer noch früh wach, aber nicht mehr mitten in der Nacht. Da uns die Sonne durchs Fenster anlacht, machen wir uns in Ruhe fertig und bummeln noch etwas durch den Garten bevor es um 8:00 Uhr ein leckeres Frühstück gibt mit selbst geräuchertem Lachs, frisch gebackenem Brot und Beeren aus dem Garten. Mit uns ist noch ein Ehepaar aus der Schweiz da, das genau so „Bärenverrückt“ ist wie ich und die letzten Tage mit Reno Sommerhalder in der Wildnis verbracht haben, einem bekannten Bärenfotografen aus der Schweiz. Da hatten wir einiges zu erzählen. Das Paar hatte für heute einen Ausflug nach Seldovia gebucht. Daran hatten wir auch gedacht. 

Ausflug mit Hindernissen nach Seldovia

Wir fahren wir zum Spit, der Landzunge von Homer in die Katchemak Bay, wo viele Anbieter von Touren ihre Kioske haben. Obwohl es wie ein toller Tag aussieht, erklärt man uns, dass alle Ausflüge in die Bay abgesagt wurden wegen des Wetters. Wenn wir unbedingt wollten, sollten wir es bei der Fähre versuchen. Also einmal um den Hafen herum gelaufen zum Fähranleger. Diese hat den Betrieb nicht eingestellt, und da wir unseren Augen mehr trauen wollen, als der Aussage der Frau vom Ausflugsschalter (was sich im Nachhinein als böser Fehler erweisen sollte…), buchen wir ein Ticket und besteigen die Fähre. Oh Mann, was für ein Höllentrip! Das relativ kleine Boot schaukelt wie wild auf den hohen Wellen sobald wir die offene See erreichen. 
Fast hätten deshalb wir die beiden Wale, die uns eine kurze Zeit begleiten nicht entdeckt. Der Kapitän verteilt andauernd Tüten für die, die einen empfindlichen Magen haben. Uns macht die Schaukelei zum Glück nichts aus, aber da die Fahrt doppelt so lang wie normal dauert (90 statt 45 Minuten), sind auch wir froh, als die Fähre endlich anlegt. Ob wir heute nochmal zurück kommen? Wir verdrängen die Befürchtungen und bummeln durch Seldovia. Der Ort hat nur etwas über 230 Einwohner, viele von einem indigenen Stamm der nach dem Ort „Seldovia Village Tribe“ benannt ist. Die Siedlung wurde im 19. Jahrhundert von Pelzhändlern gegründet. Das russische Wort Seldevoy, woraus dann“Seldovia“ wurde, bedeutet Heringsbucht, die es hier damals in großen Mengen gab. 1964 bei dem großen „Good Friday Earthquake“ wurde der Ort fast ganz zerstört, danach aber wieder aufgebaut.
Auch hier scheint die Sonne und man sollte nicht meinen, was auf dem Meer außerhalb des geschützten Hafens los ist. Wir gehören zu den ganz wenigen Gästen, da heute ja kein Ausflugsboot unterwegs ist.  Wir kennen den verschlafenen kleinen Ort schon von früher, aber eine Sturmflut hat wohl hier vor ein paar Jahren einiges verändert und es wird viel gebaut. Im Harbour Inn sammeln sich die wenigen Gäste und es ist uns zu laut. Wir gehen deshalb zum Lunch in den Linwood Bar & Grill nebenan. Er sieht aus wie eine Art Saloon mit Billard und Spielautomat. Die Tische kleben etwas, aber das Essen ist  ganz ok. 
Anschließend essen wir noch ein „kleines“ Eis (in Alaska ist das eine Riesenkugel, die etwa 4 deutschen Eiskugeln entspricht) und bummeln über den hölzernem historischen Boardwalk. Ich dachte ich hätte mehr Restaurants und Shops in Erinnerung, aber es gibt nur einen Blumenladen, der auch ein paar Nippes und Stricksachen verkauft, ein kleines B&B oder Hotel und viele private Häuser. Dahinter beobachten wir ein paar Fischer, die von einer Brücke Lachse angeln, die den Fluss stromaufwärts zum Laichen schwimmen.
Wir laufen noch ein Stück den Weg Richtung „Airport“, der nicht mehr als eine Landebahn für kleine Flieger ist und dann durch den menschenleeren Ort bis zum Visitor Center mit seinem kleinen Museum, das die Geschichte Seldovias mit einigen Exponaten und Texten erläutert. Da sonst niemand hier ist, unterhalte ich mich mit der Frau an der Kasse des Giftshops. Ich frage, ob es keine weiteren Geschäfte gäbe und wie die Einwohner sich versorgen. Sie erzählt, dass Seldovia nur aus der Luft oder vom Wasser her zu erreichen ist und dass heute fast alle Waren des täglichen Lebens online bestellt und mit dem Flugzeug oder Schiff angeliefert werden. Es gibt noch eine kleine Post und einen Minisupermarkt (Crabpot Grocery), der auch Fischereiequipment hat, einen Liquor Store und den „Fathoms Hair Salon“. Ansonsten nur noch einen Verleiher von Touristenequipment wie Kanus, Angeln, Golfcarts und Bikes.
Wenn man länger Zeit hat, gibt es von hier aus einige schöne Trails zum Wandern.
Man kann hier auch übernachten und die idyllische Ruhe ein paar Tage genießen.
Es gibt ein paar Inns, Fishing Lodges, B&Bs, Cabins und Guest houses.
Infos: https://www.travelalaska.com/destinations/cities-towns/seldovia
Wir setzen uns noch einige Zeit vor das Museum auf die Bank und genießen die Sonne und hoffen, dass die Fähre zurück fährt. Wir haben um 18 Uhr eine Reservierung in einem Restaurant.

Aber wir können pünktlich auf das Schiff. Inzwischen hat die Flut die Brücke zum Anleger so weit angehoben, dass sie jetzt fast waagerecht liegt, heute Morgen ging sie steil nach oben.
Der Kapitän verteilt nochmal vorsichtshalber Spucktüten, aber diesmal ist es eine schnelle und relativ ruhige Fahrt, da die Fähre nicht gegen die Wellen fährt, sondern mit den Wellen. 

Homer Spit

Pünktlich können wir unseren Tisch im Restaurant „Captain Pattie’s Fish House“ auf dem Homer Spit einnehmen. Das Essen und die Aussicht ist (wie schon die Jahre vorher) sehr gut, aber diesmal haben wir zu spät reserviert und sitzen in der „Dry Section“ – das heißt, man bekommt hier nur antialkoholische Getränke. Na ja, wir haben ja noch Bier und Wein in unserem Zimmer und das Essen schmeckt auch mit Wasser. Zudem merken wir hier erstaunt eine Änderung im „Land der Kreditkarten“. Wenn man mit Karte bezahlt, ist es 3% teurer.
Wir machen noch einen Spaziergang auf dem Boardwalk am Salty Dawg Saloon vorbei. Vor einigen Jahren waren wir schon einmal dort und eigentlich ist es ein „Must“ für Homer Besucher.
Dieses historische Gebäude aus dem Jahr 1897 war schon alles Mögliche: Postoffice, Railroadstation, Lebensmittelladen, Coal Mining Office und Schule. Chuck Abbott hat daraus 1957 den Salty Drag Saloon gemacht.

Uns ist heute nicht mehr nach Bar. Es ist inzwischen kalt, bewölkt und sehr windig. Wir fahren zurück in unser gemütliches B&B, das wir morgen schon wieder verlassen müssen. Leider waren diesmal keine weiteren Tage frei bei der Buchung. Aber da wir bereits das vierte Mal in Homer sind, kennen wir die meisten anderen Sehenswürdigkeiten schon (Pratt Museum, Bishop’s Beach, Alaska Maritime National Wildlife Refuge, Skyline Drive, The Saltry Restaurant in Halibut Cove mit der Danny G., Ausflüge zu den Bären in Katmai und Lake Clark, Whale Watching und schöne Wanderungen auf der anderen Seite der Katchemak Bay). Darüber habe ich in früheren Blogbeiträgen schon berichtet. Wir hatten damals allerdings nicht die beliebten (und teuren) Tagesausflüge gemacht, sondern ich habe selbst mehrtägige Aufenthalte organisiert, so wie dieses Jahr auch die Brooks Lodge (siehe Blogeintrag von dort).
So langsam haben wir uns akklimatisiert. Nach einer ruhigen Nacht und einem weiteren leckeren Frühstück verabschieden wir uns und fahren zurück nach Anchorage. Für heute Nacht haben wir nochmal das Hotel der ersten Nacht reserviert, da es nahe am Flughafen liegt, wo wir morgen früh hin müssen um für ein paar Tage nach Katmai zu fliegen. Wir kaufen in Homer noch Verpflegung für die Brooks Lodge ein, damit wir dort nicht immer Zeit im teuren Restaurant verbringen müssen. Für’s Frühstück und eine Mahlzeit reichen Cracker, Dip, etwas Rohkost, Käse, Kuchen und Kaffee (wir haben einen kleinen Reisekessel mit). Außerdem besorgen wir noch eine kleine Reisetasche, damit wir nur das nötigste mitnehmen müssen. Die Koffer werden wir solange im Hotel deponieren.
Die Strecke erscheint heute in einem schöneren (Sonnen-) Licht, die andere Seite der Bucht liegt jedoch im Dunst, so dass man sie wieder nicht sehen kann.  
Da wir heute mit meiner ehemaligen Mitschülerin Angelika zum Essen verabredet sind, sehen wir zu, dass wir ohne große Aufenthalte durchfahren. Wir trinken nur kurz bei Cooper Landing auf dem Sterling Highway in einem ziemlich neuen und schön gelegenen Cafe kurz nach einem kleinen Museum einen Kaffee.

Cooper Landing Museum

Auch dieses Mal sichten wir keine Belugawale am Turnagain Arm – gibt es die da wirklich?
Um 16 Uhr sind wir wieder im Aspen Suites Hotel. Die Zeit reicht gerade so zum Umziehen bevor wir aufbrechen müssen. Wir haben einen Tisch im „Crows Nest“ im Thomas Cook Hotel reserviert, dem schönsten Restaurant in Anchorage. Hier oben im 20.Stock hat man einen weiten Blick über die Stadt bis zum Cook Inlet. Das Essen ist recht teuer, aber auch gut. Es ist ein schöner Abend mit alten Erinnerungen. Leider ist er viel zu schnell vorbei.

Blick vom Crow’s Nest auf Anchorage

Heute gehen wir früh schlafen. Morgen müssen wir erst das Auto für 3 Tage am Flughafen in einem Parkhaus unterstellen, bevor wir am Southterminal bei ACE Airlines einchecken. Das ist viel billiger, als 2 mal für ein paar Tage das Auto zu mieten. Aber erst müssen wir noch unsere Reisetaschen packen.

Die Fortsetzung unseres Reiseberichts findet man auf meiner Blogseite unter den Titeln der nächsten Ziele:
Die Bären von Brooks Falls / Katmai
Palmer – Natur und Jahrmarkt (State Fair)
Eine Kreuzfahrt durch die Inside Passage von Alaska nach Kanada
Vancouver, die Stadt der tausend Möglichkeiten