Gerade ist unser Flieger von Katmai Air wieder in Anchorage gelandet. Die Tage in der Brooks Lodge waren viel zu kurz. Mit unserem Mietwagen machen wir uns auf zur nächsten Station unserer Reise. 60 Meilen sind es bis Palmer im Matanuska-Susitna Borough, kurz Mat-Su- Valley. Die Gegend ist bekannt für Obst und Gemüseanbau. Einmal im Jahr kann man hier Riesengemüse (Kürbis, Kohl, etc) bewundern. Auf der State Fair, einem großen Jahrmarkt werden diese dann ausgestellt und prämiert. Außerdem gibt es eine große Farmtierausstellung, wo auch eine Auktion stattfindet. Alle Farmer der Umgebung versuchen ihre Tiere so schön wie möglich zu präsentieren. Als Beiprogramm werden mehrere Open-Air-Konzerte von in Alaska bekannten Künstlern auf einem Festplatz aufgeführt.
Durch dieses Tal fließen die beiden Flüsse Susitna River und Matanuska River und enden im Cook Inlet. Der Matanuska River wird gespeist vom Matanuska Gletscher, der in der Nähe von Palmer bis ins Tal reicht. Der Susitna River ist länger (503 km) und entspringt am Susitna Gletscher in der Alaska Range.
Wir waren vor ein paar Jahren schon mal im Sommer in Palmer und wollten dieses Jahr zur State Fair die berühmten Riesengemüse sehen und eventuell ein Konzert besuchen.
Unser Navi führt uns erst mal in die Irre. Statt auf dem Highway landen wir in der Military Base. Zum Glück ist man hier sehr nett und glaubt uns, dass es ein Versehen war. Nach einer kurzen Kontrolle unserer Ausweise können wir wenden und dann die richtige Einfahrt auf den Highway 1 nehmen.
Es regnet die ganze Zeit und wir haben keine Lust heute noch etwas zu unternehmen. Also versorgen wir uns in einem Convenience- und Liquor-Store kurz vor Palmer mit Proviant fürs Abendessen. Die Preise hier sind astronomisch: 1 normale Tüte Lays Chips kostet über 7 Dollar!
Unser B&B (Fishhook Sunrise B&B) liegt etwas außerhalb von Palmer Richtung Hatcher Pass.

Als wir ankommen sind wir etwas verwirrt. Im Garten waschen alle Familienmitglieder gerade ein paar Truthähne. Es sieht etwas chaotisch aus, da die Tiere sich nicht so einfach fangen lassen wollen. Aber wir werden nett begrüßt. Die Turkeys würden für die Ausstellung morgen auf der State Fair herausgeputzt erklärt man uns. Unser Zimmer ist wirklich mit „Familienanschluss“. Nachdem wir unsere Schuhe zu den unzähligen Paaren der Familie in den Flur gestellt haben, werden wir durch das Wohnzimmer geleitet, in dem die Oma auf der Couch sitzt und schläft. Im 1.Stock sind dann zwei Gästezimmer, die sich einen Riesenkühlschrank und einen Tisch mit Kaffeemaschine, Kaffee und Zubehör teilen. Unser Zimmer ist aber offenbar recht neu, sauber und gemütlich. Von der Badewanne aus kann man auf die Berge schauen. Leider gibt es keinen Tisch, an dem man essen könnte, aber der Schreibtisch tut es auch. Es ist offenbar ein sehr frommes Haus, wie man an den vielen Bildern und Sprüchen sehen kann. Die Besitzer sind außerordentlich gastfreundlich und sie erzählen, dass sie 7 Kinder und 17 Enkel haben. Sie haben in Salt Lake City geheiratet und waren einige Zeit als Missionare in Mexiko unterwegs.
Jeden Morgen bekommen wir ein gutes frisch gemachtes Frühstück mit selbst gebackenem Brot, selbst gemachter Marmelade, Pancakes, Eier, Beeren und Porridge, bei dem sie selbst auch mit am Tisch sitzen. Wir dürfen auch unsere Wäsche in ihrer Maschine waschen, was nach den Tagen in der Wildnis nötig ist.
Wir machen es uns aber erst mal mit unseren Snacks gemütlich, schauen einen Netflix Film und checken unsere Mails und Social Media um zu sehen, was in den letzten Tagen geschehen ist. Nachrichten können wir hier leider auf dem großen Fernseher nicht empfangen, es gibt nur Streaming Dienste.
Ein verregneter Tag
Am nächsten Morgen begrüßt uns ein wolkenverhangener Himmel. Es regnet den ganzen Tag.
Im Visitor Center holen wir uns einen Stadtplan, auf dem ein Rundgang durch das historische Viertel eingezeichnet ist. Die Beschreibung der einzelnen Stationen geben einen schönen Überblick über die Geschichte der Stadt.




Leider hört es nicht auf zu regnen, so dass wir den weiteren Vormittag zu einer ausgedehnten Shoppingtour im gut sortierten Outdoorladen und bei Fred Meyer nutzen. In Brooks habe ich gemerkt, dass meine Wanderschuhe undicht sind, deshalb erstehe ich ein paar „Extratuffs“- Booties. Diese Gummistiefel trägt hier jeder in lang oder kurz und sie sind genial. Ich finde sie auch superbequem und wasserdicht, aber nicht gerade billig (110 Dollar).
Am Nachmittag besuchen wir das Iditarod Headquarter in Wassilla. Leider sind bei dem Wetter die Hunde nicht vor Ort. Wir schauen uns den Film über die Huskies an und die Bilder der jeweiligen Sieger des berühmten Hundeschlittenrennens. Uns fällt auf, dass es fast nur Männer sind. Die erste Frau, die beim Rennen dabei war, wird als Besonderheit hervorgehoben. In den letzten Jahren wurden es aber immer mehr.


Auf dem Rückweg essen wir bei Carl‘s Jr Burger und Diabolo Fries. Bei unserer ersten USA Reise in den 90er Jahren kannten wir diese Kette noch als etwas besonderes, wo man am „Soup & Salad Buffet“ gut und preiswert essen konnte. Dieser hier ist ein normaler Burgerladen, zwar nicht schlecht, aber auch nur wie alle anderen.
Am Abend wollen wir uns nochmal mit unseren Freunden Angelika und Lea zum Essen treffen. Diesmal haben wir das Lokal in der Settler‘s Bay Lodge ausgesucht, in dem wir vor einigen Jahren schon mal waren. Es ist nur wenige Kilometer von Palmer entfernt. Wir wollten vorher noch ein Stück am Knik Arm die Knik Goose Bay Rd entlang fahren, aber bei dem Wetter ist alles grau in grau. Das „Museum“, die Musher‘s Hall of Fame scheint geschlossen zu sein.

Am Knik Lake, bei Sonnenschein sicher nett, liegt noch eine Bar „Broken Boat dba Knik Bar & Liquor Store“, die als originale Iditarod Trail Bar beschrieben wird. Aber es sitzen nur zwei Männer an der Bar und spielen. Zudem sind wir ja gleich im Restaurant verabredet. Wir kehren also um und setzen uns an die Bar der Settler‘s Bay Lodge um bei einem Drink auf unseren Tisch und Freunde zu warten. Das Essen hier ist auch sehr gut und die Preise nicht ganz so hoch wie im Crow’s Nest in Anchorage, in dem wir letzte Woche waren. Von unserem Tisch am Fenster aus hat man einen schönen Blick über das Matanuska Susitna Valley und die Chugach Mountains im Hintergrund. Leider schließt das Restaurant schon um 21.00 Uhr, so dass es ein schöner aber kurzer Abend wird.
Auf dem Rückweg fällt uns auf, dass wir das erste Mal im Dunkeln mit dem Auto in Alaska über den Highway fahren. Bisher waren wir immer im Sommer da, wenn es bis Mitternacht hell ist.
Talkeetna und Hatcher Pass
Beim Aufwachen am nächsten Morgen begrüßt uns die Sonne – eine Wohltat nach dem düsteren Tag gestern. Beim Frühstück treffen wir heute eine Familie mit zwei fast erwachsenen Kindern, Sohn und Tochter, die in dem zweiten Zimmer übernachtet haben. Sie sind unterwegs zum Denali NP. Wir unterhalten uns eine Zeit lang mit ihnen und der Vermieterin Lila, die Tipps für Unternehmungen in der Umgebung gibt. Das Vorhaben der Familie ist sportlich – sie wollen eine Wanderung über mehrere Kilometer in der Nähe des Matanuska Gletschers machen und danach noch bis zum Denali Park fahren. Das sind immerhin 200 Meilen und mehr als 3 Stunden Fahrt über die Landstrasse.
Wir wollen heute nach Talkeetna, das etwa auf halber Strecke zum Denali liegt. Es ist eine schöne 61 Meilen lange Fahrt über den Parks Highway. In Talkeetna ist es belebter als in den anderen Orten. Es ist einer der typischen Touristen Hotspots. Als wir das ersten Mal vor einigen Jahren da waren, hatte es noch mehr ursprünglichen Charme. Heute kommen etliche Tagesgäste mit Zug und Bussen an und es gibt fast nur noch Souvenirshops und Rundfluganbieter. Das traditionelle „Talkeetna Roadhouse“ mit seiner Bäckerei und den tollen Pfannkuchen, auf die wir uns gefreut hatten, ist leider geschlossen, obwohl das Öffnungszeiten-Schild an der Tür eigentlich etwas anders sagt. Bei unserem letzten Besuch hatten wir in einem der urigen kleinen Zimmer sehr preiswert übernachtet. Ein Tourist, der auf einer geführten Tour hier ist, sagt dass sie schließen, wenn die morgens gefertigten Waren verkauft sind – es ist aber erst 11 Uhr vormittags. Entweder haben sie kein Personal (noch Auswirkungen der Coronazeit?) oder sie haben genug verdient. Schade! Auch das Restaurant „West Rib“, ist nicht mehr dasselbe wie früher. Statt typisch einheimischen Speisen servieren sie jetzt nur noch die üblichen Hamburgergerichte. Die schmecken hier zwar deutlich besser als bei den Ketten, die man auch in Deutschland kennt, aber es ist halt nichts Besonderes mehr. Auch die Inneneinrichtung hat sich von einer gemütlichen Kneipe mit unzähligen Bildern und Berichten der McKinley Bergsteiger in ein Standardlokal gewandelt. Aber der Salmonburger ist trotzdem noch zu empfehlen.
Die Alaska Railroad ist gerade am Bahnhof angekommen. Man kann von Anchorage auf einer sehr schönen Strecke bis zum Denali NP fahren wenn man keinen Mietwagen leihen möchte. Im Park kommt man auch mit dem Shuttle ganz gut zu den sehenswerten Stellen.
Leider kann man auch den Mount McKinley beim Blick über den Susitna River nicht erkennen, da er sich wie so oft in den Wolken versteckt. Aber da hatten wir vor ein paar Jahren großes Glück, als wir mehrere Tage dort verbracht haben. Damals konnten wir spektakuläre Bilder machen.





Heute sind wir recht schnell mit dem Bummel über die Hauptstrasse mit ihren immer noch netten alten Häusern fertig und fahren zurück.
Da es noch früh ist, nehmen wir die Strecke über den Hatcher Pass. Achtung, nicht alle Mietwagenfirmen erlauben es diese unbefestigte Straße, die Willow Fishhook Rd, zu fahren! Dann muss man von Palmer aus die Strasse hoch zur Passhöhe nehmen. Heute ist das Wetter super und die Strasse trocken. Aber man muss schon auf die Schlaglöcher aufpassen. Es ist eine landschaftlich sehr schöne Strecke. Am Summit Lake angekommen hat man einen phantastischen Blick über die Berglandschaft – nur der Denali versteckt sich wieder in den Wolken.
Übrigens, wer es nicht weiß: der Mount McKinley ist mit 6190 Metern der höchste Berg Nordamerikas. Er heißt in der Sprache der Ureinwohner Denali („der Große“). Später wurde er nach dem gleichnamigen Präsidenten William McKinley benannt. Aus Respekt vor der Urbevölkerung hat man ihn 1975 wieder umbenannt in „Denali“, was aber nicht alle Staaten anerkannten. 2015 unter Präsident Obama bekam er dann offiziell diesen Namen. Präsident Trump benannte ihn dann 2025 recht respektlos eigenmächtig am Tag nach seiner Amtseinführung wieder um, da für ihn offenbar die Ureinwohner keine Bedeutung haben.
In zahlreichen Publikationen oder Reiseberichten findet man sowohl für den Berg, als auch für den Nationalpark die Verwendung beider Namen.
Wir machen eine Kaffeepause in der gemütlichen Hatcherpass Lodge, die im Winter auch Skiläufer beherbergt, was man an den meist historischen Ausstellungsstücken sieht. Hier kann man den preisgünstigsten Kaffee (2$) oder Kakao mit viel Sahne bei einem wunderschönen Ausblick auf den Knikgletscher genießen – wenn es warm genug ist auch draußen. Heute ist es dafür jedoch zu windig und kühl. In den Büschen rund um die Lodge sehen wir etliche Leute, die Blaubeeren sammeln.


Es hat sich jetzt zugezogen und fängt leicht an zu regnen. Eigentlich wollten wir noch die alte Mine besichtigen, was wir jetzt aber auf morgen verschieben. Der Weg zurück ist kürzer und führt über eine normale Asphaltstrasse, der Fishhook Willow Rd, am Wassilla Creek entlang. Sie verläuft genau an unserer Unterkunft vorbei. Es ist erst 18 Uhr, Zeit genug um endlich unsere Sachen zu waschen. Unser Abendessen besteht aus den Resten von vorgestern, die wir im Kühlschrank gelagert hatten.
Wir planen den morgigen Tag nach einigen Internet-Recherchen um. Eigentlich wollten wir zum Matanuska Gletscher. Im letzten Urlaub sind wir dort mit dem Auto bis zum Parkplatz der Lodge gefahren und dann allein zu Fuß über das Eis gewandert. Der Gletscher hat sich seitdem um viele Meter zurück gezogen und man kann nicht mehr so einfach dort hin. Man zahlt jetzt einen Eintritt von 48$ p.P für die Straße und muss für einen Guide nochmal 118$ p.P. bezahlen. Da wir schon einmal da waren, werden wir das nicht machen. Wir wollen statt dessen wieder hoch zum Hatcher-Pass und die alte Mine besuchen. Sie wird jetzt als Historical Park mit einem Besucherzentrum zum Besuch angeboten.
Hatcher Pass – Independent Mine
Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir also wieder die Straße hoch und erst noch einmal zum Summit Lake – schade, wieder spielt der Denali mit uns Verstecken! Aber die Berge rund um den See liegen in der schönsten Morgensonne. Wir gehen ein Stück den Trail hoch, der zum Gipfel führt, aber dieser ist so schmal und auf einer Seite geht es steil bergab. Zwischendurch einige Stellen, wo der Weg abgebrochen ist. Einige mutige junge Leute überholen uns, aber wir kehren um. Es ist uns zu riskant, vor allem, da man oben auch nicht mehr sehen wird, wie uns Rückkehrer berichten.
Wir fahren zur Independent Mine. Der Parkplatz und der Eintritt kosten hier inzwischen auch eine Gebühr, aber nicht so überteuert. Man hat seit 2015 hier auch einiges geändert. Mir scheint, dass ein paar Ruinen eingestürzt sind und andere hat man befestigt und einen Rundweg angelegt. Diesen „Mine Loop“ wandern wir entlang. Man kann viel über das Leben und die Arbeit damals erfahren, da man auch einige Gebäude betreten kann, in denen ausführliche Dokumentationen und Fundstücke ausgestellt sind. Ursprünglich waren es bis 1938 zwei Minen, die später zusammengelegt wurden. Es war die zweitproduktivste Hardrock-Goldmine in Alaska. Es gab ein 12 Meilen langes Tunnelsystem, von dem man heute mit einem Guide noch einen Teil besichtigen kann. 22 Familien lebten damals hier. Es war eine sehr harte Arbeit das Gold aus dem Felsen zu fördern. Im zweiten Weltkrieg wurden die Aktivitäten unterbrochen und 1951 ganz eingestellt. 1980 begann man das Gelände als Historical Park teilweise zu restaurieren und für Besucher freizugeben. Heute darf man in dem Bach, der aus den Bergen kommt frei Gold waschen. Im Visitorcenter kann man Pfannen dafür ausleihen und angeblich findet man tatsächlich ab und zu noch etwas.
Immer wieder kann man vom Mine Loop aus die endlose Aussicht zum Knikgletscher genießen und wir verbringen den ganzen Vormittag hier.




Reindeer-Farm
Gegen 13 Uhr fahren wir zurück nach Palmer und besuchen, da wir noch Zeit haben die dortige Reindeer Farm. Hier kann man Karibus und andere Wild- und Farmtiere sehen und füttern. Und man kann einiges über die Lebensgewohnheiten erfahren. Am interessantesten ist dieser kleine Park wohl für Kinder. Es gibt auch einen weitläufigen Spielplatz und ein Streichelgehege.
Am witzigsten finden wir ein Schwein mit einem merkwürdigen Gebiss, welches wir noch nie gesehen hatten. Wir erfahren, dass diese Sorte nur als Haustier gehalten wurde.
In einer Art Scheune kann man noch Kleintiere sehen, streicheln und füttern, so wie einen Snack und Getränke verzehren. Wir probieren ein „Reindeer Dog“ (ein Hotdog aus Rentierfleisch). Es schmeckt ganz gut.


Nach eineinhalb Stunden haben wir allerdings schon alles hier gesehen und überlegen, wie wir den Nachmittag noch gestalten können.
Spaziergang über die alte Brücke und Abendessen
Wir machen einen kleinen Spaziergang über die alte Brücke und am Knik River entlang. Kein Mensch ist hier unterwegs und es ist ungemütlich kalt.



Wir ruhen wir uns in unserem Zimmer bei einem Kaffee und Cookies aus. Was wir heute hier vermissen ist so etwas wie ein Café, in dem man gemütlich sitzen kann. Die vielen Fastfoodrestaurants eignen sich nicht wirklich dazu, obwohl man dort auch Kaffee und Kuchen, zumindest Donuts und Muffins, bekommt.
Das Restaurant, das wir von damals kennen finden wir leider nicht mehr. Es war ein altes traditionelles Diner, wo man sehr gut Fisch essen konnte. Vielleicht ist es auch inzwischen durch etwas anderes ersetzt. Wir folgen daher der Empfehlung unseres Vermieters und fahren zum „Noisy Goose“, in dem man „Colony Kitchen“ serviert und in dem viele Einheimische essen. Das stimmt auch. Es sind viele Familien da mit Kindern. Das Essen schmeckt sehr gut, auf der Speisekarte sind aber auch nur überwiegend die üblichen Gerichte. Zumindest pflegt man hier noch die alte Tradition des Kaffee-Refills, alle paar Minuten kommt die Kellnerin mit der Kanne vorbei und schenkt Kaffee nach.
Zu Hause schaue ich dann in den alten Reisetagebüchern nach und stelle fest, dass wir damals auch im Noisy Goose waren, aber ich habe es nicht wieder erkannt und dachte auch, dass es in der Altstadt war. Und außer Fish & Chips gab es keine Fischauswahl.
Das Lokal liegt genau gegenüber des „State Fair“-Geländes, wo wir morgen hin wollen. Wir schauen uns schon mal um, wo der Eingang ist und wo man parken kann, bevor wir zum B&B zurück fahren.


Alaska State Fair
Am letzten Tag hier in Palmer besuchen wir die Alaska State Fair, eine Mischung aus Jahrmarkt mit Fahrgeschäften, Essens-Ständen und einer Landwirtschaftsausstellung, wie ich am Anfang des Berichtes schon beschrieben habe. Umrahmt wird der Jahrmarkt von Events wie Bands im Saloon, einem großen Konzertplatz und kleineren Freiluftbühnen, wo den ganzen Tag über ein gemischtes Programm geboten wird. Es reicht von Countrybands, Zirkusvorstellungen, Reitvorstellungen, Traktor und Lumberjackshows, Abendkonzerten mit berühmten Bands bis zu Auftritten von Kindern, die ihr Können zeigen wollen. Wir sind erstaunt, dass sie hier sogar ein eigenes Zelt mit einer Ausstellung über die englische Lady Diana präsentieren.
Im Internet stand, dass die Eingänge um 10 Uhr öffnen. Vor Ort stellen wir jedoch fest, dass erst um 11 Uhr Einlass ist. Aber dafür parken wir auf dem ersten Parkplatz unmittelbar vor dem Eingang. Dort gibt es Wifi und wir nutzen die Wartezeit, um schon mal online Karten zu kaufen (12$ mit Seniorrabatt). So sparen wir uns das Anstehen vor den Kassen, wo sich langsam die Menschenschlange aufbaut, während wir bequem im Auto sitzen können. Als die Tore öffnen, geht es für Ticketinhaber sehr schnell.
Wir bummeln zuerst über das noch leere Gelände um uns einen Überblick zu verschaffen. Es nieselt leider leicht. Für die Fahrgeschäfte muss man extra Tickets kaufen. Sie fangen an bei 4$ pro Fahrt. Manche sind teurer und man kann mit Mehrfachkarten etwas Geld sparen. Wir sind nicht die Fans solcher Kirmesbahnen, die hier wohl auch schon einige Jahre auf dem Buckel haben. Also schlendern wir an den unzähligen Ständen vorbei. Von Nippes über Kleidung und Spielzeug bis hin zu Whirlpools kann man hier allerlei kurioses kaufen. Dazwischen immer wieder Essensbuden mit Gerichten aus aller Welt, Kuchen, Eis, Süßigkeiten und Getränke. Lediglich für guten Kaffee ist nur ein kleiner Stand da, ähnlich wie ein Coffeebike, vor dem den ganzen Tag meterlange Schlangen stehen.
Wir hören bei einem Bier im Saloon einige Zeit den ganz guten Bands zu und sind froh, dass wir unser ursprüngliches Vorhaben, Tickets für das abendliche Konzert zu kaufen aufgegeben hatten. Die Band „Whiskey Myers“, die wir am Abend auch von draußen hören, wäre nicht wirklich unsere Musik gewesen. Allerdings ist das Konzert ausverkauft.
Auch ohne zusätzliches Event reicht die Zeit kaum um alles zu sehen. An einer Bühne ergattern wir einen Sitzplatz und sehen den Auftritt eines Teenie-Pärchens. Vor allem der Junge würde mit seiner Stimme und dem coolen Auftritt in jeder deutschen Casting Show eine gute Figur abgeben.
Vor der großen Ausstellungshalle spielt eine Country Band, Jugendliche messen sich in der Pferdearena im Cowboyreiten und daneben führen ältere Semester ihre alten Traktoren vor. Sogar ein richtiges Zirkuszelt hat man aufgebaut, in dem Artisten ihre Kunst zeigen.
In diversen Ausstellungszelten kann man sich über Küchenausstattungen informieren, exotische Tiere bewundern und sich mit Schlange oder Krokodil fotografieren lassen (was wir für ein etwas fragwürdiges Angebot halten).
Der Höhepunkt ist die große Landwirtschaftsschau, wo wir die prämierten Riesengemüse bewundern und wo es Unmengen von Farmtieren gibt, die verkauft und prämiert werden. Auch unsere Vermieter, die gestern ihre Truthähne herausgeputzt haben, treffen wir dort.













Inzwischen ist die Sonne herausgekommen und wir genießen den Tag mit den vielen Eindrücken. Die Alaskaner um uns herum tragen zum Teil kurze Hosen und T-Shirts. Das wäre uns dann doch zu kalt. Das Gelände hat sich mit vielen Familien gefüllt. Es gibt kaum Touristen hier. Die Kinder belagern die Fahrgeschäfte und die Erwachsenen die Imbissbuden. Auch wir erstehen ein sehr leckeres Wrap mit Lachs und beenden den Tag mit einem weiteren Bier im Saloon. Als wir diesen verlassen ist es dunkel geworden und die vielen Lichter erzeugen eine ganz andere Stimmung, so dass wir ein letztes Mal über den Platz gehen, während die Band im Open Air Theater ihre Songs spielt.
Auf dem Weg zum Parkplatz sehen wir, dass alles voller Autos steht. Trotzdem fanden wir den Jahrmarkt nicht überfüllt und es gab auch keine unangenehmen Besucher wie bei uns manchmal auf solchen Volksfesten.
Heute sind wir echt müde vom vielen Laufen. Aber wir müssen noch Koffer packen. Morgen geht es mit dem Bus nach Whittier und dann reisen wir mit der Holland America Cruise Line durch die Inside Passage bis Vancouver.
Weitere Stationen der Reise:
Die Bären von Brooks Falls / Katmai
Eine Kreuzfahrt durch die Inside Passage von Alaska nach Kanada
