Ostseebäder – Teil 3 Warnemünde

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Warnemünde

Nachdem wir im letzten Jahr den Osten der Ostseeküste besichtigt haben, die beiden Urlaubsinseln Rügen und Usedom, geht es in diesem Jahr weiter nach Westen.
Unser Ziel ist Warnemünde an der Mündung der Warnow in die Ostsee, wo wir wieder einmal eine kleine Ferienwohnung gebucht haben. Warnemünde gehört zur Hansestadt Rostock und kleinere Schiffe können von hier bis in den Rostocker Stadthafen fahren.
Diesmal sind wir im September unterwegs, also nach der Hauptsaison. Es ist genau so ruhig wie im Frühjahr, aber etwas wärmer. Wir fahren im strömenden Regen in Köln los, quälen uns durch die üblichen Staus und werden in Warnemünde am frühen Nachmittag mit Sonnenschein begrüßt.
Unsere Ferienwohnung in den „Hafenapartments“ liegt etwas vor dem Stadtkern und ist erst mal nicht das, was wir erwartet hatten. Unter „Hafenblick“ hatten wir uns etwas anderes vorgestellt. Der Blick geht über 2 Straßen und den viel befahrenen Bahngleisen hinweg auf ein Stück des Hafenbeckens, wo man vom Balkon aus, wie versprochen Schiffe fahren sehen kann, wenn auch etwas weiter entfernt.
Die Wohnung ist nagelneu, zweckmäßig eingerichtet und bietet alles, was man braucht, hat aber wenig Charme. Das (öffentliche) Parkhaus ist ein paar Schritte daneben und kostet 14€ am Tag.
Einchecken muss man im nahen „Dock Inn“ Hotel, einem ungewöhnlichen Hostel, das aus alten Schiffscontainern besteht.. 

Etwa einen Kilometer sind es zu Fuß bis zur Innenstadt und noch einmal 500m bis zum Strand und zur Mole. Der Weg geht am Innenhafen vorbei bis zur Flaniermeile am „Alten Strom“ mit seiner markanten Fußgängerdrehbrücke. Heute ist sie nur noch Attraktion für Einheimische und Touristen und wird nur noch zu besonderen Anlässen geöffnet (siehe später die Beschreibung des „Brückenfestes“).
Von der Mitte der Brücke aus hat man einen schönen Blick auf beide Ufer des alten Stroms bis zur langen Mole und dem markanten Leuchtturm auf der einen Seite und dem langen Sandstrand mit der Promenade auf der anderen Seite. Zum Sonnenuntergang versammeln sich hier viele Leute um zuzuschauen, wie die Sonne im Meer versinkt. Einen schönen Blick hat man auf der Mauer der Mole sitzend, im Sand oder komfortabler in der Strandbar Schusters neben dem „Teepott“. Das Teehaus ist historisch (Baujahr 1927) und weithin sichtbar mit seiner auffälligen Dachkonstruktion. Nachdem es 1945 abbrannte wurde es 2002 saniert, steht jetzt unter Denkmalschutz und ist eines der Wahrzeichen Warnemündes.


Entlang des Kais mit seinen vielen Restaurants und Boutiquen liegen neben Fischerbooten auch etliche Ausflugsschiffe.


Wenn man über die Brücke geht, gelangt man zum Bahnhof. Dahinter ist ein Biergarten, ein Wohnmobilstellplatz direkt am Wasser und davor die Terminals der großen Kreuzfahrtschiffe entlang der neuen und größeren Hafeneinfahrt. Dazwischen liegt Karls Pier 7, Restaurant und Einkaufswelt, wo jetzt im September noch einige Skulpturen der „Sandwelten“ des Sommers zu bewundern sind, große aus Sand gefertigte Skulpturenarrangements.

Das ehemalige Fischerdorf Warnemünde bei Rostock hat sich zu einem beliebten Touristenziel entwickelt. Man findet hier entlang des alten Stroms zu beiden Seiten alles, was man zu einem Urlaub am Meer braucht. Viele kleine Läden laden zum Shoppen ein und man findet ein Restaurant neben dem anderen. Auch eine Eisdiele mit hervorragendem Eis ist immer gut umlagert. Das wissen auch die Möwen. Gerade freue ich mich über mein Eishörnchen, das ich nach längerem Anstehen bekommen habe, schon reißt es mir eine der gierigen Räuber im Tiefflug aus der Hand und fliegt damit aufs Dach des Fischbrötchenstandes, wo sie ihre Beute genüßlich verzehrt. 
Alle Restaurants haben beheizte Sitzplätze im Freien, manche direkt am Wasser. Unser Favorit ist das Restaurant „Stromgold“, wo man gemütlich auf einem Holzdeck sitzen und auf die Schiffe schauen kann. Zudem sind die Fischgerichte ausgesprochen gut.
Ebenfalls empfehlenswert für leckere Fischbrötchen ist der Fischmarkt, den man erreicht, wenn man über die Fußgängerbrücke geht und dann nach links auf der anderen Seite am Strom entlang läuft. Eines der Fischgeschäfte hat ein paar Tische vor die Tür gestellt und serviert frisch belegte warme knusprige Brötchen.

Lebensmittel und Getränke für die Ferienwohnung kann man auf dem Rückweg in der Altstadt im kleinen Edeka-Laden besorgen (hat im Sommer bis 21:00 Uhr geöffnet) oder in der Nähe der Ferienwohnung im großen Supermarkt.
Der Edeka-Laden ist in der Nähe des Marktplatzes, wo um den Marktplatz mit der schönen alten Kirche auch noch mehrere nette Lokale zu finden sind und ein Fahrradverleih. Warnemünde eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für eine Radtour entlang der Ostseepromenade.

Am nächsten Morgen bummeln wir die lange Promenade entlang bis zum markanten Hochhaus des alten DDR Hotels „Neptun“, welches inzwischen renoviert wurde. Es ist heute ein 5 Sterne Hotel mit eigenem Wellnessbereich, Panoramarestaurant und Diskothek.
Die daneben liegende Therme „Seebad“, die zum Hotel Aja gehört ist für jeden zugänglich. Die Therme wäre ein gutes Projekt für Schlechtwettertage. Bei gutem Wetter bietet sich der kilometerlange weiße Sandstrand an, der direkt vor der Therme liegt. 

Gegen Abend ist es dann Zeit für die Hafenrundfahrt. Unser Schiff ist die „MS Warnow Star“ mit schönen Außenplätzen. In der Sonne lässt es sich hier gut aushalten. Die Rundfahrt mit den interessanten und lustig vorgetragenen Informationen des Kapitäns dauert etwa eine Stunde. Vorbei geht es zunächst an der Hafeneinfahrt mit ihrem Leuchtturm und der langen Mole. Danach passieren wir das Cruise Terminal, wo die Aida schon auf das OK zum Auslaufen wartet. Dahinter gelangt man dann in den Seehafen. Wir erfahren viel über die Firmen, die hier ihre Standorte haben und ihre Produkte. Am imposantesten finden wir das Verladen der riesigen Kräne der Firma Liebherr, die seit 2003 hier ansässig ist. Kaum zu glauben, dass die unfallfrei mit dem Schiff ihr Ziel erreichen.
Zum Schluss treffen wir uns mit etlichen anderen Booten an der Längsseite der Aida und begleiten diese mit der typischen Auslaufmusik bis zum Leuchtturm. Rostock ist der Heimathafen der Aida-Schiffe, deshalb wird die Ausfahrt der Giganten hier immer besonders zelebriert.

Beim Abendessen auf der Terrasse des „Stromgold“ beobachten wir die heimkehrenden Yachten, Ausflugs- und Fischerboote, bevor wir uns auf den Heimweg machen. Der Rückweg zieht sich zwar lang, aber es ist keine unangenehme Gegend um im Dunkeln zurück zu laufen.

Rostock

Am 2. Tag haben wir uns einen Ausflug ins nahe Rostock vorgenommen. Bei strahlendem Sonnenschein machen wir uns auf den Weg. Das Auto bleibt in der Garage, denn die Haltestelle der S-Bahn 51 ist fast vor unserer Haustüre. Mit der Gästekarte ist die Fahrt kostenlos. Es sind nur 8 Haltestellen, so dass wir in einer knappen halben Stunde am Hauptbahnhof sind. Hier muss man umsteigen in die Linie 5 oder 6 in die City. Sie fährt im Bahnhof eine Etage tiefer ab und ist auch in der Gästekarte inbegriffen.


Am Kröpeliner Tor steigen wir aus, weil hier der Rundgang unseres Stadtführers startet.
Wir haben übrigens die Ausgabe von 2025 des jährlich erscheinenden Städteführers „Inside“ Rostock und Warnemünde.   https://www.reisefuehrer-mv.de

Die City Rostocks mit den alten Häusern ist ganz nett und es gibt ein paar sehenswerte Gebäude und Kirchen. Leider ist die Stadt noch mächtig im Umbau – überall wird gebaut und das beeinträchtigt den Genuss beim Stadtbummel sehr.
Wir kommen jedoch bei unserem Rundgang an einigen erwähnenswerten Orten vorbei. Da wäre als erstes am alten Markt die Petrikirche aus dem 13.Jahrhundert. Nach mehrfachen Zerstörungen durch Blitzschlag, Sturm und Krieg wird sie jetzt mit Hilfe eines Fördervereins schrittweise restauriert. Von der Aussichtsplattform auf dem Turm hat man einen spektakulären Ausblick über Rostock, den Hafen und die Umgebung.

Von der Kirche aus gelangt man in wenigen Minuten zum Stadthafen. Leider wird auch hier kräftig gebaut und der Weg zwischen den Bauzäunen hindurch ist etwas ungemütlich. Es lässt sich aber erahnen, dass hier ein durchaus sehenswerter Stadtteil entsteht.
Auf halber Strecke zur Innenstadt liegt vor den Hafentreppen ein alter Kutter als Imbiss umgebaut mit Strandstühlen davor, auf denen man gemütlich sitzt und bei einem Fischbrötchen auf das Treiben im Hafen blicken kann.
Etwas weiter kann man mit einer Fähre auf die andere Seite der Warnow fahren, von wo aus man den besten Blick auf die Skyline von Rostock haben soll. Leider ist es heute sehr windig, so dass sie ihren Betrieb nicht aufgenommen hat. Ebenfalls von hier aus könnte man mit dem Schiff nach Warnemünde (zurück) fahren. Das Ticket kostet etwa 20€ pro Person. Da es heute jedoch kühl und bedeckt ist und wir die kostenlosen Zugtickets haben, sparen wir uns das Geld zumal wir ja in Warnemünde wohnen. Für jemanden, der sein Hotel in Rostock hat ist es aber sicher eine nette Option.

Über eine kleine Verbindungsstrasse (ein Schild weist Richtung City) gehen wir in die Fußgängerzone. Hier gibt es die üblichen Läden wie überall, aber leider auch viele Baustellen. Dabei ist die über 800 Jahre alte Universitäts- und Hansestadt durchaus sehenswert.
Aus unserer Richtung kommend erreicht man zuerst das Kröpeliner Tor mit seinem modernen Einkaufszentrum. Nach links biegt man in die Kröpeliner Strasse ab und gelangt in die Füßgängerzone der Altstadt.
Hier kann man am Universitätsplatz den großen „Brunnen der Lebensfreude“ bewundern, von einigen Einwohnern abfällig „Pornobrunnen“ genannt wegen der vielen Nacktszenen. Er wurde 1980 von den Künstlern Reinhard Dietrich und Jo Jastram geschaffen und soll die Einheit und Wechselbeziehung zwischen Mensch, Tier und Wasser darstellen. Um den Brunnen herum findet man viele Bänke und Cafés, die zum Verweilen einladen. Auch das Tourismusbüro ist hier, wo man sich mit Tipps und Karten versorgen kann.


Hinter dem Brunnen erstreckt sich eine Wiese mit dem Blücherdenkmal vor dem Universitätsgebäude.
Geht man links daran vorbei, gelangt man in den schattigen Hof des Klosters zum Heiligen Kreuz. Es wurde 1270 als Zisternienserkloster von Königin Margarete aus Dänemark als Dank gestiftet. Sie war auf einer Reise in einem Sturm hier am Warnowufer gestrandet. Heute findet man dort das Kulturhistorische Museum und ein Café. Die Klosterkirche aus dem 14. Jahrhundert ist umgeben von einem Garten, in dem im Sommer oft Open-Air-Theaterveranstaltungen stattfinden. Von hier aus kommt man auf die Wallanlagen, die 1270 zur Verteidigung der Stadt angelegt wurden und ehemals 3 km lang waren. Heute sind sie zu einer öffentlichen Parkanlage umgestaltet.

Zurück am Universitätsplatz geht man durch die Altstadt die Kröpeliner Strasse weiter in Richtung Neumarkt.
Schöne Giebelhäuser säumen den Weg, vor allem das Fünfgiebelhaus mit seinem Glockenspiel. 
Rechts sieht man die Fassade des ehemaligen Rostocker Hof, hinter dem jetzt eine Ladenpassage und das Pentahotel liegen. In der Parallelstrasse ist die Michaeliskirche.
Ein Abstecher nach links führt am Ziegenmarkt mit seiner kleinen Ziegenskulptur vorbei zur Marienkirche, Rostocks größte Kirche aus dem 13.Jahrhundert. Sie blieb als einzige Kirche im 2. Weltkrieg fast verschont. In ihr kann man die älteste original erhaltene astronomische Uhr bewundern.

Wenn man von hier zurück auf die Kröpeliner Strasse geht, ist man bald am Neumarkt mit dem Möwenbrunnen und dem Welcome Center  angekommen, wo auch die Straßenbahnlinie zurück zum Bahnhof abfährt. 
Auf der gegenüberliegenden Strassenseite sieht man das Rathaus mit den sieben Zinnen und der Barockarkade aus dem Jahr 1270. Hinter dem Rathaus findet man noch ein paar historische Bauten und die engste Gasse Rostocks.


Danach kommt man wieder zum Alten Markt, wo unser Rundgang begonnen hat. Wir nehmen am Neumarkt die nächste Bahn und machen uns auf den Rückweg nach Warnemünde.

Mit der Molli von Bad Doberan nach Heiligendamm

Ein weiteres lohnendes Ziel für einen Tagesausflug von Warnemünde aus ist Bad Doberan, von wo aus man mit der mecklenburgischen Bäderbahn, liebevoll „Molli“ genannt  fahren kann. Es ist eine historische Schmalspurbahn, die mitten durch die Innenstadt von Bad Doberan fährt und die Heiligendamm und das größte deutsche Ostseebad Kühlungsborn als Ziel hat. 
Fast vor unserer Haustüre, direkt neben dem Bahnhof liegt der Busbahnhof. Hier fährt einmal in der Stunde die Buslinie 119 (mit Gästekarte wieder kostenlos) ab.
Der Bahnhof der Molli ist nicht zu verfehlen, man muss nur den Schienen nachgehen.
Wir entscheiden uns für die halbe Strecke bis Heiligendamm und bezahlen 13€ pro Person. Man kann, wenn man möchte, die Fahrt einmal unterbrechen, zum Beispiel an der Steilküste. Es ist aber wie auch bei den Kreidefelsen auf Rügen so, dass man die Küste eindrucksvoller aus der Entfernung sieht, zum Beispiel von der Seebrücke aus.
Einige wanderlustige Passagiere fahren jedoch bis dahin und laufen zurück nach Heiligendamm.

Heiligendamm wird auch „die weiße Stadt am Meer“ genannt, in Anlehnung an die weißen Häuser, die hier im ältesten Seebad der Ostsee schon seit dem 19. Jahrhundert die reichen Bürger beherbergten.
Heute ist der Ort vor allem durch den G8 Gipfel 2007 bekannt, der in dem 2003 eröffneten Luxusdomizil „Grand Hotel“ direkt am Meer stattfand. Davor liegt ein Strand aus feinem weißem Sand. Die Promenade verläuft bis nach Warnemünde. Wer möchte, kann eine Radtour von dort bist Heiligendamm machen und mit der Molli zurückfahren. Das Rad kann im Zug mitgenommen werden.
Wenn man nicht am Strand liegen oder eine Wanderung zur Steilküste machen möchte, ist hier außer dem Hotel nicht viel zu sehen. Die Seebrücke bietet einen schönen Blick auf die weiße Häuserfront.
Ein paar Restaurants, darunter  der „Herzogliche Wartesaal“ am Bahnhof oder einige Restaurants am Wasser eignen sich für eine Pause. Uns gefiel die Milchbar am Strand sehr gut, wo man leckere Waffeln mit Eis bekommt. Hinter der Düne gibt es noch einen Imbiss und ein Hotel mit Restaurant und Boutique, so wie ein paar Neubauten mit edleren Geschäften. Die übliche Reihe der Souvenirläden wie in den anderen Bädern sucht man hier vergebens.


In Bad Doberan kann man noch durch die kleine Stadt schlendern und das Doberaner Münster besichtigen.


Man sollte sich den Fahrplan der Buslinie gut merken und pünktlich an der Haltestelle sein.

In unserer Ferienwohnung angekommen, trauen wir unseren Augen nicht. Der Riesenkreuzer „Mein Schiff 3“ liegt fast vor unserem Fenster. Obwohl die Bahnlinie und Strasse dazwischen sind, hört man die Musik und die Ansagen für die Passagiere.


Brückenfest in Warnemünde

Heute liegen mehrere Kreuzfahrtschiffe am Kai und die Stadt ist viel voller als bisher. Es ist der Beginn des Brückenfest-Wochenendes. Vor der Brücke hat man eine kleine Bühne aufgebaut, wo Auftritte des Shanty Chors das Fest einläuten. Wir gönnen uns eine Fahrt mit dem Riesenrad für 8€ pro Person. Es ist nicht viel los und der Betreiber lässt das Rad ganze 5 Runden laufen und am höchsten Punkt eine ganze Weile stoppen. Der Ausblick ist wirklich phantastisch.

Das Brückenfest startet am nächsten Vormittag mit der Brückenöffnung, zu der sich eine Unzahl von Menschen entlang des Stroms versammelt haben.
Dieses jährliche Event feiert den Ausklang des Sommers und lockt mit vielen Attraktionen Besucher von weit her an. Die Promenade ist flankiert mit Buden, die neben kulinarischen Sachen auch Kunsthandwerk jeglicher Art anbieten. Auf dem Platz vor dem Teepott und auf der Bühne an der Brücke gibt es Live Musik.
Den Auftakt bildet die Bergung eines Bierfasses der Hanseatischen Brauerei Rostocker GmbH aus der Warnow durch Taucher. Anschließend wird dieses an den Gepäcktransport Rud.Rudkowsky weitergegeben, der es mit seiner historischen Karre zur Bühne bringt, wo es angeschlagen und das Bier verteilt wird.
Danach wird unter Begleitung von Wasserfontänen die mehr als 120 Jahre alte Drehbrücke geöffnet, was noch traditionell per Hand geschieht. Der Shantychor singt dazu ihr Brückenlied „Über diese Brücke musst du gehen“ und Salutschüsse runden die Inszenierung ab.
Anschließend fahren alle Boote, die sich schon seit dem frühen Morgen im Alten Strom versammelt haben in einem Korso durch die Einfahrt, drehen am Ende des Hafens und fahren zurück. Vom Fischerboot über Seenotretter und Segler bis zur Yacht ist alles vertreten. Eine halbe Stunde dauert das Spektakel, dann wird die Brücke wieder geschlossen – bis zum nächsten September.
Vor der Bühne findet dann die Party mit Livemusik statt.

Gegen Abend kann man am Kreuzfahrtkai das Auslaufen der Schiffsgiganten beobachten, während man sich mit einem Bier oder Cocktail auf die Bank oder Mauer setzt.

Der IGA Park mit dem Museumsschiff „Dresden“

Der nächste Ausflug führt uns zum IGA-Park, in dem das Museumsschiff MS Dresden liegt. Man kann hier viel Wissenswertes über die Entwicklung des Schiffsbau und der Schifffahrt seit der Hansezeit erfahren.
Im großen IGA-Park findet bei unserem Besuch vor dem Schiff das Bürgerfest „Rostock ist bunt“ statt. An vielen Ständen zeigen Bürger der Stadt alles, was an Engagement für die Bewohner stattfindet: Sportvereine, Kultureinrichtungen, soziale Angebote, Behindertenintegration und Bildungsangebote zeigen, wie vielfältig und vorurteilsfrei man zusammen Zeit verbringen kann. Die Besucher werden aufgefordert, bei etlichen Aktionen mitzumachen.
Heute ist im Rahmen dieses Festes der Eintritt auf die „Dresden“ um die Hälfte reduziert. Normalpreis: 8€ pro Person. Man kann das Schiff allein erkunden. Auf zwei Decks hat man unter anderem Zugang zu Kabinen und Steuerdeck. Im Untergeschoss läuft die Wechselausstellung „Piraten, Realität oder Mythos“, die vor allem Kinder begeistert, die hier Seeräuber-Accessoires basteln können.
Einen halben Tag sollte man mindestens für den Besuch des Parks einplanen.

Schwerin

Ein weiterer schöner Tagesausflug führt uns in die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern – nach Schwerin. Sie ist die kleinste Landeshauptstadt und die einzige, die keine Großstadt ist, aber die älteste Stadt ihres Bundeslandes.
Das Wahrzeichen der Stadt ist das wie ein Märchenschloss anmutende Schweriner Schloss mit dem Schlossgarten, das auf einer Insel im Schweriner See liegt. Bis 1981 war es Sitz der Herzöge von Mecklenburg-Schwerin. Seit 1990 ist es Sitz des Landtags.
2009 fand hier die Bundesgartenschau in dem schönen Garten statt und 2024 wurde es in die Liste des Unesco Welterbes aufgenommen.
Wir sind sehr früh da und erfahren, dass heute Tag des offenen Denkmals ist und Eintritt und Führung kostenlos. Jedoch ist es sehr voll und gegen Mittag gibt es schon keine offenen Führungen mehr. Jetzt um 10:00 Uhr ist es jedoch kein Problem. Sehr kurzweilig erzählt die Frau, die uns durch das Gebäude führt, Geschichten und Fakten über die Bewohner des Schlosses und dessen Geschichte. Diese geht bis ins 10. Jahrhundert zurück. Aber erst  im 16. Jahrhundert förderte vor allem Herzog Johan Albrecht I den intensiven Ausbau. Anschließend wurde der weitere Ausbau immer wieder verhindert und 1763 wurde der Hofsitz nach Ludwigslust verlegt. Mitte des 19. Jahrhunderts verlegte man ihn wieder zurück und Großherzog Friedrich Franz II initiierte den Umbau zum heutigen Schloss. Es ist weitestgehend original erhalten, bis auf einen Flügel, der 1913 abbrannte. Heute ist es für Besucher freigegeben.
Auch in den Sitzungssaal des Landtags dürfen wir schauen. In der Sitzungsperiode gibt es mit Anmeldung Plätze für Zuschauer.
Der Garten des Schlosses mit seiner Orangerie und einem Kolonadenhof bietet viele Möglichkeiten zum spazieren und sitzen um die Aussicht auf den See zu genießen.

Nach der Schlossbesichtigung sollte man einen Bummel durch die nette Altstadt machen. Über den Marktplatz mit dem Dom kommt man zum „Pfaffenteich“. Der Name stammt aus der Zeit, als angeblich an einem Ufer Pfarrer kleine Gärten hatten und mit dem Wasser des künstlich angelegten Sees bewässerten.

Als Abschluss der Tages bietet sich in der Nachmittagssonne eine Fahrt mit einem der Ausflugsboote der „Weißen Flotte“ über die Seen um das Schloss an. Vom Boot aus hat man den besten Ausblick auf das malerisch in der Sonne liegende Schloss.
Der Kapitän kommentiert sehr unterhaltsam alles, was man auf der Fahrt sieht.

Wismar

Einen weiteren Tag kann man mit einem Ausflug nach Wismar füllen.
Die Hansestadt Wismar war bis 1803 in schwedischem Besitz, was man heute noch an Straßennamen, Gebäuden und Skulpturen sehen kann. Erst 1903 ging sie zurück an Mecklenburg. Die sehr gut erhaltene Altstadt steht seit 1990 unter Denkmalschutz und gehört seit 2000 zum Weltkulturerbe.

Wismar hat uns von allen Städten an der Ostsee am besten gefallen.
Bisher kannte ich die Stadt nur aus der TV Serie „Soko Wismar“ und ich war überrascht über die schöne Architektur der Häuser.
Der Hof der Heiligen-Geist-Kirche ist in der Krimiserie die Einfahrt des Polizeipräsidiums und immer von Hobbyfotografen belagert.

Heiligen Geist

Wenn man durch die Stadt bummelt sieht man an jeder Ecke schöne gut erhaltene Gebäude mit Backsteinfassaden, schönen Giebeln, Erkern und Zinnen.
So wie der „Alter Schwede“, das älteste erhaltene Bürgerhaus von 1380, in dem heute ein Restaurant ist.
Auch die Fassaden der alten Löwenapotheke, die heute ein Café ist oder das historische Zollhaus, in dem sich heute auch ein Restaurant angesiedelt hat, sind lohnenswerte Fotoobjekte.


Vor allem sehenswert sind die Wahrzeichen der Stadt: ihre schönen alten Kirchen. 
Neben der oben erwähnten Heiligen Geist Kirche gibt es zum Beispiel St.Georgen, die seit der Wende mit Spendengeldern wieder aufgebaut wurde und seit 2010 wieder als Kirche dient. Wismar von oben erlebt man am eindrucksvollsten vom Turm  dieser Kirche, zu dem man mit einem Aufzug gelangt.

Ein Stück weiter befindet sich die  St. Marienkirche aus dem 13.Jahrhundert, von der nur noch der Turm steht. Innen kann man Ausstellungen besichtigen. Vor dem Turm, auf dem Gelände des ehemaligen Kirchenschiffes berichten eine große Anzahl alter Grabplatten aus der Geschichte Wismars.
Neben dem Turm befindet sich die Skulptur „Die Tauziehen“. Sie wurde 1985 von einem Wismarer Bildhauer gestaltet um das Ringen nach der besten Lösung zu versinnbildlichen.


Auch St. Nikolai, um 1400 erbaut, war die Kirche der Seefahrer und lohnt auch einen Besuch.

Ebenfalls ein Wahrzeichen der Stadt ist der Wasserkunst Pavillon auf dem Marktplatz, der früher der Wasserversorgung diente.


Unbedingt besuchen sollte man der alten Hafen mit seinen Fischbrötchenverkäufern, Fischlokalen, Ausflugsschiffen und historischen Schiffen. An der Spitze der Einfahrt liegt der Nachbau einer mittelalterlichen Kogge, die man mit Mitteln der damaligen Zeit nachgebaut hat. Man kann sie besichtigen oder Ausflugsfahrten unternehmen.
Ganz vorn befindet sich das im Barockstil erbauteBaumhaus. Früher wurde hier bei Nacht oder Gefahr die Hafeneinfahrt durch die „Bohmschlüter“ mit einem Baumstamm verschlossen – daher der Name.
Das Haus steht unter Denkmalschutz und wird heute als Museum mit wechselnden Ausstellungen genutzt. Die beiden Schwedenköpfe am Eingang sind Repliken der zerstörten Originale, die auf die schwedische Vergangenheit Wismars hinweisen.

Um einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu bekommen ist eine Stadtrundfahrt empfehlenswert. Für 15€ pro Person fährt man im offenen Bus durch die Stadt und erfährt vieles über die Gebäude und die Geschichte, verpackt in nette amüsante Anekdoten. 
Tipp: Wir haben diese Rundfahrt als erstes gemacht und sind dann gezielt durch die Altstadt gelaufen, um die Sehenswürdigkeiten genauer zu besichtigen.

Wenn auch die historischen Bauten das Schönste an Wismar sind, gibt es doch auch eine Fußgängerzone mit modernen Geschäften, wie sie auch in anderen Städten zu finden sind. Und dieser Teil wird immer weiter ausgebaut.
Die Kaufhausgeschichte hat hier auch eine alte Tradition. 1881 errichtete hier Rudolph Karstadt sein erstes Warenhaus, das heute noch existiert. Das war der Anfang seiner persönlichen Erfolgsgeschichte mit Filialen in ganz Deutschland.

Leider war dies der letzte Ausflug mit dem Standort Warnemünde.  Der nächste Aufenthalt wird Scharbeutz in der Lübecker Bucht sein.