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Zwischen Rügen und Usedom erstreckt sich im Osten der Greifswalder Bodden, ein buchtartiger flacher Teil der Küste, der eiszeitlichen Ursprungs ist. An der Ostseeküste gibt es mehrere dieser durch Grundmoränen geformter Buchten, die durch vorgelagerte Inseln vom Meer getrennt sind und eine Art Lagune bilden. Der Greifswalder Bodden ist der größte davon. Bei Peenemünde auf Usedom fließt der Peenestrom in den Bodden und senkt in dem flachen Gewässer den Salzgehalt. Dadurch findet man hier Fischarten, die sonst im Süßwasser leben, wie zum Beispiel Hecht und Zander. Die Gegend gilt als Paradies für Angler und in den Restaurants der südlichen Ostseeküste stehen diese Fische fast immer auf der Speisekarte.
Von Rügen, unserem letzten Ziel, bis Usedom sind es nur knapp 160 km. Unser nächstes Domizil ist Heringsdorf, wo wir eine Ferienwohnung im alten Kurhotel gebucht haben. Da wir dort erst um 14 Uhr einchecken können, wollen wir einen Zwischenstopp in Zinnowitz, dem ersten der Seebäder machen.
Über die Peenebrücke, auch wegen ihres leuchtend blauen Anstrichs „Blaues Wunder“ genannt, geht es von Wollgast aus auf die Insel.
Früher verkehrte hier eine Fähre, die aber für den aufkommenden Tourismus Anfang des 20.Jahrhunderts nicht mehr ausreichte. So hat man eine Brücke gebaut, die nach ihrer Zerstörung im Krieg 1996 wieder eröffnet wurde. Es ist eine Zugbrücke, die nicht immer geöffnet ist um die Schiffe durchzulassen. Man sollte sich vorher über die Öffnungszeiten informieren und die Anreise danach planen.
Zinnowitz
Zinnowitz ist ein typisches Seebad, wie wir es auch von Rügen schon kennen. Es gibt eine Fußgängerzone mit Läden und Restaurants, Promenade, Seebrücke und einen weißen Sandstrand.
Achtung: Man braucht eine Kurkarte für den Zugang zum Strand – und die bekommt man in der Regel in der Unterkunft oder im Tourismusbüro und sie gilt für mehrere Seebäder. Wir hatten das nicht bedacht, wurden aber zum Glück nicht kontrolliert.
Wir parken auf der anderen Seite der Dünenstrasse Ost, wo 20 Minuten 50 Cent kosten. Von dort sind es nur ein paar Schritte bis zur Seebrücke. Davor findet man das Restaurant „Strandbistro Zur Düne“ mit Blick auf den Strand und leckeren Fish&Chips und Fischbrötchen. Es ist sehr warm, obwohl es erst Anfang Juni ist und es macht Spaß mit den Füßen im Wasser am Strand entlang zu laufen. Das finde ich generell in den Ostseebädern sehr schön, dass man endlos am Wasser entlang laufen kann, oftmals ohne Unterbrechung bis zum nächsten Seebad. Als wir über die Strandpromenade zurück gehen, kommen wir an der Konzertmuschel vorbei, wo gerade eine Art Tango-Tanzveranstaltung im Freien stattfindet. Wir schauen den Tanzpaaren ein wenig zu bevor wir weiter Richtung Heringsdorf fahren.







Heringsdorf
Angekommen am „Kurhotel zu Heringsdorf“ sind wir erst mal etwas geschockt. Der Riesenbau, etwas in die Jahre gekommen, passt so gar nicht zu einem netten Strandort. Im Innern ist jedoch inzwischen viel renoviert und unsere Ferienwohnung modern und komfortabel eingerichtet. Sie verfügt über ein Schlafzimmer mit ausreichend Platz für Kleidung und Koffer, eine Küchenzeile im Eingangsbereich und ein Wohnzimmer mit Polstermöbeln und Esstisch. Dazu gibt es einen kleinen Balkon, der aber nicht wirklich zum Verweilen einlädt. Er ist etwas herunter gekommen, die Balkonmöbel sind sehr einfach und man schaut im Wesentlichen auf die Wand des gegenüberliegenden Gebäudetrakts, in dem noch das Kurhaus untergebracht ist. Über die Häuser hinweg kann man allerdings die Strandpromenade sehen. Wie wir später merken, gibt es auf dem Balkon noch ein anderes Problem. Als ich mit einem Glas Wein und Chips an dem kleinen Tisch sitze, kommt wie aus dem Nichts eine riesige Möwe angeflogen, die die Chipstüte stiehlt und nur schwer davon abzubringen ist, mir ins Wohnzimmer zu folgen. Dabei ist sie nicht zimperlich und hackt auf meinen Fuß ein. Also: auf keinen Fall etwas Essbares auf den Balkon legen…
Die Lage des Hotels ist jedoch genial: direkt am Kurpark und an der langen Seebrücke mit ihren Läden und Lokalen. Außerdem hat es einen schönen modernen Wellnessbereich mit Schwimmbad, Sauna und Ruhebereich, den ich ausgiebig nutze.





Man kann hier auch Frühstück oder Halbpension buchen, aber der Speisesaal ist ungemütlich im Keller. Wir ziehen es vor, uns in der Bäckerei an der Seebrücke unser Frühstück zu holen (sehr leckere Backwaren und belegte Brötchen). Zum Abendessen kaufen wir ein paar mal Fischbrötchen im Kiosk daneben. Dort kann man im Außenbereich zwischen den Gebäuden sitzen oder das Essen mitnehmen. Gemütlicher ist es ganz hinten auf der Seebrücke in der Pizzeria mit Blick aufs Wasser.
Mit ihren 508 Metern ist sie die längste Seebrücke Deutschlands und bietet viele Freizeitmöglichkeiten mit mehreren Lokalen, Bar und Geschäften.







Auch in der Innenstadt gibt es gute Restaurants, vor allem das Brauhaus hat uns gut gefallen. Es ist aber immer gut besucht, so dass man unbedingt reservieren sollte.
Kurz vor Ahlbeck direkt am Strand ist noch „Uwes Fischerhütte“ mit leckeren Fischgerichten.
Im Kurpark ist am Abend immer viel los – selbst jetzt in der Nebensaison. Es gibt Stände mit Snacks, Eiscreme und Cocktails, die man auf den unzähligen Sitzgelegenheiten bei Live Musik genießen kann. Manche Gäste schwingen auch tanzschulmäßig das Tanzbein. Wir sitzen oft dort und schauen auf das bunte Treiben.
Vom Kurpark aus kann man in beide Richtungen endlos die Promenade entlang laufen – oder mit dem Mietrad fahren. Nach Westen geht es über Bansin bis nach Zinnowitz und nach Osten am großen Riesenrad „Circle of Life“ und einem Theaterzelt „Chapeau Rouge“ vorbei bis nach Polen. Und vor der Promenade erstreckt sich ein endloser weißer Sandstrand.
Wir nehmen uns vor, am nächsten Tag die beiden anderen „Kaiserbäder“ Bansin und Ahlbeck zu erkunden.








Fahrradtour zu den alten Kaiserbädern und nach Polen
Am nächsten Morgen nehmen wir unser online gebuchtes E-Bike in Empfang. Vielleicht findet das der Eine oder Andere unsportlich, aber bei dem Gegenwind an der Küste ist das durchaus hilfreich.
Der Verleih ist genau neben dem Hotel und man bekommt auch einen Helm dazu, wenn man möchte.
Fährt man die Promenade entlang, passiert man unzählige alte Villen mit Säulen, verzierten Erkern und Türmchen aus der Kaiserzeit. Die meisten sind gut erhalten und manche sind heute Hotels oder Ferienwohnungen. Im Tourismusbüro bekommt man einen Plan für alle „Kaiserbäder“ und vor den Villen gibt es Schilder, auf denen man viel über die Geschichte und die Personen, die dort wohnten erfährt.







Vor Ahlbeck erreicht man die Aktivpromenade und den Sportstrand, wo man sich bei Bedarf mit mehreren Sportarten austoben kann. Wir sind mit den sportlichen Aktivitäten auf dem Fahrrad für heute zufrieden.


Ahlbeck
Kurz darauf erreicht man das noble Ahlbeck. Auch hier sieht man wieder die typische Promenade mit Hotels, Läden und Restaurants, die Konzertmuschel, die weiße Seebrücke und den schönen breiten endlosen Sandstrand.
Die Seebrücke aus dem Jahre 1882 ist das Wahrzeichen Ahlbecks. Ein Restaurant bildet den „Eingang“. Hinter dem Gebäude kann man auf der schönen Terrasse zu Mittag essen oder Kaffee trinken.
Am hinteren Ende befindet sich der Anleger der „Adler-Schiffsflotte“, die auch in den anderen Badeorten anlegen.







Swinemünde in Polen
Wir radeln weiter. Bis Swinemünde in Polen sind es von hier aus nur noch 8 km. Es gibt keinen bewachten Grenzübergang, nur ein Schild, das darauf hinweist, dass man Deutschland hier verlässt.



Swinemünde ist eine Art Shopping-Paradies für Touristen. Auf dem „Polenmarkt“ säumt eine lange Reihe von Läden die Strasse und überall wirbt man mit preiswerten „Schnäppchen“, die aber nicht selten nur Plagiate sind. Die ehemaligen Stände sind in vielen Fällen inzwischen durch neue Gebäude ersetzt. Man kann mit polnischer Währung zahlen (Wechselstuben gibt es am Stadteingang) oder mit Euro. Kartenzahlungen werden auch überall akzeptiert.
Wir sind aber nicht zum Shoppen hier, deshalb lassen wir den Trubel hinter uns und fahren weiter zur Strandpromenade mit ihren modernen Bauten und dem breiten Sandstrand. Hier gelangt man auch zur Mündung der Swine.
Swinemünde blickt auch auf eine lange Geschichte zurück, die vom Glanz der Bäder über die Zerstörung im Krieg bis zur neuen Tourismuskultur reicht.
Der Handels-Hafen mit seinem Flüssiggasterminal auf Usedoms benachbarter Insel Wollin ist heute wichtig. Viele Schiffe passieren hier die schmale Einfahrt.
Sehenswert ist auch die weiße Mühlenbake, das Wahrzeichen der Stadt, das seit 1873 die Einfahrt in die Swine markiert.
Wir fahren an der Hafenmole entlang bis zum Yachthafen. Als größter seiner Art an der Ostsee ist hier Platz für 300 Schiffe und er bietet die nötige Infrastruktur mit Duschen und Einkaufsmöglichkeit.
Wenn man am Ende des Hafens nach rechts abbiegt, kommt man in die Altstadt. Die inzwischen renovierten Bürgerhäuser sehen heute wieder ganz ansehnlich aus.
Wieder angekommen am Polenmark biegen wir nach links ab und fahren die Promenade entlang wieder zurück nach Ahlbeck, wo wir den Nachmittag am Strand verbringen. Man muss hier übrigens nicht unbedingt einen Strandkorb mieten, sondern kann sich überall auf der Insel mit seiner Decke ausbreiten und kostenlos (bis auf die Kurtaxe) den Sand und das Wasser genießen.








Bansin
Da wir das Rad erst um 18.00 Uhr wieder abgeben müssen, beschließen wir nach der Rückkehr in Heringsdorf noch einen kleinen Abstecher in die andere Richtung nach Bansin zu machen. Die Entfernungen sind hier wirklich überschaubar und mit dem E-Bike kein Problem.
Auch hier gibt es den übliche Anblick wie in den anderen Bädern, nette Restaurants und Läden reihen sich aneinander, der Strand mit den bunten Körben leuchtet schneeweiß und die Seebrücke ragt 285m weit in die Ostsee hinaus – hier allerdings unbewirtschaftet. Lediglich ein Anlegesteg der Adler-Schiffe ist hier zu finden und eine phantastische Aussicht auf die Bäderarchitektur des Ortes.



Baumwipfelpfad Heringsdorf
Den dritten Tag wollen wir in luftiger Höhe starten. Von Heringsdorf aus ist der Baumwipfelpfad in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen. Man geht durch den Kurpark am Bahnhof vorbei und ist schon am Eingang. Die Tickets kosten 11€ für Senioren.
Knapp 800m läuft man in einer Höhe um die 20m auf einem Steg durch den Wald. Unterwegs findet man Erlebnis-Stationen zum Sehen, Fühlen und Balancieren oder Infotafeln, die interessante Fakten über Flora und Fauna der Insel erzählen.
Am Ende geht es gut 500m in Windungen auf den 33m hohen Turm, von wo aus man bei schönem Wetter einen tollen Ausblick über die ganze Küste mit ihren Bädern zur einen Seite und endlose Wälder und Seen zur anderen Seite hat.
An der Kasse kann man für Kinder ein Aufgabenblatt für eine Rallye erstehen mit vielen spannenden Aufgaben. Oben auf dem Turm befindet sich ein begehbares Netz für Höhenunempfindliche.
Der Steg ist leicht zu gehen und der Wandelgang nach oben ist auch barrierefrei.




Strand und Kurpark Heringsdorf
Am Nachmittag mieten wir uns einmal einen Strandkorb, den man stundenweise buchen kann. Zum Baden ist es uns zwar zu kalt (Luft 16° / Wasser 18°), aber man sitzt gemütlich mit einem Blick auf die Ostsee.




Später um 16 Uhr ist auf der Bühne im Kurpark eine Veranstaltung „Usedom tanzt“, bei der fünf Kindergarde-Vereine ihr Können zeigen. Sie bieten etliche Garde- und Showtänze. Karneval im Sommer, zum Teil auf „kölschen Liedern“ – wie zu Hause…

Peenemünde – die Wiege der Raumfahrt
Ein Ausflug fehlt noch auf unserer To-Do-Liste: Das „Historisch-Technische Museum“ in Peenemünde.
Hier war von 1936-1945 das größte militärische Forschungszentrum Europas, sozusagen eine „Heeresversuchsanstalt“.
Auf dem 25 km2 großen und abgelegenen Gebiet waren bis zu 12.000 Menschen beschäftigt. Sie wurden rekrutiert als Zwangsarbeiter und bauten an neuartigen Waffensystemen, wie Marschflugkörper und erste Großraketen. Teils unter menschenunwürdigen Bedingungen wurden Kz-Häftlinge oder Kriegsgefangene eingesetzt, von denen viele hier ihr Leben verloren.
Ab 1944 wurden die Waffen im 2.Weltkrieg als „Vergeltungswaffen“ eingesetzt und von den Nazis als „Sicherung für den Frieden“ dargestellt.
Die Leitung der Neuentwicklungen hatten damals Walter Dornberger, Chef der Raketenabteilung im Heereswaffenamt und der heute bekanntere Wernher von Braun.
Die erste Rakete flog am 3.Oktober 1942 fast bis zum Weltraum.
Peenemünde gilt daher als die Wiege der Raumfahrt.
Das Zentrum war ursprünglich als zivile Idee entstanden, inspiriert durch Science Fiction Filme. Mit der Zeit entwickelte es sich aber zur reinen Kriegsmaschinerie. Es gab hier mehrere Abschussrampen. Der Standort mit der freien Flugbahn entlang der pommerschen Ostsee war perfekt. Nach einer Rede Hitlers 1939 wurden die Briten auf die Angriffswaffen aufmerksam und versuchten diese 1943 in der „Operation Hydra“ zu zerstören. Aber der Angriff traf überwiegend die Unterkünfte der Arbeiter und verfehlte das Hauptziel. Danach wurden die Produktionsstätten zum Schutz unter die Erde verlegt. Wie die Geschichte zeigt, haben die Wunderwaffen den Sieg Hitlers nicht begünstigt. Nach dem Krieg wurde die Anlage von 1945 bis 1952 sowjetischer Marine- und Luftwaffenstützpunkt und danach Marinestützpunkt der DDR. Bis 1990 war hier militärische Sperrzone, die nach der Wende aufgelöst wurde. Heute ist es eine eindrucksvolle Dokumentationsstätte, deren Besuch auf jeden Fall lohnenswert ist. Man sollte sich Zeit nehmen, um alle Exponate und Erklärungen in Ruhe zu erkunden.







Nach diesem eindrucksvollen Vormittag wollen wir den letzten Tag ruhig ausklingen lassen und mieten noch einmal einen Strandkorb in Heringsdorf. Ganz plötzlich verdunkelt sich der Himmel und ein starker Regenguss stört unsere Idylle. Wenn wir jetzt gehen, sind wir patschnass. Wir klappen den Korb hoch und hängen meine wasserdichte Stranddecke davor. 30 Minuten sitzen wir dort und hören den Regen auf das Dach trommeln. Außer uns lässt sich nur noch eine Frau im Strandkorb hinter uns nicht vertreiben. Als es endlich aufhört, kommt genau so plötzlich die Sonne wieder heraus und wir können den Nachmittag doch noch genießen.
Die 4 Tage in Usedom haben wir fast als zu kurz empfunden, da es hier wirklich viel zu sehen und zu unternehmen gibt.
Was man zum Beispiel noch hätte machen können:
eine Schlössertour oder eine Fahrradtour zum Kölpinsee
Oder man könnte die Bernsteinbäder besuchen.
Oder ganz einfach mal einen ganzen Tag am Strand entspannen.
Die nächsten Ziele der Ostsee werden wir im nächsten Jahr besuchen.
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